Wenn man in Hamburg auf einen Typen trifft, der einen Hund spazieren führt und dabei in ein Aufnahmegerät singt, sollte man ihn nicht gleich laut auslachen, denn es könnte ClickClickDecker sein und man könnte ihn so inmitten eines Gedankenflusses stören. Angesichts seines neuen Albums ‘Nichts Für Ungut’ wäre es doch sehr schade, wenn dadurch ein Song verloren ginge.

Genau wie oben beschrieben entstehen die meisten der anspruchsvoll-großartigen Texte, deren Verfassen für den Sänger den schwierigsten Part am Songschreiben darstellt: “Ich habe hohe Ansprüche an mich selber, gerade was die Texte betrifft. Das dauert auch am längsten. Nach ein paar Monaten kommt vielleicht mal was Gutes dabei raus. Wie das eben so ist: Man schreibt viel Mist auf und irgendwann kann man mal einen Teil davon benutzen.” Und der Teil, der es dieses mal zur Aufnahmesession in ClickClickDeckers Schlafzimmer und danach auf die Platte geschafft hat, kann sich hören lassen und ist ausgereifter und stimmiger als zuvor. Das finden auch das ‘Grand Hotel van Cleef’ und Majorlabels. Zu ersterem ist die Nähe deutlich: Es steht eine Tour mit Tomte an, und Simon vom ‘Grand Hotel’ spielt in seiner Band Schlagzeug. Die Majors bieten immer mal wieder Deals an, die ClickClickDecker aber dankend ablehnt. Endlich mal wieder jemand, der auf die Frage ‘Worum geht’s denn hier eigentlich?’ überzeugend mit “Musik und Leidenschaft!” antworten würde. Es geht nicht um das große Geld und möglichst riesige Hallen, immer 300 kreischende Groupies vor der Haustür zu haben und mit den größten Stars die Bühne teilen. Natürlich macht auch ClickClickDecker seine Musik nicht nur für sich selbst und drei weitere ausgewählte Zuhörer. Er freut sich über seinen bisherigen Erfolg, als Geheimtipp gehandelt zu werden, ist froh und geschmeichelt, wenn Leute zu seinen Konzerten kommen und seine CDs kaufen. Aber: “Ich habe gern die Kontrollfäden in Hand, was das angeht.” Das geht eben gut auf ‘Audiolith’, seinem Label. Das betreibt ein Freund von ihm, der seit neuestem auch bei ihm in der Band Bass spielt. Und nicht nur das, als einer seiner Freunde hat er auch gute Chancen, in einem seiner Lieder aufzutauchen. Die Angehörigen des Musikers stört das aber gar nicht, im Gegenteil: “Beschwerden gab es bisher nur einmal, als ich ihre Namen verwendet habe, das mache ich nicht mehr. Ich glaube, die meisten finden es ganz nett, wenn sie sich wiederentdecken. Falls ich allerdings was Negatives über Leute sage, dann kommt es leider nicht mehr dazu, dass man sich austauschen kann, denn dann haben wir keinen Kontakt mehr.”
Es sind aber nicht nur Menschen, die ClickClickDecker in seinen Texten beleuchtet, es ist auch die Stadt, in der er lebt: Hamburg. In Berlin geboren, 1988 an die Nordseeküste gezogen, lernt er schnell die Nähe zum Wasser schätzen und so verschlägt es ihn, als er seinen Wohnort selbst wählen kann, in die Hansestadt. Und er hat sich richtig entschieden: “Hamburg ist ein kleines, großes Dorf, es ist gemütlich und trotzdem geht da soviel ab.” Und mit der Musikszene funktioniert es auch gut. “Jeder kocht seine eigene Suppe, aber die anderen dürfen auch mal kosten und man weiß, wie die Suppe vom anderen schmeckt.” Da hätte man sich etwas mehr Nähe vorgestellt, wenn man die Hamburger Musikszene von außen betrachtet. Doch mit diesem Mythos räumt ClickClickDecker auf: “Es ist nicht so, dass wir uns jede Woche treffen. Das soll mal so gewesen sein, in dieser Bar, der Mutter. Aber da ist nicht mehr so viel los. Ich war da ein paar mal drin, aber ich finde es ziemlich verraucht.” Eine lange Clubnacht, wie in der aktuellen Single ‘Wer Hat Mir Auf Die Schuhe Gekotzt’ beschrieben, dürfte hier also nicht enden. Wer den Song hören möchte, sollte zum Album greifen, denn Radiostationen werden ihn wohl nicht spielen: Es ist ein so genanntes “Four Letter Word” im Titel: gekotzt. Und so was darf man im Radio nicht sagen… Manche Leute sind einfach zu empfindlich. Könnte man mal einen Song drüber machen. Gleich mal das Diktiergerät einschalten.

Text: Caroline Keller