Die Selbstkritik der Woche protokolliert, was wir von Personen des aktuellen Interesses diese Woche eigentlich hätten hören müssen.

Edgar Bronfman Jr. (Foto: Christopher Peterson) ist Chef und Anteilseigner von Warner Music, der drittgrößten Plattenfirma der Welt, die seit Jahren Verluste macht. Jetzt wurde Warner an einen Finanzinvestor verkauft.

„Es tut mir leid. Ich habe die Lage völlig falsch eingeschätzt. Ich hätte wissen können, dass man heute mit einem schwerfälligen Musikkonzern keinen Gewinn mehr, sondern im Jahr 143 Millionen Dollar Verlust macht und der Aktienwert in den letzten fünf Jahren um 72 Prozent sinken würde. Gerade, weil ich in der Branche als kreativ durchgehe – ich habe nicht umsonst einen sorgsam gehegten, verwegenen Dreitagebart und früher mal einen Song für Celine Dion geschrieben –, hätte ich mir eigentlich denken können, dass es irgendwie problematisch sein könnte, wenn mir Umsatzbringer wie Madonna in Scharen weglaufen. Ich hätte natürlich dafür sorgen können, dass Warner neue Künstler entdeckt und aufbaut, schließlich behaupte ich ja immer, dass der Künstler wichtig sei – aber einfacher war es dann doch, alles auf die Internetpiraten zu schieben und härtere Strafen zu fordern. (Ist es nicht witzig, dass mein eigener Reichtum mit dem Alkoholschmuggel meines Opas begründet wurde?) Lieber dieses Streamingdings, dieses Spotify, anscheißen, so weit kommts noch, dass die Kunden einfach so die Musik hören können, die ihnen gefällt! Dafür habe ich doch nicht mein Erbe auf’s Spiel gesetzt, da hätte ich ja gleich mit Seagram Schnapsproduzent bleiben können, statt ein Leben mit den Stars zu führen. Ich hielt es halt für besser, die Musikindustrie als Goldgrube anzusehen und mit Heuschreckenfirmen nacheinander Traditionsfirmen zu schlucken, schließlich haben die Leute CDs gekauft wie blöde! Ich konnte ja nicht ahnen, dass das alles den Bach runtergeht. Und ich hätte ja irgendwelche Ideen haben müssen, wie man Musikfans nicht ein Jahrzehnt lang systematisch vergrault. Bloß gut, dass mein Freund Len Blavatnik nochmal 3 Milliarden locker gemacht hat. Oder hätte ich ihm erzählen müssen, dass die guten Zeiten vorbei sind? Ach was! Der soll erstmal noch die EMI dazukaufen, dann wird das schon. Vielleicht schaffen wir es ja doch noch, das Internet wieder zu verbieten.“