Lange wanderte er in der Dunkelheit, zeigte niemandem sein Gesicht und schmückte sich mit einem Pseudonym. Erst nannte er sich Meinrad Jungblut, später dann PeterLicht. Und als PeterLicht hat er nach langer Zeit im Nebel der Gerüchte um ihn die Scheinwerfer angeknipst. Seine Identität bleibt weiterhin ein Geheimnis, aber sein Gesicht zeigt er inzwischen. Auf der Bühne und im Interview.

PeterLicht spielt ein Theaterstück, seit Beginn seiner Karriere. Der erste Akt startete im Jahr 2000, als er, eben noch in der Rolle des Meinrad Jungblut, seine ersten sechs Titel veröffentlichte. Er selbst nimmt in diesem Stück nur eine Nebenrolle ein. Im Mittelpunkt steht alleine seine Musik.
Inzwischen schreiben wir das Jahr 2008 und PeterLicht hat ein neues Album. Er nennt es “Melancholie und Gesellschaft”, wie das Buch des wissenschaftlichen Schriftstellers Wolf Lepenies. Zufall, aber zutreffend, wie Licht im Nachhinein festgestellt hat: “Ich war ganz überrascht, wie viel da drin steht, was ich unterschreiben könnte.”

PeterLicht – Trennungslied

Dass er mit “Melancholie und Gesellschaft” am Hofe der Produktindustrie sitzt, ist ihm bewusst. Ausgerechnet er, der “Lieder über das Ende des Kapitalismus” sang? Die nackte Realität erfordert es: Nur so kann er das tun, was er wirklich will. Künstler sein, Tüftler, Dilettant, Musiker und Autor – wie auch immer man ihn bezeichnen will.

Aufgrund der extrem sinkenden Plattenverkäufe stellt sich das Musikerdasein schon von selbst in Frage und da wir im Zeitalter des Kapitalismus leben, kann man nur ein funktionierendes Dasein haben, wenn man Geld mit seinem Schaffen verdient. Mahlt diese Mühle aber nicht mehr, wird die Berufung zum Hobby oder gar zu einer Illusion. Deshalb muss PeterLicht schauen, dass seine Mühlen weiter arbeiten. Nur so kann er auch in Zukunft seine Brötchen mit seiner Kunst bezahlen. “Es ist wie im Absolutismus, als die Kaiser sich die Komponisten am Hofe hielten”, vergleicht er. PeterLicht – berufen zum Künstlerdasein, als Sklave der Produktindustrie.

Warum er das alles macht, weiß er manchmal selbst nicht so genau. Mal geht es nur darum, “einen Gedanken wie “Ende des Kapitalismus” für 3:30 Minuten im Äther zu halten und dies vielleicht jemanden für nur kurze Zeit ins Bewusstsein zu rufen”, ein anderes Mal will er nur eben kurz die Welt retten. Und wenn er sich das zum Ziel gesetzt hat, dann nimmt er gerne die beratende Rolle in Sachen Stil ein und verkündet lauthals “Bedeckte Körper sind in Ordnung”. Das ist aber keinesfalls lustig gemeint. Für PeterLicht ist sein jüngstes Werk ein ironiefreies Feld, so wie bisher noch keine andere seiner Platten. “Es gibt keine doppelten Böden oder dritte Brechungen, alles was ich da singe, ist so, wie ich das empfinde und denke,” erklärt er. Und auch den Titel des Albums hätte er nicht besser wählen können, denn für ihn stehen Melancholie und Gesellschaft inzwischen sehr nah beieinander. Daran ist die infrastrukturelle Hässlichkeit, zum Beispiel Supermarktketten oder Solarien, für Verantwortlich und natürlich auch der Kapitalismus, so Licht. In seinen Augen, hat die Gesellschaft gar keine andere Wahl, als sich der Melancholie hinzugeben. Aber zum Glück gibt es ja PeterLicht, der Mann, der die Welt retten will.

Der letzte Akt ist noch lange nicht geschrieben, das Theaterstück noch lange nicht vorbei.