Wie viele Menschen leiden in ihren eigenen vier Wänden am Gefühl der Leblosigkeit. Wie viele Menschen vegetieren im Alltagstrott. „Morgens aufstehen, zur Arbeit gehen, Abends wegpennen!“ Ablenkung suchen sie in pharmazeutischen Arzneien, Extremsportarten oder der abendlichen Bekanntschaft mit dem rot geschminktem Mund. Dennoch: Das Hämoglobin brodelt nur kurz.

Jari Altermatt (Gitarre, Gesang), Evelyn Monney (Bass, Gesang) und Andi Steiner (Schlagzeug) kennen den Kampf um Lebendigkeit und Vitalität. Sie leben ihn. Er heißt Grunge. „Wir haben nichts und können nichts außer Rock. Wir sind jung genug, dass Ihr uns glauben werdet. Wir sind gelangweilt genug, dass wir nichts anderes tun, außer Rock.“

Zusammengefunden haben Jari, Evelyn und Andi in der Baseler Ricolafabrik. Das war 2004. Gemeinsam packte man dort Schweizer Bonbons in Tüten und ging daran fast zu Grunde. Rettung war die Gründung der Band Navel. In gewohnter Nirvana Tradition konnte man so Wut und Verzweiflung hinaus in die Welt schreien. Ein wütender, rückkoppelnder Riot-Berserker. „Was besseres als diesen Tod finden wir überall,“ ihr lakonische Antwort auf die Frage, wie es zur Bandgründung kam. „Wir wollen nicht im Radio laufen, wir mögen keine Fotosessions (wir sehen eh besser aus als diese albernen Bands aus England), wir hassen das Scheissperfekte, wir schlafen am liebsten auf der Bühne und wir haben alle drei dieses unbestimmte Gefühl, nicht sonderlich alt werden zu müssen.“

Zwei Jahre nach Bandgründung wird das Berliner Label Louisville Records auf die Schweizer aufmerksam. Sie nehmen Navel unter Vertrag. Von nun an können Jari, Evelyn und Andi voll auf die Musik setzen. Sie sagen der heimischen Fabrik ade und ziehen auf die Bühnen dieser Welt. Vorerst nur im Vorprogramm von Hochkarätern wie Wolfmother macht sich die Band dennoch schnell einen Namen. Was folgt ist eine kleine Headliner Tour durch Europa.

Am 28. September wird die EP „Vormiting“ auf den Markt gebracht. Auf ihr finden sich vier Lieder wieder, die das Publikum schon ein mal aufs 2008er Debütalbum vorfreuen lassen.

Hans Erdmann