Selbst 38 Jahre nach ihrer Gründung wollen Devo ganz vorne mitspielen und holen sich mit dem Comeback-Album “Something For Everybody” fiese Schnittwunden am Zahn der Zeit.

Eine Mischung aus Doktor Colossus und Wave-Pop, das waren Devo Ende der Siebziger und deshalb wurden sie berühmt und berüchtigt. Für ihren Avantgarde-Anspruch, ihre wilden Kostüme, ihre abgefahrenen Bühnenshows. Mit Legohüten als optisches Gimmick und synthetischen Beats als musikalischen Soundtrack, wusste niemand so recht, was die kruden Macher wirklich bewegt: Allein die Erscheinung, das Gesamtkonzept und die Hingabe an allem was beknackt und herrlich schön zugleich ist, diente Devo als Motivation.


Freilich, um die Hörerschaft bei der Stange zu halten, braucht man mehr als einen Scherz, der sich wieder und wieder im Kreis dreht und so gestalteten sich die kommenden Dekaden schwierig für die Band. Weil Mitte der Achtzigern der große Pop-Entwurf im Mittelpunkt stand und Devo weder sexy wie Madonna, noch wahnwitzig wie Michael Jackson waren und folgerichtig kein Neverland und keine Spitze-BH’s darbieten konnten. Von den Neunzigern und der Grunge-Bewegung mal ganz zu schweigen.

Die tapferen Querköpfe gaben aber längst nicht auf, tourten einfach weiter und veröffentlichten auch nach ihrem 78er Meisterwerk “Q: Are We Not Men? A: We Are Devo!” mehr als manierliche Alben – vor gut 20 Jahren das bislang letzte. Mit “Something For Everybody” findet die Durststrecke anno 2010 endlich ein Ende.

Devo – “What We Do”

Nicht kleckern, sondern klotzen, lautete das Arbeitsmotto der fünf US-Amerikaner und ganze 16 Stücke kamen für die Platte zustande. Doch genau darin liegt das Problem von “Something For Everybody”: Insgesamt will man zu viel und selbst wenn Devo wie wild mit Samples experimentieren und ihre Lyrics kaum verrückter sein könnten, spielen junge Bands dem New Wave inzwischen frischer und ausgefeilter in die Karten. Was jedoch beeindruckt – die Konsequenz mit der dieser wilden Mixtur die eigene Note verpasst wurde.

Too Late To Stop Now” proklamierte Van Morrison einst auf seinem gleichnamigen Livealbum und Devo wissen, was das bedeutet – werden sich nicht von Kritikern beirren lassen, weitermachen und auch in zehn Jahren noch die vorderen Reihen der Popwelt anpeilen. Fragt sich nur, ob die Anhängerschaft Folge leistet.

Marcus Willfroth

Vö: 07.09.10

Label: Warner Music

Tracklist:

01. Fresh
02. What We Do
03. Please Baby Please
04. Don’t Shot
05. Mind Games
06. Human Rocket
07. Sumthin’
08. Step Up
09. Cameo
10. Later Is Now
11. No Place Like Home
12. March On
13. Let’s Get To It
14. Watch Us Work It
15. Signal Ready
16. Knock Boots