Kaiser Chiefs über Zufälle und ihr am 17.Oktober erscheinendes drittes Album “Off Withe Their Head” auf dem – wie immer – eingängiger Power-Pop in Stadion-Qualität zu finden ist. Diesmal mit ein paar neuen, Ronson-beeinflussten Spielereien, wie Streicher, Bläser oder Flamenco-Klänge…

Das dritte Album entscheidet über die Karriere einer Band lautet ein gern zitierter Sinnspruch im Handbuch für Musikkritiker. Eine landläufige Weisheit, die den Kaiser Chiefs zwar durchaus bekannt ist, die im Entstehungsprozess ihres Drittwerks namens “Off With Their Head” aber eher keine Rolle gespielt hat. Das lag weniger daran, dass man dem Leedser Spaßexpress ein solch kalkuliertes Arbeiten kaum zutrauen mag, sondern dass man im Hause Kaiser bis zuletzt überhaupt keine Ambitionen hatte, einen neuen Langspieler zu forcieren. Dessen Genesis liegt nämlich hauptsächlich dem Prinzip Zufall zugrunde, wie Frontmann Ricky Wilson und Drummer/Co-Songwriter Nick Hodgson erläutern.

“Wir kamen von der Tour und waren ziemlich ausgebrannt, eigentlich wollten wir uns erstmal in eine längere Pause verabschieden um neue Kraft und Inspiration zu finden”, erklärt der Sänger, bekennende Vegetarier und Ex-Kunstlehrer auf dessen vom NME geadelte Stilsicherheit scheinbar immer Verlass ist. Nur zwei, drei Songs habe man noch schnell aufnehmen wollen um den Fans die anstehende Auszeit zu versüßen: “Wir hatten da diese Songs, u.a. ‚Never Miss A Beat’ die wir unterwegs geschrieben hatten und unbedingt noch aufnehmen wollten solange sie noch frisch sind. Der Plan war eigentlich das Ganze dann nach und nach als Singles oder in Form einer EP zu veröffentlichen, um die Wartezeit auf neues Material überbrücken zu können.”

Insofern macht auch die Wahl des Produzenten mehr als Sinn. Denn eine Band die Songs wie ‚I Predict A Riot’, ‚Oh My God’ oder ‚Ruby’ im Backkatalog hat, meint mit “Singles” zwangsläufig immer auch “Hits”! Und wen ruft man derzeit an, wenn irgendwo Hits gebraucht werden? Richtig – Mark Ronson! Schließlich spricht eine Klientel, die von Amy Winehouse über Macy Gray, Christina Aguilera bis hin zu Lily Allen oder Robbie Williams reicht, diesbezüglich eine deutliche Sprache.


Um auf Nummer sicher zu gehen holte man dann gleich noch Eliot James mit ins Boot, der mit Bands wie Bloc Party, Kate Nash oder den Happy Mondays ganz ähnliche Hochkaräter in seiner Akte stehen hat. Wenn man Nick glauben darf, spielte aber auch hier wieder der Zufall die Hauptrolle.

“Mark kannten wir schon eine ganze Weile, ein schräger aber sehr sympathischer Typ. Wir waren sofort auf einer Wellenlänge. Er hatte uns irgendwann mal angeboten was zusammen zu machen und wir dachten das wäre jetzt genau die richtige Gelegenheit dazu, ganz ohne Druck. Es ist ein großer Vorteil wenn der Produzent in etwa das gleiche Alter hat wie man selbst, man hat eine viel offenere, experimentierfreudigere Atmosphäre”.

Ebendiese Atmosphäre und der fehlende Druck bereiteten dann auch den fruchtbaren Boden auf dem, statt der erwarteten zweieinhalb Songs, nun doch gleich ein ganzer Langspieler so wunderbar gedeihen konnte. Dass trotz aller anti-autoritären Arbeitsweise, Experimente und gut fünf Monaten Studiozeit, statt einer bombastischen Rock-Oper nun doch wieder ein typisches Kaiser Chiefs Album zur Welt kam, mag vielleicht überraschen, zeigt aber doch, dass die Band ihre Stärken selbst am besten kennt. Möglichst eingängiger, Post-Punk/Wave getriebener Power-Pop in Stadion-Qualität, den man so und ähnlich auch schon auf den Vorgängern finden konnte, inklusive aller Stärken und Schwächen. Natürlich finden sich auch hier und da ein paar neue, Ronson-beeinflusste Spielereien, wie Streicher, Bläser oder Flamenco-Klänge, die sich wunderbar ins Soundkonzept einfügen. Ob das reicht, um die Karriere der Kaiser Chiefs entscheidend zu beeinflussen oder ob “Off With Their Head” letztendlich doch im schon gut gefüllten Regal für unüberlegte Schnellschüsse landet, wird sich zeigen müssen.

Letztlich kann der Band das alles aber auch fast egal sein, denn schließlich hat sie mit der Arbeit an dem Album nicht nur den Spaß am Musikmachen wiedererlangt, sondern sich auch eine gewisse Gleichgültigkeit gegenüber gewissen Erwartungshaltungen zugelegt. Das allein dürfte schon mehr wiegen als jeder kommerzielle Erfolg und was bei den Kaiser Chiefs sowieso schon immer am wichtigsten war, ist dass die Songs Live und auf den Tanzfluren dieser Welt funktionieren und das werden sie, dazu muss man sicher kein Prophet sein. Denn gute Entertainer das waren sie schließlich schon immer, das wird sich auch mit “Off With Their Heads” sicher nicht ändern!

Thomas Müller

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