Jenseits von Dolly Parton Puritanismus, profanem Hillbilly-Gehabe und plakativem Hurra-Patriotismus war Johnny Cash stets der Outlaw in Nashville und zugleich doch derjenige, der Countrymusik ebenso wie innere Zerissenheit am besten repräsentieren und definieren konnte. Das hat man sogar in Deutschland verstanden. Anlässlich des sich jährenden Todestags von Cash (12.09.2003) wird also auch hierzulande dem Man in Black gebührend posthumes Tribut gezollt. Schauspieler Peter Lohmeyer (‚Das Wunder von Bern’) liest für uns die exklusive Hörbuch-Biografie ‚Auf Kurs: Johnny Cash (1932 – 2003) / In guten wie in schlechten Tagen’ und gibt in Form einer Lesetour samt selbstgestalteter Musikeinlage auch live Einblicke in die Vita des Ausnahmekünstlers.

Geboren wurde die Idee von Bear Family Records Gründer und Cash-Intimus Richard Weize zusammen mit Rüdiger Ladwig. Ladwig kannte Lohmeyer bereits von ihrer Zusammenarbeit an der politisch ambitionierten Anti-Bush Country-Single ‚Bagdad Blues’, auf welcher Lohmeyer, unterstützt von Finks Nils Koppruch, bereits sein deutschsprachiges Gesangsdebüt gab. Dies, gepaart mit Lohmeyers vorherigen Hörbucharbeiten wie u.a. Michael Moores ‚Stupid white man’ oder Nick Hornbys ‚Fever Pitch’, ergab die perfekte Erfahrungs- Kombination aus kritischer Amerika-Perspektive und geerdetem Einfühlungsvermögen, die Lohmeyer für diesen Job empfahlen. Auch wenn er selbst sich nicht als Cash-Fan der ersten Stunde sieht. “Es war kein Jugendidol, aber Cash und Country waren für mich immer da. Irgendwann habe ich mir die erste ‚American Recordings’ gekauft und angefangen auch mal genauer hinzuhören und über Cash nachzulesen. Wenn ich jetzt so in mein Plattenregal gucke ist er aber im nachhinein einer der wichtigsten Musiker”, erklärt Lohmeyer und ergänzt dann auch gleich warum: “Ich spreche zwar Englisch, aber ich hab bei anderen Gruppen nie wirklich die Texte verstanden. Bei Cash ist mir das gleich aufgefallen, dass ich fast immer alles verstanden habe. Gerade als Schauspieler finde ich das schön, wenn man Sachen mitteilt, die die Leute auch verstehen.” Cashs Botschaften und sein nicht immer unkritisches und ambivalentes Verhältnis zu seinem Heimatland machen ihn für Lohmeyer somit zum faszinierenden Amerika-Botschafter. “Gerade in meinem Zwiespältigen Verhältnis zu diesem Land ist Cash ja auch eine zwiespältige, aber dann auch wieder eine gerade Figur. Irgendwie versteht man bei ihm dann auch ein bisschen, wie er vor einer amerikanischen Flagge stehen kann. Mit ‚gerade’ meine ich auch uneitel, er hat sich bis zuletzt immer weiter entwickelt. Er hat was zu erzählen und es ist eben kein kommerzieller Geist der ihn weitertreibt. Das macht ihn zur Legende, zur wahrhaftigen Legende.” Auch wenn Herr Lohmeyer all den gebührenden Respekt vor ebendieser Legende hat, steht die musikalische Live-Darbietungen von genuinem Cash Material (zusammen mit Nils Koppruch und Günter Märtens) doch eher im Zeichen interpretierender künstlerischer Freiheit und dem Spaß an der Sache. “Da sitzen also dann drei Cash Freunde und machen Musik. Wir spielen ganz gewiss keinen Cash nach, sondern wir spielen unseren eigenen Cash. Das heißt wir nehmen uns Cash so, wie er uns kommt.” Neben auflockernder musikalischer Begleitung kommt im Rahmen der Lestour dann auch Cash-Experte und Biograf Franz Dobler (‚The Beast in me’) zu Wort, und das Publikum bekommt mit der Vorführung der Filme ‚Five Minutes To Live’, ‘The Night Rider’ und dem Konzert ‘Johnny Cash At Town Hall Party’ ein abgerundetes Bild von Cashs Schaffen und seiner fortwährenden Aktualität vermittelt. “Ich glaube das Ganze ist so ein Fenster was man aufmachen kann und das ist eine ideale Form etwas vorzustellen. Gerade natürlich auch jetzt noch mal in unserer heutigen Zeit. Ich hab mich viel beschäftigt mit diesem, ich sag immer furchtbaren Land, Amerika – Stichwort Michael Moore. Der ist zwar irrsinnig aktuell, aber auch sehr vordergründig und sehr, oberflächlich will ich jetzt gar nicht sagen, agitativ. Cash hingegen hat sich auch immer mit seinem Land auseinandergesetzt und von ihm kann man auch eine Menge über dieses Land erfahren, wenn man das will. Wir machen da eine Tür auf und wer will soll einfach reinkommen.” Wie kann man diese Einladung ausschlagen?

Text: Frank Thießies