(Foto: Thorsten Dirr)

Jonathan Kluth ist ein derzeit in Berlin lebender Singer-Songwriter, der gerade mit seinem ersten Album durchstartet. Die Scheibe trägt den wohlklingenden Titel "Ophelia" und enthält 11 träumerische, folkige Ohrwürmer.
Anlässlich des heutigen Releases hat Motor.de dem jungen Mann mit der Klampfe
ein paar Fragen zu den Themen Stadtflucht, klassischen Wurzeln und dem Ankommen im Leben gestellt.
 

motor.de: Jonathan, am 11.4. kommt dein Debut-Album "Ophelia" raus. Beschreibe es doch bitte kurz in drei Sätzen!

Ophelia ist eine Sammlung vieler verschiedener Gefühle, die sich in den letzten drei Jahren angesammelt haben, die in meinem Umfeld oder mir selbst mal euphorisch, mal sentimental, mal laut, mal leise begegnet sind. Das Album verbindet viel von dem, was live auf unseren Konzerten passiert, mit dem, was zuhause im Wohnzimmer entsteht.

motor.de: Wer ist denn Ophelia? Deine Freundin oder Ex-Freundin vielleicht?

Tatsächlich wollte ich dem Album einfach einen Namen geben. Es gibt viele Parallelen zu anderen fiktiven und realen Gestalten, zum Beispiel einer Figur aus dem Stück Hamlet von Shakespeare, eine tragische, extreme Geschichte, oder aber auch eine seltene Seerosenart.. Auf irgend etwas anspielen wollte ich nicht, trotzdem passen viele Zusammenhänge zu den Songs und zu dem Sound von Ophelia.

motor.de: Du lebst in Berlin, kommst aber ursprünglich aus dem kleinen Ort Alsfeld in Hessen. Bist du noch oft dort oder hast du dein Herz vollständig an Berlin verloren?

Ich bin noch oft in Alsfeld, dort habe ich auch mein eigenes Label Birdshill Records gegründet. Wenn das schnelle und laute Leben in Berlin zwischendrin zuviel wird, kann ich in meiner Heimatstadt gut entspannen und auf andere Gedanken kommen.

motor.de: Bevor du das erste Mal eine Gitarre in die Hand genommen hast, hast du 10 Jahre lang Geige gespielt. Woher kam der Sinneswandel?

Mit dreizehn Jahren hatte ich andere Sachen im Kopf, als an klassischen Wettbewerben teilzunehmen oder in einem Orchester zu spielen. Ich wollte rocken, Nirvana und Led Zeppelin spielen und einfach lauter sein. Mittlerweile spiele ich auch wieder viel Violine, bisher auf allen Platten, die wir gemacht haben, ist eine zu hören.

motor.de: Willst du vielleicht irgendwann zurück zu den klassischen Wurzeln?

Ich glaube, ganz zurück zu den klassischen Wurzeln ist zumindest als Musiker schwer. Da muss man schon dranbleiben. Ich habe angefangen, ein Stück für Band und kleines Orchester zu schreiben, vielleicht ist das irgendwann fertig und es ergibt sich die Möglichkeit, wieder mit klassischer Musik zu arbeiten.

motor.de: In deiner ersten Single "Getting There" geht es ums 'Ankommen' im Leben. Du bist jetzt Mitte zwanzig. Fühlst du dich bereits angekommen oder liegt das noch in weiter Ferne?

Angekommen ist man doch nie wirklich. Man bewegt sich jeden Tag ein Stück weiter, ob man das will oder nicht. Ich selber habe noch sehr das Gefühl, in der Weltgeschichte rumzuschweben und geniesse das auch sehr. Das Bedürfnis, irgendwann die Anker auszuwerfen, fühlt sich auch noch weit weg an. Darum geht es ja auch in bisschen in Getting There. Wann ist so ein Zeitpunkt, kommt der überhaupt jemals und wenn ja, was wird sich dann alles ändern. Ich glaube, darauf wird man nie eine Antwort finden. Man muss das tun, was einen glücklich macht, dann ist man auf dem richtigen Weg.

motor.de: Deine Musik wird ja gern dem Folkpop zugeordnet. Bist du damit einverstanden oder nervt dich dieses 'Label'?

Irgendwie muss man ja Musik beschreiben können, auch wenn es in aller Vollständigkeit ja unmöglich ist. Wir geben unseren Gefühlen auch Namen, Liebe, Wut, Angst, obwohl das alles ja sehr mit der subjektiven Wahrnehmung zusammenhängt. Mich nervt das Label nicht, es hat genug mit meiner Musik gemeinsam.

motor.de: Wenn deine Musik ein Gemälde wäre, was wäre drauf zu sehen?

Wasser, Wind und Bäume. Mit möglichst viel blau.

motor.de: Du bist gerade auf Tournee. Deine erste vermutlich. Wie ist das: toll, blöd, anstrengend, einsam??

Die erste Tour ist es nicht, ich bin in den letzten Jahren viel auf Tour gewesen. Die Tour mit Käthe und Pohlmann im Februar/März war eine fantastische und unvergessliche Zeit, wir hatten viel Spaß und fast immer ein volles Haus. Gerade bin ich in Berlin und mache mich im Mai nochmals für eine Woche auf Solotour und kann es kaum abwarten!

motor.de: Was sind deine Wünsche und Pläne für die Zukunft? Oder bist du gerade wunschlos glücklich?

Nach dem Album ist vor dem Album und nach der Tour, vor der Tour. Ich freue mich über alles, was gerade passiert, und bin sehr glücklich, schreibe aber auch schon für die nächste Platte. Es gibt immer was zu tun! 🙂

 

Juliane Haberichter