Irgendwie wird das Reeperbahn Festival seinem Namen nicht gerecht – es findet zwar auf der Hamburger Reeperbahn statt, aber eben dort, wo Kegelvereine wie Partytouristen fast jeden Abend die Sau rauslassen, entsteht ein Mal im Jahr etwas, das reißerisch als das Epizentrum der guten Musik bezeichnet wird. Das führt aber auch zum Punkt: “Festival” ist hier mehr als nur eine Untertreibung. Dieser Begriff, der heute dauerbetütelde Twentysomethings und all jene, die das noch werden wollen beschreibt, wenn sie sich auf einem schlammigen Acker in stinkende Zelte quetschen, bildet schließlich nur einen Teil dessen ab, was hier auf der Reeperbahn passiert – und das nichtmal gut.
Stattdessen ist es wohl mit der wichtigste Branchentreff der Musikindustrie. Networken hält die Bands glücklicherweise nicht davon ab, sich die Hände in den legändersten Hamburger Clubs zu geben: Beatsteaks, Clueso, Talisco, Jens Friebe, Sinkane, Phoria, The Acid… Die Liste ist noch länger. Viel länger. Wir haben für euch die Reeperbahn unsicher gemacht, wofür wir Free Drinks ausgeschlagen und Menschenmengen durchwühlt haben! Unsere Redakteure Hannah und Carsten geben einen kleinen Vorgeschmack:

Er so:
Es scheint sich so eine Art Credibility-Hackordnung heraus gebildet zu haben – Die Währung: Freigetränke-Bändchen und Augenringe. Der Lohn: Mehr von beidem und die Fast-Lane zum nächsten Gratis-Barbecue, direkt duch den Mr-Important-Eingang hinein ins fleischige Glück. Wie gut, dass es da noch Konzerte gibt. Ein Highlight waren für mich eindeutig IBEYI, kubanische Zwillingsschwestern, die auf der Bühne  weniger distanziert sind, als vermarktet. Dabei schmeckt auch das gekaufte Astra hervorragend, zumindest, bis die Aftershowparty ansteht. 
Naja, aber was solls: Da das Reeperbahn Festival einfach verdammt cool ist, werden solche Festivitäten zum Generator wunderbarer WTF-Momente innerhalb wunderbarer Tage. Und sonst wär das ja auch langweilig!

Sie so:
Der Kutter ist geankert, das Astra ist am Mann! Einen Hieb nach dem anderen spüre ich auf den müden Fußknochen unterhalb meines linken Schienenbeines. Autsch. Und während sich die berauschten Massen vor mir in schwerfüßiger Manier über den von Neonschriften erfüllten Kiez in Richtung Molotow, Docks und Co. schieben, kann man das Flüstern Dionysus am Ohrläppchen und entlang der aufstehenden Nackenhaaren spüren. Das Gemisch aus Alkohol und Rauch vermengt sich in der Luft, um dann wie ein Film über das Schauwerk zu sinken. Catfish And The Bottlemen. Lambert. Max Jury. Mo Kenney. All The Luck In The World. Wooden Arms. Sie sind aus Kanada, UK und anderswo gekommen, um dem Drama des apollinischen Rummelplatzes Norddeutschlands, der das Astra zum Glühen, das Fischbrötchen zum Tanzen und die Ohren zum Summen bringt, beizuwohnen. Frei nach dem Motto ‚An der Eck steiht’n Deern mit’n Eierkorf, in de anner Hand’n groote Buddel Rum.‘, bleibt nur noch eines zu sagen: Ist der Drink zu schwach, ist die Reeperbahn zu stark.

Die Playlist unserer Reeperbahn Festival Bands Wooden Arms und Catfish And The Bottlemen.