(Fotos: Erik Weiss)

Smoke Blow sind Geschichte und Jack Letten nennt sich jetzt Erik Cohen: In der Vergangenheit ging es in den Kajüten des ehemaligen Kieler Hardcore-Punk-Flaggschiffs wahrlich hoch her. Nachdem die Anhängerschaft die Nachricht über den endgültigen Studio-Boykott  ihrer Heroen halbwegs verdaut hat, präsentiert sich dieser Tage nun das erste musikalische Post-Smoke Blow-Lebenszeichen eines der Mitglieder der Band in Form des Albums „Nostalgie Für Die Zukunft“. Wir sprachen mit Erik Cohen über die Vergangenheit, die Gegenwart und die Zukunft.

Wie nicht anders zu erwarten, traut sich der Frontmann als erster aus der Deckung – mit Erfolg. Denn was Jack Letten alias Erik Cohen auf seinem Solodebüt abliefert, hat durchweg Hand und Fuß – auch wenn die eingeschlagene musikalische Richtung  nicht mehr allzu viel mit dem Knüppel-Rock seiner Ex-Band zu tun hat.

Deutschrock statt Hardcore-Punk – Für Erik Cohen war der Sprung auf einen anderen Sound-Zug ein Bedürfnis, wie uns der Norddeutsche im Interview aufklärt: „Mir fiel irgendwann ein, dass ich eigentlich total auf deutsche Rockmusik stehe, die von Herzen kommt und sich nicht irgendeiner bestimmten Szene unterwirft. Genau das ist nämlich das große Problem, wie ich finde.“

Zunächst habe er sich noch mit englischsprachigen Ideen auseinandergesetzt, doch schon bald habe er gemerkt, dass daraus nichts werden würde, so der kauzige Sänger. Den ersten Schritt ins neue Klang-Leben macht Erik Cohen im November 2012. Die Veröffentlichung seiner ersten Single „Chrom“ schlägt hohe Wellen. Doch das Gefühl, dass das neue Unterfangen in die richtige Richtung geht, stellt sich bei Erik Cohen erst ein halbes Jahr später ein: „Die Veröffentlichung der EP war ein Knackpunkt.  Als ich die ersten Reviews las, war ich mir sicher, dass alles passt. Nicht, dass ich zwingend Lobgesänge von außen gebraucht habe, aber es war schon schön zu merken, dass die Leute scheinbar verstanden, um was es mir bei der Sache ging“, sagt Erik.

Kurz darauf ging es erstmals unter neuem Banner auf Tour. Zwischen Nightliner, Backstagebereich und Bühne wurde Erik Cohen schnell bewusst, dass es sich bei diesem Projekt um eine besonderes große Challenge handelt: „Ich glaube, das Herausforderndste an dieser ganzen Zeit war, dass es keine Grauzone gab. Es gab entweder Leute, die es total geil fanden, oder eben welche, die richtig böse ausgeteilt haben.“

Auch nach der Veröffentlichung seines Debütalbums im Januar 2014 teilt sich die Gefolgschaft in zwei Lager. Erik Cohen nimmt’s gelassen: „Mir war schon klar, dass es klar definierte Strukturen geben wird, die vor allem die Oberfläche  des Projekts angreifen werden. Damit habe ich schon gerechnet. Ich fand es aber schön, dass sich die meisten von denen letztlich dann doch primär über die Musik an sich ausgekotzt haben. Dieses „Ausverkauf“-Geschreie diente oftmals nur als plakative Headline. Das war dann auch völlig in Ordnung“, so der gelernte Kindergärtner.

Für die Zukunft hält sich Erik Cohen alle Optionen offen. Was als nächstes kommt, entscheidet sein Herz: „Ich will mich hier austoben und den Leuten all das präsentieren, was mir wichtig ist. Das wird auch definitiv so bleiben. Mir geht es nicht um die Suche, sondern um das grundsätzliche Spielen mit Gegensätzen.“

Für Erik Cohen steht das Jahr 2014 ganz im Zeichen von Künstlern wie Black Sabbath, Danzig, Depeche Mode und Herbert Grönemeyer. Allerdings kann sich das Klangbild bereits beim nächsten Album komplett ändern. Spannung ist also garantiert: „Für einen Musiker gibt es doch nichts geileres, als die komplette Bandbreite nutzen zu können, um daraus letztlich was Eigenes entstehen zu lassen. Ich will nicht das Rad der Musik neu erfinden. Das hatten wir damals auch mit Smoke Blow nie im Sinn. Ich will mit Erik Cohen Altes zu neuem Glanz verhelfen.“

Text: Kai Butterweck