New York. Die mit mehr als 8 Millionen Einwohnern bevölkerungsreichste Stadt Amerikas ist heimlicher Jungbrunnen und heiliger Kelch der Musik. Die Stadt am Hudson Rivers, die seit Jahrzehnten Musik am Fließband evoziert. Das besondere, es sind meist Referenzen, keine x-beliebigen Plagiate. Art-Riot mit Yeah Yeah Yeahs, Wave mit Interpol, Jewish-Folk mit Adam Green, Retrorock mit The Strokes, und so weiter und sofort.

Ambulance LTD. gründen sich, wie könnte es anders sein, auch in New York und das mit einer für diese Stadt ungewohnten Portion Understatement. Keine Metropolen-Hipness-Zurschau-Stellungssucht führen Marcus (Gesang/Gitarre), Darren (Drums), Matt (Bass) und Benji (Gitarre) zusammen, sondern die Liebe zum Jazz: „Jazz gibt uns eine gute Grundlage für musikalisches Fachwissen. Er gibt dir ein Verständnis für Rhythmus, Harmonie und Melodie. Außerdem hilft er, sich zu konzentrieren und das Timing richtig hin zu kriegen.“ Anstelle der Knöpfchendreherei, DFA-Remixe, glossy Kunst-Programmatik im verbrillten Hinterköpfchen tritt feinster UK-Indie vom Schlage Teenage Fanclub, Ride und früherer The Verve. Ambulance LTD. sind aufgrund dessen alles andere als New York typisch, eher blasphemisch, also eigen und somit am Ende doch irgendwie wieder New York.

Alle vier sind im amerikanischen Nirgendwo aufgewachsen. Entdeckten dort ihre Liebe zur Musik, überwiegend durch die mehr oder weniger bekannte Verwandtschaft und fanden sich Anfang Zwanzig im Big Apple wieder. Ihre erste EP „Ambulance LTD“ erscheint 2003. Im selben Jahr geht es im Vorprogramm von London Suede auf UK-Tour. “Die Leute denken immer, dass wir nett und lieb sind, aber auf Tour können wir ganz schön aufdrehen. Es gab damals ziemlich viel schlechtes Benehmen,” erzählt Darren. Mit den Konzerten wächst die Zuhörerschaft, mit dem öffentlichen Interesse wächst das Anklopfen von Plattenfirmen.

2005 unterschreiben die Jungs bei TVT Records und veröffentlichen noch im selben Jahr das schlicht betitelte Debüt-Album „LP“. Langezogener Gitarrenrauch, warmer Basssound und entspannter Gesang sind auf der Platte bestimmend. Sphärisch und schön.

Hans Erdmann