Angekündigt war es schon einmal für Ende 2002, das neue Album des Essex-Trios. Aber nachdem die Single ‘Baby´s Got A Temper’ im selben Jahr ziemlich floppte, entschied sich Howlett, die schon für das Album programmierten Songs zu entsorgen und mit neuem Ansatz von vorne anzufangen. Was geblieben ist, ist der Name: ‘Always Outnumbered, Never Outgunned’. “Nach langem Touren und anschließender Pause nach dem letzten Album waren wir auf eine bestimmte Formel festgelegt und ich hatte vergessen, worum es bei The Prodigy ging”, beschreibt Liam heute die ursprüngliche Marschrichtung vor der Radikalkur. Zurück auf Start also. Kein Thema mehr die zuerst für Ende 2002 angepeilte Veröffentlichung. Die Zeit, die folgte, wurde für Howlett zur “Operation Mindfuck”. “Ich wollte in eine frische Richtung mit frischem Sound starten. Aber ich hatte keine Idee. Ich war komplett leer. Abends ging ich ins Bett mit der Hoffnung, am nächsten Tag einen Track fertig zu machen. So ging das vier Monate lang”, sagt Howlett rückblickend. Eine neue Arbeitsweise war nötig. Unter Zugzwang machte ihn die Enge seines Studios nahezu verrückt. “Ich hatte den Eindruck, dass die Plattenfirma mich durch das Fenster beobachtete”, sagt er. So entschloss er sich, dem Studio den Rücken zu kehren und mit einem Laptop die Produktion ortsunabhängig durchzuziehen. 2004 ist die augenfälligste Veränderung zunächst, dass Spaßvogel Keith Flint ebenso wenig auf der Platte vertreten ist wie der spooky Kontaktlinsen-Endorser Maxim Reality. Beide sollen trotzdem bei anstehenden Herbst-Dates mit auf der Bühne stehen. Der einstige Novelty-Sound des Trios findet mittlerweile indes gänzlich andere Gegebenheiten vor als noch 1997. Das Feld scheint abgegrast, Big-Beat hat sich aus den Charts verabschiedet und an den damaligen Hype denkt heute keiner mehr. Howlett hat eine harte Nuss zu knacken. Als “sexier and punk in attitude” beschreibt er das neue Material. Vieles ist anders, wenn auch weniger, als man bei einer so langen Wartezeit vermuten könnte. ‘Always Outnumbered…’ übt den Spagat zwischen den beiden voraus gegangenen Werken. Fette Beats gibt es nach wie vor, jedoch sind die Parallelen zu ‘Jilted Generation’ markanter, Hooklines und leichte Zugänglichkeit sind weniger augenfällig. Neben anderen Kollaborationen (z.b. Liam und Noel Gallagher, Kool Keith) hat Howlett mit Hollywood-Star Juliette Lewis auf ‘Hotride’ eine prominente Chanteuse am Start. Ein sofort zu erkennender Hit-Track auf einer insgesamt grell wirkenden Elektronik-Collage. Ob sich die im Albumtitel kommunizierte ‘Wir-sind-nicht-klein-zu-kriegen-Attitüde’ als programmatisch heraussstellen wird, bleibt abzuwarten.

Text: Martin Erfurt