Fünf Jahre ist es her, dass Freundeskreis ihre zweite Scheibe ’Esperanto’ veröffentlicht haben. Ein Jahr danach gab es zwar noch ’En Directo’, das aber ja eher ein Best-Of-/Live-Album war und unter dem Projektnamen FK Allstars auch Stücke von u.a. Afrob, Sékou und Gentleman präsentierte. Nun meldet sich Frontmann Max Herre mit dem schlicht betitelten Lebenszeichen ’Max Herre’ (Four Music/Sony) solo zurück!

Nach ’En Directo’ hatte DJ Friction am Schnellsten Solo-Projekte gestartet. Erst kam ein Produzentenalbum mit Gästen wie Flowin Immo, Curse, Dendemann und MC Rene, dann eine instrumentalere Phase bis hin zum diesjährigen Elektro-Funk-Werk ’Soulsonic’. Don Philippe dagegen blieb eher im Hintergrund und wirkte z.B. als Co-Produzent für Joy Denalane mit, während Chefrapper Max Herre Gast-Reime für u.a. Curse, die Beginner, Viererkette und das Silly Walks Movement aufnahm. Dann kam vor ein paar Monaten von ihm die Comeback-Single ’Zu Elektrisch’, nun folgt die Platte ’Max Herre’. Vielseitig wie von Freundeskreis gewohnt singt Max über seine ’1ste Liebe’ und den ’King Vom Prenzlauer Berg’, aber auch in einer Reggae-Ballade über ’Jerusalem’.

“Wir von Freundeskreis beziehungsweise ich als Texter waren ja schon immer dafür bekannt, dass wir auch einen politischen Ansatz haben in der Musik. Der Song befasst sich einfach mit der Situation dort im Nahen Osten, die aber auch eine Metapher darstellt für das, was in der Welt los ist. Für Kriege und Terrorismus, aber auch für die Hoffnung der Leute auf Frieden.”

Hier dient Musik als Heilmittel! Seinen Verlag nennt Max übrigens auch dementsprechend ’Soulguerilliero’. Außerdem vergleicht er sich ja nicht ohne Grund in ’Zu Elektrisch’ mit z.B. Quantentheoretiker Max Planck und Box-Legende Max Schmeling. Der intellektuelle Hintergrund kommt eben immer bei ihm durch. So sind auf dem Cover-Artwork u.a. Marx, Dylan, Liebknecht und Marley zu finden!
“Erstmal ist das Ganze sowohl musikalisch als auch visuell ein bestimmtes ästhetisches Empfinden, dass ich damit ausdrücke. Wir reden hier von ganz unterschiedlichen Sachen. Ich mache keine Zitat-Musik, sondern bin inspiriert von vielen verschiedenen Einflüssen. Es geht mir auch darum, denn Leuten, die sich damit befassen wollen, ein Referenz-System zu geben. Ich hoffe aber, dass es auch schon so funktioniert, ohne dass darüber nachgedacht werden muss. Es kann einfach emotional wahrgenommen werden. Wenn darüber hinaus was passiert, ist das natürlich cool!”

Text: Holger Köhler