Tief im Süden der Republik, fern von Schickeria und P1, von Après-Ski und Bauernschmaus hat die Jugend Bayerns in einem infernalischen Heavy-Glam-Mix aus markerschütternden Gitarenriffs und betörenden Samples, aus diabolischen Schreien und engelhaftem Gesang ihren Himmel gefunden. Das Zauberwort für die Pforte heißt Emil Bulls.

Seit 1995 die idyllische Klosterschule Schäftlarn unter den brachialen Gitarrenwänden der Jungbullen erzitterte ist allerdings schon einiges Wasser die Isar heruntergeflossen. Nach Aufnahme eines ersten Albums (“Red Dick’s Potatoe Garden”), Anwerbung DJ Zamzoes 1997, dem Gewinn des europaweit ausgetragenen Emergenza-Newcomer-Festivals und einem Gitarristenwechsel 1999 wagte sich das Münchner Indie-Label “Oh My Sweet Records” an die Produktion der im Frühjahr 2000 via Internet veröffentlichten und mittlerweile zum Kultobjekt avancierten Scheibe “Monogamy”. Das in einem kleinen Münchner Studio aufgenommene und bei Masterdisk in New York gemasterte Debüt fand sofort in ganz Deutschland glühende Verehrer und Supporter – darunter die “Visions”-Redaktion, die das Album trotz fehlendem Vertrieb auf Platz zehn der internationalen Releases wählte und die Braunschweiger Crossover Stammväter Such A Surge, die die Bulls nach einem gemeinsamen Konzert sofort unter Ihre Fittiche und mit auf ihre gerade anstehende Herbsttour nahmen.

Dem raschen Erfolg von “Monogamy” waren durch die geringe Verbreitung des Albums zwar bald Grenzen gesetzt – unter dem Segel von Island Records bekam ein Teil der Songs jedoch bald eine wohlverdiente zweite Chance: Gemeinsam mit Guano Apes-Produzent Wolfgang Stach spielten die Emil Bulls noch im selben Jahr im Kölner Heartbeat Studio 13 überarbeitete und neu arrangierte Stücke ein, darunter vier neue Kompositionen und ein Duett der härteren Art mit Such A Surge Sänger Olli. Die richtigen Verbündeten für den Mixdown fanden sich in den Schweden Pelle Henriccson und Eskil Lövström, die bereits Kultbands wie Refused zum gepflegten Asskick verhalfen und dem Material die gewünschte Portion rotzigen Rock ‘n’ Roll verpassten. “Angel Delivery Service” stieg Anfang Juni prompt auf 48 in die Media Control Charts ein und war im Oktober 2001 bereits vergriffen, so dass Anfang Dezember eine Neuauflage veröffentlicht wurde. Versüßt wurde dieser Re-Release durch den Bonustrack “Take on me”, eine A-Ha-Coverversion, die die Fans schon seit Jahren live begeistert hatte und die im November als dritte Single die Charts bis auf Position 56 eroberte.

Mit “Angel Delivery Service”, das von allen relevanten Medien mit Höchstnoten bewertet wurde, haben sich die Bulls des Rufes als würdig erwiesen, der ihnen als Liveband schon seit Jahren vorauseilt: Zehntausende Fans bei Rock am Ring und Rock im Park, With Full Force, Bizarre und etlichen weiteren Sommerfestivals konnten eigentlich schon nicht irren. Die letzten Ungläubigen rockten die Bulls mit ihrer höllischen Live-Show dann bei den 27 Daten ihrer ersten Headlinertour im Herbst 2001 endgültig in Grund und Boden. Die flehenden Rufe aus den noch nicht missionierten Gegenden Deutschlands, Österreichs und der Schweiz werden im Februar 2002 erhört, wenn die “Angel Delivery Tour” mit noch einmal 28 Daten und unterstützt vom Jägermeister Band Support in die zweite Runde geht. Und während die Emil Bulls Jüngerschar im führenden Fanclub “Fotzenholz” über Sinn und Unsinn obszöner Handzeichen debattiert, arbeiten die Bulls an ihrem genialsten Coup… Das neue Album “Porcelain” ist das beste, was diese Band je gemacht hat und der vielversprechende Hinweis, dass diese Bio um viele gelungene Alben erweitert werden wird.