Erst war es eine schöne Idee, aber dann hatten viele auch irgendwann genug davon. Was wahrscheinlich schon am uncoolen Begriff lag: Multikulti! Doch nun zeigen sieben junge Männer aus Deutschland, dass verschiedene kulturelle Hintergründe durchaus bereichernd – und vor allem unterhaltsam – genutzt werden können. Die Mitglieder von Culcha Candela leben alle in Berlin, haben aber z.T. ihre Wurzeln in Korea, Uganda, Kolumbien und Polen. Mit dem Album ’Union Verdadera’ (Homeground/Universal) und der Single ’In Da City’ stellen sie nun unter Beweis, dass gesellschaftsbezogene Inhalte und Party-Laune sich nicht gegenseitig ausschließen!

Das Tolle an Culcha Candela ist, dass sie verschiedene Einflüsse wie HipHop, Soca und Reggae zu einer eigenständigen Mixtur verbinden, die vor allem an die kubanische Rap-Crew Orishas erinnert. Allerdings rappen Culcha Candela im Gegensatz zu jenen nicht nur spanisch, sondern mehrsprachig. Diese Tatsache ist quasi selbst schon ein Statement – für mehr Toleranz – aber die sechs Sänger und ihr DJ packen auch noch Botschaften in ihre Texte. So singen Culcha Candela z.B. im Text von ’Augen Auf’: „In diesem unseren Land kann keiner mehr was reißen./ Egal, ob die da vorne Schröder oder Stoiber heißen./[…] Macht er mit, ist er Spielball von den ganzen Lobbyisten./[…] Streich die ein Prozent der Leute, die die halbe Welt besitzen/ und du hast noch 99 auf den Rest der Scheiße sitzen“. In ’Solarenergie’ dagegen geht es zwar eher um die schöne Sommerzeit als um alternative Energiequellen. Doch auch wenn die Stellungnahme zu dem Thema nur kurz ausfällt, kommt sie trotzdem noch darin vor: „Let the good times roll/ spliffin’ Marijuan’, naturally grown/ Zur Sonnenstrahlung sag ich: Yes, und zur Atomkraft: No“. Sänger Mr. Reedoo betont diesbezüglich, dass ihm die Ansage schon sehr am Herzen lag: „Das Stück basiert auf der doppeldeutigen Auslegung des Titels und ist eigentlich ein Sommer-Song. Ich hätte es aber nicht ertragen, bei einem Lied über Solarenergie mitzumachen und nicht ein einziges Mal dieses Thema aufzugreifen. Es gibt eigentlich kein Lied von uns, das nicht irgendwie auch eine Message enthält. Es kann ein noch so fröhliches Party-Lied sein, aber es sind auch immer ernst gemeinte Dinge drin. Mal sind es gut gemeinte Ratschläge, mal harsche Kritiken oder Wünsche und Träume, wie es besser gehen könnte. Aber das Wichtigste ist: Jedes Lied sprüht vor positiver Energie, weil das diese Gruppe so verkörpert!“

Text: Holger Köhler