Weihnachtskonzerte sind uncool? Wer diese Frage Mit Ja! beantwortet hat leider die “Christmas in Adventure Parks” Tour von Get Well Soon und Port O’Brien verpasst. motor.de war in Leipzig dabei.

City Slang macht es mal wieder richtig. An jeder Ecke beklagt man sich über die vorzeitige Weihnachtsoffensive und das Traditionslabel knallt uns den Festtagsbraten, quasi konterrevolutionär, knapp einen Monat zu früh auf den Tisch, respektive die Bühne. Port O’Brien und Get Well Soon im Doppelpack. „Christmas in Adventure Parks“ so der passende Name der winterlichen Tour durch ein nass-kaltes Deutschland.

Umso wärmer der Empfang in der Leipziger Schaubühne Lindenfels, an dem Port O’Brien selbst nicht ganz unbeteiligt waren. Im eher monumentalen Ambiente der Schaubühne ließ Bandvorsteher Van Pierszalowski das Publikum aktiv, warm und vertraut werden. Man johlt, singt und stampft ja nicht alle Tage mit fremden Menschen gemeinsam zu Port O’Briens potentiellen Folk-Hits.

Ihr Albumtitel „All We Could Do Was Sing“ wurde für alle zum Programm. Die Band selbst verlieh den Song allerdings oft ein weitaus derberes Gewand als vom Tonträger gewohnt. Pierszalowski zeigte Ansätze zum durchdrehen und ließ ab und an seine Stimme zu sehr entgleisen. Ergreifend blieb er trotzdem, der Gesang des Fischerssohns über die harte Arbeit auf rauher See. Eine ferne Welt für die Zuschauer im gemütlichen Konzertsaal. Ein wunderbares Konzert.

Die Trennlinie zwischen Vorspeise und Hauptgang wurde allerdings deutlich gezogen. Port O’Brien bauten unter Applaus, hastig und voll beleuchtet ihr Equiqment ab. Wenig später erschienen Get Well Soon, von einem dramatischen Intro begleitet, auf der stockdusteren Bühne. Tolle Inszenierung, wie man es vom Mastermind Konstantin Gropper gewohnt ist. Mit sechs Musikern im Rücken übersetzte er sein umjubeltes Debüt „Rest Now Weary Head You Will Get Well Soon“ ergreifend genau in die Live-Situation. Bläser, Glockenspiele und nicht zuletzt der klassisch anmutende Gesang seiner Schwester, machten jedes der komplexen Stücke zu ganz großer Bühnenkunst. Klar kann man den Get Well Soon’schen Epos auch als Kitsch interpretieren. Aber entweder würde das Leipziger Publikum da unisono widersprechen oder es liebt den Kitsch.

Doch es wäre kein wirkliches Weihnachtskonzert geworden ohne die passende Deko. Übergroße Weihnachtsbaumkugeln schmückten die komplette Schaubühne und setzten sie in verschiedensten Farben in Szene. Get Well Soon bauten die Melodie des Wintermärchens „3 Haselnüsse für Aschenbrödel” in einen Song ein und auf dem Höhepunkt des Abend rieselte Schnee von der Decke auf die Menge nieder. Überpünktliche, weiße Weihnacht kann eben doch ganz nett sein.

Text: Florian Sievers
Fotos: Stephan Klingebiel