(Foto: Gregor Brändli)

Am 11.November wurden die Karten neu gemischt. Konsumenten und Produzenten haben sich auf einen neuen Deal eingelassen. Die Basler Art-Pop-Band The bianca Story verzichtet darauf, bei jeder verkauften CD, jedem herunter geladenen Song für ihre künstlerische Leistung im Studio vergütet zu werden, die Nutzer ihrer Musik haben dafür die Kosten und Honorare der Band im Vorfeld schon gedeckt. Um 10.35 kam nämlich die benötigte Summe von 90.000.- Euro im Crowdfunding zusammen, die Musik der Band wird es deshalb im Netz umsonst und auf CD zu Grenzkosten (Pressung, Suisa/GEMA und Vertriebsgebühr) geben können.

Will die Band nichts verdienen, sind die Schweizer von Natur aus reich? Nein, die Band ist arm, aber neugierig: Sie stellt ein analoges Leistungsschutzrecht in Frage. Die Arbeit im Studio ist im klassischen Sinne Arbeit: Man kommt zu einer bestimmten zeit, erledigt sein Tageswerk und geht dann auch wieder. Man nimmt die Arbeit nicht mit nach Hause und es Bedarf keiner göttlichen Eingebung um sie zu erledigen. Diese Arbeit wird nicht mehr oder weniger, nicht leichter oder härter dadurch dass man eine Million oder 10 Kopien des nächsten Albums verkauft. Aber Arbeit muss auch fair bezahlt werden. Die Band hat für sich 15.000 Euro für einen Monat Singen und Instrumente spielen ins Budget aufgenommen.

Komposition und Texte entstehen in der Regel nicht in einem solch kontrollierten Arbeitsprozess. Für sie bedarf es Idee und Inspiration. Wie lange es dauert diese Ideen zu bekommen, was man alles getan und erlebt haben muss um inspiriert zu sein  lässt sich kaum erfassen. Eine Pauschale Vergütung von Urheberrechten ist deshalb nicht möglich. The bianca Story haben deshalb auch ihre Urheberrechte behalten. Sie sind mit den nun geflossenen 90.000 nicht entgolten.

 

Viele verstolpern sich bei der Unterscheidung zwischen Leistungsschutzrecht und Urheberrecht. Tippt ein Autor in die Tasten seines Macs oder PCs, dann erbringt er eine Leistung im Sinne des Leistungsschutzrechts. Das, was dann auf dem Bildschirm als Worte erscheint ist jedoch seine Schöpfung im Sinne des Urheberrechts. Gemeinhin wird das Tippen gar nicht, oder pauschal vergütet. Journalisten kennen das: Die Zeitschrift zahlt pauschal sie sehen nur über die VG Wort einen sich skalierenden Anteil.

The bianca Story machen also nichts anderes, als etwas das in anderen Kultur- und Medienbereichen längst Gang und Gäbe ist. Für die Musik ist es aber ein „New Deal“. Es ist anzunehmen, dass er für Musiker und Konsumenten gleichermaßen aufgehen wird.

Tim Renner