Kevin Devine über die Musik seiner Kindheit, schlechte Vorbilder und Fantasien von einer Familie.

Der New Yorker Singer/Songwriter Kevin Devine ist, wenn er nicht gerade ein neues Album aufnimmt, die meiste Zeit und am liebsten mit seiner Band auf Tour. In wenigen Wochen erscheint seine neue LP “Brother’s Blood” und im Dezember reist er mit seinen neuen Songs auch wieder durch Deutschland. Im motor.de-Interview gibt er vorab Auskunft über seine musikalische Entwicklung und die Entstehung seines letzten Albums.

motor.de: Lass uns mit deiner musikalischen Vergangenheit anfangen. Erinnerst du dich an die erste Platte, die du gekauft hast?

Kevin: Ich glaube das Erste was ich gekauft habe, war “Appetite For Destruction” auf Kassette, die erste CD an die ich mich erinnern kann, der E.T. Soundtrack. Ich war gleichzeitig verliebt und total verängstigt von einem Duett darauf, das E.T. zusammen mit Michael Jackson singt.


motor.de: Welche Musik hatte den größten Einfluss auf dich?

Kevin: Das hat sich mit der Zeit sehr verändert, aber als ich anfing, mich für Musik zu interessieren, war das Hard Rock mit Pop Einflüssen, sowas wie Guns N’ Roses und als ich so zehn oder elf war hörte ich dann “Shitty Cock Rock” wie Warrant, Mötley Crüe, Poison oder sowas. Ich hatte eine ganze Menge solcher Platten und mochte auch die weniger bekannten. “Fly High Michelle” von Enough Z’Nuff zum Beispiel. Aber als ich dann in der 7. Klasse anfing Nirvana zu mögen, hat das alles andere weggeblasen und ich habe meinen Musikgeschmack komplett verändert.

motor.de: Hast du irgendwelche Vorbilder?

Kevin: Keine besonders guten! Ich war als Kind ein Michael Jackson Freak, der zum Axl Rose Freak und dann zum Kurt Cobain Freak wurde. Und mit jedem dieser drei gibt es irgendein Problem.

motor.de: Du hast Journalismus studiert – wolltest du je etwas anderes tun, als Songs zu schreiben?

Kevin: Ich glaube, ich habe Journalismus studiert, weil ich Worte und das Schreiben, Sprache und Ausdrucksweisen schon immer geliebt habe. Anfangs dachte ich, ich könnte ja zumindest Film- oder Musikkritiker werden, wenn ich schon nicht selbst in der Branche arbeiten würde. Ich war kein guter Reporter und auch nicht neugierig genug, um die großen Nachrichten zu schreiben, also habe ich mich mehr der Kritik- und dem Essay-Schreiben zugewandt. Ich glaube, ich war talentiert, aber nicht konzentriert genug, deshalb glaube ich nicht, dass es nach der Uni zu einer großen Karriere gekommen wäre.
Aber ich schreibe schon immer – Kurzgeschichten, Gedichte, alles Mögliche. Auch jetzt sind es nicht nur Songs. Ich habe erst im Frühling einen Kurs in New Journalism belegt, das war sehr interessant.


motor.de: Gab es für dich jemals andere Optionen, als Musiker zu werden?

Kevin: Manchmal. Ich wollte zweite Base für die New York Mets spielen. Und heute morgen hatte ich eine kurze Fanatasie, in der ich in Brooklyn eine Familie gründete und mein Kind zu der Schule brachte, in der ich früher auch war. Und dann bin ich mit in die Schule, weil ich dort Lehrer war.
Sowas könnte auch mal wahr werden, später irgendwann in meinem Leben. Vielleicht kann ich meine Fähigkeiten noch ausbauen und doch als Journalist arbeiten?!
Ich habe schon andere Interessen, aber ich mag das Touren und Aufnehmen und ich bin wirklich glücklich das tun zu können, also ist das erstmal der Plan.
motor.de: In den drei Jahren zwischen deinem Bruch mit Capitol Records und deinem neuen Album warst du fast die ganze Zeit auf Tour und lange nicht zu Hause, war das nicht ziemlich einsam?

Kevin: Vielleicht manchmal. Ich bin aber inzwischen in der Glücklichen Position, auf der ganzen Welt Freunde zu haben und mindestens die Hälfte der Zeit ist meine Band dabei, mit der ich auch zu Hause viel rumhänge, also ist es nicht so schlimm. Ganz generell finde ich Alleinsein auch nicht so schlimm; ich mag es ruhig und lese gerne, oder beobachte einfach nur und spanne aus. Außerdem verkleinern BlackBerrys und iPhones die Welt. Ich kann darüber sehr einfach mit meinen Freunden Kontakt halten, während ich auf Tour bin. Aber ja, natürlich – auch damit ist es manchmal etwas einsam und isoliert.

motor.de: Auf deinem letzten Album ist zum ersten Mal auch die Goddamn Band bei den Aufnahmen aktiv dabei gewesen. Was war da für dich der größte Unterschied – war es leichter, als du das noch alles allein gemacht hast oder mochtest du die Arbeit in der Gruppe?

Kevin: Naja, ich habe ja keine meiner Platten wirklich ganz allein gemacht. Ich hatte immer einen Techniker oder Produzent. Bill Manoudakis hat “Circle Gets The Square,” Chris Bracco und Mike Skinner “Make The Clocks Move,” “Split The Country, Split The Street” und “Brother’s Blood,” und Rob Schnapf hat “Put Your Ghost To Rest” gemacht. Und ich binde seit jeher immer andere Musiker mit ein – andere Formationen der Goddamn Band haben also schon vorher bis zu einem gewissen Grad mitgewirkt. Es sind zu viele, um alle aufzulisten. Aber trotzdem spielte ich auf den früheren Alben alles oder zumindest 95% der Gitarren und Bass sowie ein bisschen Keys und Percussion. Ich schrieb und arrangierte den Großteil, sogar auf Instrumenten, die ich gar nicht spielen kann. Die Band hat dann, wenn wir live spielten, Vieles neu gemacht.
Die neue Platte ist hingegen viel kollaborativer, die Jungs komponierten das Meiste selbst und wir haben zusammen geprobt, Demos gemacht und letztendlich fast alles live aufgenommen. Das war eine neue Erfahrung, die sich sehr gelohnt hat. Es brachte mich dazu, den Leuten, mit denen ich spiele, mehr zu vertrauen und ich denke das Resultat spricht für sich. Ich liebe dieses Album.

motor.de: Was sind deine Pläne oder Träume für die Zukunft?

Kevin: Ich würde einfach gerne weiter Musik machen, die mir gefällt und ich würde mich glücklich schätzen, wenn das auch Musik wäre, die anderen gefällt und sie interessiert. Ich werde das so lange machen, wie es sich richtig anfühlt.

Interview: Juliane Sondermeyer