Kunst ist heutzutage auch nicht mehr das, was sie einmal war. Die MOMA-Ausstellung in Berlin bringt über eine Million Menschen, die die Namen Jackson Pollock oder Marcel Duchamp noch nie gehört haben, dazu, sich stundenlang in eine nicht enden wollende Schlange einzureihen; andere Museen werden in langen Nächten regelrecht gestürmt und selbst der Lebensmitteldiscounter Aldi ging unlängst unter die Gemäldehändler. Kunst ist Event, ist Geschäft, ist Unterhaltung und somit Teil der Popkultur geworden.

Das mag den etablierten Kunstbetrieb erschrecken und vermeintliche elitäre Galeristen düpieren, aber jemand, der sich über diese Entwicklung nur freuen kann, ist Maler und Künstler 4000, der in Hamburg und Berlin zu Hause ist. 4000 ist nämlich selber Pop, wie Erich Maas, Laudator seiner aktuellen Ausstellung, weiß.
“Kunst ist mittlerweile eine richtige Unterhaltungsindustrie. Die Leute gehen doch ins Museum wie früher auf den Jahrmarkt. Ein regelrechter Showbetrieb”, freut sich 4000, der mir in der Hamburger Galerie heliumcowboy artspace gegenüber sitzt. Die Galerie bildet momentan einen von drei Stützpunkten der Sammelausstellung ‘Stadt Land Fluss’, die 4000 zusammen mit Jim Avignon und SAM. veranstaltet. Drei Maler, drei Themen, drei Galerien.

“Populär bedeutet für mich zeitgenössisch”, unterbreitet der quirlige 40-Jährige, dem man mit Jeans, Chucks und Lederjacke aber auch die 30 noch locker abnehmen würde, derweil seine Definition von Pop. Das tut er auf eine aufgeregte und euphorisierte Art, die seine bis vor kurzem noch rege, doch jüngst vom Arzt unterbundene Teilnahme am Nachtleben erahnen lässt. Eine Ein-Mann-Verkaufsmaschine der sympathischen Hoppla-hier-komme-ich-Art. “Egal, ob Musik oder Kultur oder Street Art. Es geht darum, dass du im Hier und Jetzt lebst, und das auch umsetzt. Jeder sollte in der Zeit sammeln, in der er lebt. Ich will keinen Picasso haben. Ich will Tracy Emin!”

Die Kritik, dass seine Kunst sich damit der Gefahr der Schnelllebigkeit und Vergänglichkeit ausliefert, nimmt er grinsend in Kauf. “Das hält mich frisch, weil ich gerne viel produziere. Es gab Phasen, da habe ich 20 Bilder in zweieinhalb Wochen geschafft.”
Das stilistisch sehr weitgefächerte Ergebnis solcher Arbeitsräusche, das aus abstrakten Farb- und Textkombinationen aber auch aus computerverfremdeten Bierdosengrafiken bestehen kann, wird – je nach Lager – entweder wohlwollend mit 4000s großen Vorbildern Albert Oehlen und Gerhard Richter verglichen oder aber als “Kippenberger für Arme” (Cosmopolitan) verspottet. Das ist immerhin in Bezug auf die Preispolitik richtig. Ab 75 Euro ist man nämlich schon dabei. Und das ist 4000 wichtig, der vor allem das junge Publikum will.

Rund 5000, mittlerweile zum Großteil über seine Internetseite verkaufte Bilder zeugen von ungebrochener Kreativität, doch macht der Massenverkauf auch noch einmal deutlich, wie stark Kunst, die sich als Pop versteht, immer auch Verkaufsprodukt ist. Puristen mögen da ‘Ausverkauf!’ zetern, 4000 kümmert das wenig. Selbstbewusst stellt er klar: “Erfolg ist der Treibstoff für den Motor, ohne Erfolg geht gar nichts. Aber ich verbiege mich nicht.” Und so sind auch Auftragsarbeiten wie die von ihm gestalteten Einladungen für Motor oder Buchcover wie die für die Serie ‘Pulp-Master’ und das für Stuckrad-Barres ‘Deutsches Theater’ in seinem Sinne Kunst. “Wenn´s einem am Ende nicht gefällt, bitte – braucht er es nicht zu kaufen. Aber reinreden lasse ich mir nicht.”

Wahrscheinlich ist es das, was Maas, Herausgeber der ‘Pulp-Masters’, wie folgt zu erklären versuchte: “Der Künstler 4000 arbeitet seit Jahren in gesunder Entfernung zum offiziellen Kunstgeschehen – vor allem fern von dessen Markt. Seine Arbeiten entziehen sich dem obligatorischen Vermittlungskontext (…), entgehen so einem Abgleiten ins Selbstreferenzielle der Zeitgenössischen Kunst und Kritik.” “Den Satz versteh ich gar nicht”, gibt 4000 unumwunden zu. “Der ganze theoretisch Ballast geht mir am Hosenboden vorbei. Ich habe aufgehört, Intellektueller zu sein.” Und so sollte auch der Ansatz der Verweigerung von Inhalten nicht als Konzept eines postmodernen Selbstverständnisses oder als untergrundige, gar subversive Bewegung gegen den etablierten Kunstmarkt verstanden werden; einer Vermarktung durch die etablierte Berliner Galerie Eigen+Art hätte 4000 schließlich seinen Segen gegeben. Die Wahrheit sieht mal wieder viel simpler aus. “Ich liebe es, Farbe mit dem Pinsel auf die Leinwand zu klatschen, um zu gucken, wie es später aussieht.” So einfach kann Kunst sein.

Text: Moritz Honert

Die Ausstellung ‘Stadt Land Fluss’ läuft noch bis zum 24. Dezember in den Hamburger Galerien Feinkunst Krüger, LPG und heliumcowboy artspace.