Zwischen Franz Ferdinand und Selig


Aus Österreich kommen vier junge Männer mit großen Ideen: Bilderbuch schicken sich an, mit smarten Songs und originellen Texten – auf deutsch! – ihre eigene Nische zwischen Franz Ferdinand und Selig zu erobern.

Sie ist der Baum in meinem Garten/ sie wirft Schatten an sonnigen Tagen/ sie ist Liebe, sie ist Stolz/ wenn ich sie fälle, hab’ ich Holz“. Das ist schon eine zum Nachdenken anregende Text-Zeile, oder? Sie stammt aus dem Song “Auf Sand Gebaut” der österreichischen Nachwuchsband Bilderbuch. Die kommen demnächst mit ihrem Debütalbum um die Ecke, und sollen hier einmal kurz vorgestellt werden. Denn von den vier selbsternannten aber ehemaligen “Milchbubis” wird möglicherweise in nächster Zeit noch so einiges zu hören sein!

Angefangen hat alles vor wenigen Jahren in der oberösterreichischen Provinz, genauer in einer kleinen Gemeinde namens Kremsmünster. Etwa sechseinhalbtausend Einwohner hat’s dort, und vier davon beschlossen, Musiker zu werden. Damals besuchten Fö, Peter, Maurice und Klemens noch das dortige Kloster-Gymnasium. Nach eigener Aussage kam zuerst die Idee, Musik machen zu wollen, und dann erst die Auseinandersetzung mit dem jeweiligen Instrument: “Ich habe erst nach der Gründung begonnen, an der Gitarre zu üben,” erzählte beispielsweise Sänger und Gitarrist Maurice vor wenigen Wochen dem Wiener Standard. Jawohl, selbst die österreichische Tagespresse hat bereits Notiz vom Phänomen “Bilderbuch” genommen. Kein Wunder, schließlich klingen schon die ersten, 2007 aufgenommenen und auf der Band-Webseite veröffentlichten Demo-Versionen von Songs wie “Kopf Ab” ganz schön ausgereift und spannend – wie eine Mischung aus Franz Ferdinands dynamischem Sound und den lyrischen Elementen der kürzlich wiederauferstandenen Selig.

Bilderbuch – Kopf ab

Mittlerweile finden sich Bilderbuch, wie das bei Menschen im Spannungsgebiet zwischen Jugend und jungem Erwachsenen-Dasein so ist, in einer nicht ganz einfachen Situation: Die relative Sicherheit des Elternhauses und der vertrauten Umgebung weicht unweigerlich irgendwann der Konfrontation mit knallharten Realitäten – und den damit verbundenen Fragen. Was soll aus mir werden? Wo kommt das Geld her? Wo gehe ich hin? Gründungsgitarrist Klemens Kranawetter entschied sich vor einem reichlichen halben Jahr schweren Herzens dafür, voll und ganz Student zu werden, und damit gegen eine weiter Mitgliedschaft bei Bilderbuch. Und auch den gerade mal 20jährigen Sänger Maurice zog es in die weite Welt der akademischen Bildung; jedoch war für ihn von vorneherein klar, dass es nicht ohne die Musik gehen würde.

Inzwischen wohnt er also in Wien, wo er studiert, während andere Mitglieder des Quartetts sich noch nicht so ganz von der oberösterreichischen Heimat abnabeln wollten – oder konnten; immerhin muss auch bei unseren Nachbarn ein Zivildienst abgeleistet werden. Das Dilemma der räumlichen Trennung überwinden die vier allerdings auf pragmatische Weise: Statt wie vorher im Proberaum zu lärmen, gehen sie ihren Plan derzeit eher semi-theoretisch in Maurices Studentenbude an, wenn sie sich dort treffen. Einen neuen Gitarristen haben sie übrigens auch recht schnell gefunden: Nicht einmal zwei Wochen nach Bekantgabe von Klemens’ Ausscheiden stand Michael Krammer auf dem Plan, um die Lücke am zweiten Sechs-Saiter zu füllen. Als nächstes kam ein Videodreh in Berlin – und in Kürze (am 18.7. beim Motor-Club im Magnet) auch der erste Gig in der deutschen Hauptstadt!

Bilderbuch – Best Of

Zuvor gilt es noch, ein ziemlich aufregendes Engagement wahrzunehmen: Am 15. Juli spielen Bilderbuch im Vorprogramm der mächtigen Cold War Kids. Sicherlich zählen die mit ihren mehrschichtigen Texten und ausgeklügelt-druckvollen Arrangements auch zu den Vorbildern. Dass Bilderbuch aber keine schnöden Kopisten sind, sondern mit Textzeilen wie der eingangs erwähnten und so manchem gewieftem Song durchaus eigenständig zu erfreuen wissen – das kann in Bälde auf ihrem just fertiggestellten Debütalbum gehört werden.

Stephan Behrens

Bilderbuch


In der frommen Umgebung eines Kloster-Gymnasiums entdecken Maurice, Peter, Andreas und Michael die Notwendigkeiten des mitreißenden Gitarrenrock mit schweißnasser Attitüde: Toughe Akkordfolgen, tightes Schlagzeugspiel, treibender Bass und Melodien, die ohne Schnörkel und doppeltem Boden sofort ins Ohr gehen. Die vier Jungs aus der Hauptstadt Österreichs machen frischen deutschsprachigen Powerpo, mit Rock- und Indie-Elementen.

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