Auf dem Longplayer-Debüt “Brothers From Different Mothers” profilieren sich Five! Fast!! Hits!!! als eine der interessantesten jungen deutschen Gitarrenbands.

Ist das jetzt schon Trend oder was geht hier eigentlich? Vor zwei Wochen stellten wir an dieser Stelle das tolle Songwriterprojekt Get Well Soon vor und verwiesen nicht zuletzt auf reichlich Auslandseinsätze. Nun sind die tollen Münchner Vorwärtsstürmer Five! Fast!! Hits!!! an der Reihe, und auch sie können reichlich Lob auswärtiger Trendgazetten vorweisen: Das US-Mag Spin fühlte sich zunächst an eine Billy Armstrong-Songs spielende Version der Strokes erinnert, attestierte der Band dann aber, eigentlich nur wie sie selbst und ziemlich gut zu klingen. Und die DJ’s des New Musical Express heizten zuletzt die ein oder andere Party des Magazins mit der Five! Fast!! Hits!!! Debüt-EP “For A Fiver” an. Das kennen wir sonst nur andersrum.
Nicht zuletzt wegen der Absender derartiger Lobpreisungen schreiben die meisten jetzt wahrscheinlich wieder Indie-Rock, aber tatsächlich kommen die Bajuwaren weitaus rotziger, rumpeliger und bierseliger daher als das Gros großbritannischer Mitbewerber. So enthält der stürmisch nach vorne preschende räudige Garagenrock der Band nicht zuletzt auch Country- und Folk-Versätze. Die Herkunft hört man dabei in keinem Moment raus. Energiegetriebene Stampfer wie “Do This Thing” hätten – eine positive Auswirkung der Globalisierung? – auch in England, Schweden oder den USA entstehen können. Zumal Sänger Raffi glücklicherweise seine Texte ohne deutschen Akzent vorträgt.
Angefangen hat’s wie so oft mit einem lockeren Tresengespräch: “Du, ich hab da diese Band” und so. Indes: Was in solchen Fällen meist im Biernebel untergeht und im Licht des neuen Tages oft nicht mehr ganz so verlockend klingt oder längst vergessen ist, wurde hier tatsächlich umgesetzt: Raffi, Sänger aus Passion, und Gitarrist Amadeus legten den Grundstein für Five! Fast!! Hits!!! zwischen zwei Bier in der Münchner Indie-Rock-Tränke Atomic Café. Und auch auf der anderen Seite des Tresens wurden offenbar gleich die Ohren gespitzt. Atomic-Manager Christian Heine ist heute Manager der Band und auf seinem neuen Label ‘Constant Mesh’ erscheint nun auch das Debüt “Brothers From Different Mothers”.
Ehe dieses im Münchner Telstar-Studio eingespielt werden konnte, fanden Five! Fast!! Hits!!! in Frank noch einen Drummer und in Lucas einen Bassisten. Der Weg war frei.
Man muss das an dieser Stelle mal sagen dürfen: Wenn eine Band sechs(!) Ausrufezeichen im eigenen Namen verankert, dann ist das nicht unbedingt ein dezenter Hinweis auf die angestrebte Richtung. Wir ahnten denn auch schon vor einer ganzen Weile, dass die bereits vom Start weg eingenommene Rolle als Münchens Rockenroll-Kapelle Nummer eins dem Quartett auf die längere Distanz wohl kaum reichen würde. Bereits kurz nach der Gründung eröffnete man für Art Brut, tourte mit Little Man Tate, den Rifles und Paddingtons, und hinterließ einen bleibenden Eindruck nicht nur in London, sondern letztlich auch bei uns.

Text: Michael Jäger