20 Uhr. Licht aus. Kurze englische Ansage. E-Gitarren; Offbeat-Snare; „Nichimgriff“ legt los. Entgegen dem Songtitel hat Farin Urlaub und sein Racing Team die Halle sofort unter Kontrolle.

Der große Blonde, solo – gewohnt schwarzbehemdet, vermittelt auf seiner aktuellen Tour noch immer eine gewisse kindliche Spitzbübigkeit. Er und sein zehnköpfiges Ensemble, kurz FURT, begeistern die Massen. Gutes Entertainment durch Punk-Rock mit Ska-Ausreißern. Für den orchestralen Sound sorgen vier Bläser. Witzige Dialoge zwischen Farin und seinen Backgroundsängerinnen überbrücken die Pausen. Das Publikum ist textsicher und befolgt brav jegliche Forderung.

Mittlerweile muss Farin seine Fans auch nicht mehr, wie in den 80ern auf “Die Ärzte Live!” dazu anstiften „…nach dem Konzert ein T-Shirt, zwei T-Shirts, vier T-Shirts“ zu kaufen. In kompletter Montur aus „“, „esgibtnureinengott“   oder „Freiheit für Gobi Todič“ – Motiven pilgern sie zum Live-Spektakel. Den Vergesslichen im Saal helfen fleißige Promokräfte und der obligatorische Stand am Eingang nach. Intelligenz nicht nur beim Komponieren und Texten, sondern auch beim Merchandising. So kommen alle auf ihre Kosten. Doch zurück zum Auftritt.

Nach dem aktuellen Intro, spielen FURT zunächst altbekannte Titel, bevor sie Stücke von „Die Wahrheit übers Lügen“ ansteuern. Zwischendurch die eine oder andere Weisheit Urlaubs, wie zum Beispiel: Männer haben nur drei Gefühle: „Wut und Hass sind auf jeden Fall dabei“. Neben Humor werden jedoch auch ernstere Töne angeschlagen und zeigen Farin von einer persönlicheren Seite. Dies ist auch der entscheidende Unterschiede zu einem Ärzte-Konzert.

Jetzt schon?“, fragen sich Viele nach knapp zwei Stunden beim ersten „Tschüss“ von der Bühne, wiegen sich aber eigentlich in Sicherheit, dass umgehend nachgelegt wird. FURT lassen sich auch nicht lange bitten und erscheinen in Zehnerreihe am Bühnenrand mit Trommeln bewaffnet. Kurze Berliner Stadtaffen-Assoziationen schießen einem aufmerksamen Musikkonsumenten durch den Kopf. Der FURT-Fan singt hingegen schon längst „Insel“, den dritten Bonus Track des aktuellen (kleinen) Albums mit.

Die zweite Zugaberunde rundet den Abend ab. Die Halle wirkt befriedigt und ausgepowert. „Sie haben nicht ‚Leiche’ gespielt“, beklagt sich der eine, ein anderer hat „Dusche“ vermisst. „Aber ‚Zehn’ war der Höhepunkt“, so der allgemeine Konsens.

Kai-Uwe Weser