Dass Berlin schroff sein kann, ist bekannt, dass der nationale Musikpuls derzeitig in Berlin schlägt auch. Toll ist es dann, wenn beides homogen verbunden wird, toll für die Platteninteressenten und toll für die Band selbst. Ideal waren einer der ersten Großmaul-Punker aus der Hauptstadt. Mit verrotztem Zeigefinger in gesellschaftliche Wunden zeigend, tobten sie Mitte der 80er durchs akkustische Deutschland. Vital, ichsüchtig, aufrüttelnd. Anarchie in der blümchentapezieren 3-Zimmer Altbauwohnung. Erben gibt es viele, nur keine mit dem Etikett „Langlebigkeit” (mal abgesehen von Nina Hagen). Irgendwann wird aus der jugendlichen Anecklust gesetzter Erwachsenenpop. Das soll jedoch nicht als Verurteilung des Reifens missverstanden werden.

Am höchsten hält gegenwärtig ein zierliches Felltier aus Berlin den Mittelfinger. Panda heißt die Band. Mit Streicheln ist hier nicht viel, eher mit schnoddrigen Garagenrock mit Berliner Schnauze. Hinter dem niedlichen Bär verbergen sich die vier Jungs Sascha Nieman (Gitarre und Backing Vocal), Chris Lippert (Gitarre), Oskar Alpen (Schlagzeug)und Christopher Brandt (Bass) – und Sängerin Anna Fischer. Gespielt wird eine Mischung aus Punk und perlenden Sixties-Brit-Pop, der sympathisch oft in Richtung Chanson flüchtet. Hinzu kommt Annas kesse Großmaul-Lyrik. Verbale Injurie im tiefsten Berliner Slang mit einer gehörigen Portion Lebenslust und Großstadthärte. 

Begonnen hat das Projekt Panda auf einer Privatparty von Gitarrist und Songschreiber Nieman. Der Legende nach spielte er dort mit der vierköpfigen Rockformation Toulouse, die bereits aus Lippert, Alpen, Brandt und ihm selbst bestand. Als Fräulein Fischer (war ebenfalls auf der Party) die Jungs hörte, war es Liebe auf den ersten Blick. Sie schwang sich zu ihnen und jammte spontan mit. Seitdem ist sie Frontfrau der Band. 

Unbekannt ist der sympathische Mireille Mathieu Verschnitt nicht: Anna Fischer gewann vor kurzem die Goldene Kamera als beste Nachwuchsschauspielerin für den Film „Liebeskind“ und 2006 den Max Ophüls Preis. Zurzeit befindet sie sich in den Dreharbeiten zur Verfilmung des Heinz Strunk Bestsellers „Fleisch ist mein Gemüse“. Auch arbeitete sie bereits mit der Berlin Göre Luci van Org zusammen.

Zusätzlich steht Ärzte Bassist Rod Gonzáles hinter der Band. Er war an der Produktion des 2007er Debütalbums „Tretmine (Jeder Ist Für Sich Selbst Verantwortlich)“ beteiligt. Ein Album, dass den von Single Hit „Jeht kacken!“ eingeschlagenen Rotzlöffel Weg munter weiter tanzt. Viel adoleszente Wut, viel jugendliche Blauäugigkeit, wenig Beständiges, aber das ist gut so. Man hat ja schließlich noch mit Anfang 40 Zeit, „The Dark Side Of The Moon“-Platten zu machen.

Hans Erdmann