Kennt ihr noch das Grundschulenspiel Wortgruppen bilden? Genau, der Lehrer gibt Wörter vor und der Schüler bekommt die schwierige Aufgabe, passende Wörter zu ergänzen. Setzen wir uns nun auf den Stuhl, atmen tief ein und aus (laut neuster Neon-Ausgabe zweimal länger ein als aus) und konzentrieren uns auf die zu bewältigende Aufgabe. Das Wort, es ist nicht ganz einfach, lautet Norwegen. Und los gehts: Berge – Fjorde, Elche – Wale, staatliches Alkoholmonopol – Rotzlöffel Punk’n’Roll. Rotzlöffel Punk’n’Roll? Und wie. Man denke nur an The Hellacopters und Gluecifer, Euroboys und A-ha (na ja, letztere vielleicht nicht ganz). Nicht zu vergessen ist die bierbäuchigen Turbonegro Armee um Frontsau Hank von Helvete. Die wahrscheinlich größten Rockschweine sind aber Bent, Hans und Kjell. Unter dem Namen Motorpsycho toben sie jetzt schon seit mehr als 15 Jahren durchs Musik Business. Daran Hindern konnte sie bisher noch keiner, zum Glück für uns alle.

Gegründet wurde die Band 1989 von Sänger und Basser Bent Sæther, Gitarrist Hans Magnus “Snah” Ryan und Drummer Kjell Runar “Killer” Jenssen. Der Bandname wird aus dem gleichnamigen Russ Meyer-Film entnommen. Allgemein lösen dessen bizarre, billig produzierten Sexfilme mit großbusigen Frauen auf Rockbands eine gewisse Faszination aus: Faster Pussycat und Mudhoney um nur einige zu nennen.

Recht früh beginnen die drei, ihren epischen Space-Rock auf CD zu pressen. Es erscheinen EPs, Vinyls und sonstige Gimmicks. Fehlender Arbeitseifer, Fehlanzeige. Die Zuhörerschaft dankt mit großzügigem Plattenkauf und Konzertbesuch. Die Fangemeinde wächst stetig an, Kritiker loben sich den Mund fusselig. Bester Beweis ist die Kritik zum zweiten Album „Demon Box“. So wählte die landeseigenen Presse das Werk ganz selbstbewusst zu einem der besten Rockalben aller Zeiten. Aber gehört Größenwahnsinnigkeit nicht zum Rock’n’Roll, wie das Ahmen zur Kirche?

In der Folge entstehen die Alben „The Tussler“ (1994), „Timothy’s Monster“ (1994), „Blissard“ (1996) und „Angels And Daemons At Play“ (1997). Dabei gehören die beiden letzt genannten zu den erfolgreichsten Silberlinge im Motorpsycho Plattenschrank. Grund ist die Nähe zum europäischen Indie.

2000 überraschen die Jungs mit „Let Them Eat Cake“ erneut. Ihr mittlerweile achtes reguläres Studiowerk ist alles andere als ein prolliges Punk’n’Roll Ungestüm. Dafür sorgt die zurückhaltende Musikmacherei und Melodiesucht des Trios. Sanftmütige Melancholien stehen anstelle der charakteristischen Gitarrenausbrüche. Sehr gelungen!

Zur selben Zeit ereignet sich folgende Anekdote: Der einzige norwegische Rocksender “P3” Europes rief zum Contest auf. Der Europe Ohrentöter „Final Countdown“ trat gegen Motorpsychos „Vortex Surfer“ an. Gewonnen hat letzterer und wurde so Silvester 1999 24 Stunden lang nonstop gespielt. Ein weiterer Beweis für ihren Superstarstatus in der Heimat.

Ebenfalls 2000 erscheint „Roadwork Vol.2“. Ein, wie der Untertitel der Platte „TheMotorSourceMassacre“ schon verrät, recht lärmiges Fusionsergebnis von Motorpsycho und der Free Jazzern von The Source. Entstanden ist es während einer Live Session 1995.

Danach wird wieder Gewohntes auf den Markt gebracht. Mit „Phanerothyme“ (2001), „Barracuda“ (2001) und „It’s A Love Cult“ (2002) erscheinen Platten, die sich problemlos in die Motorpsycho Diskographie einreihen können.

Erst 2003 steht mit „In The Fishtank“ eine neue Überraschung in den Plattenläden. Es ist ein Zeugnis von der Zusammenarbeit der Band mit der Bläsertruppe Jaga Jazzist Horns.

2005 nimmt die Band den Westernsoundtrack „The Tussler“ auf und geht mit diesem auf Tour. Danach verabschiedet man sich in freundschaftlicher Verbundenheit von Drummer Håkon Gebhardt. Das neue Duo entschließt sich zum Weitermachen. Dafür zieht es sich sechs Wochen in ein Studio im niederländischen Eindhoven zurück, lässt weder Frischluft noch Sonne an sie heran und veröffentlicht 2006 mit „Black Hole/Blank Canvas“ ein Doppelalbum der Superlative. So werden in mehr als 80 Minuten alle Sorgen bezüglich eines nahenden Bandendes aus dem Weg geräumt. 

2007 wird Kenneth Kapstad als neuer Drummer verpflichtet, zunächst nur für die anstehende Tour, anschließend wird er als festes Bandmitglied aufgenommen. Im März 2008 erscheint das Album “Little Lucid Moments”, das bei einer Spielzeit von knapp einer Stunde nur vier Songs enthält. Im Mai wird die DVD “Haircuts: Motorpsycho On Film” veröffentlicht. Diese enthält nicht nur alle Videos der Band und die vergriffene Dokumentation “This is Motorpsycho” von 1995, sondern auch ein Livekonzert von 2002.

Ihr 20-jähriges Bandjubiläum feiern die Norweger im Jahr 2009 mit einem nur auf Vinyl veröffentlichtem Album, “Child Of The Future”. Im Januar 2010 erscheint die insgesamt 14. Studioplatte von Motorpsycho, “Heavy Metal Fruit”.