Manchmal macht man Fehler, die holt man im Leben nicht mehr raus. Dirk von Lowtzow zerkratzte in jugendlicher Trunkenheit Freiburger Autos, Milla Jovovich entdeckte in die „Rückkehr zur blauen Lagune“ ihre Sexualität und Robin Miriam Carlsson alias Robyn sang in der Mitte der 90er diesen einen grauenhaften Bubblegum-Song „Do You Know (What It Takes)“. Aber wieso nicht kämpfen und versuchen, das falsch Gemachte zu revidieren? Also kaufte sich besagte Künstlerin aus ihrem Vertrag mit Jive heraus, gründete ihr eigenes Label und veröffentlicht seitdem angenehme Elektro-Popsongs irgendwo zwischen Kylie Minogue und Gwen Stefani.

Im Juni 1979 geboren, beginnt die Karriere der Schwedin sehr früh. Bereits im Alter von 12 Jahren sing Robyn den Themensong für die schwedische Fernsehshow Lilla Sportspegeln. Auch performt sie in der TV Show Söndagsöppet ihren ersten, selbst geschriebenen Song. 1993 wird sie schließlich von der schwedischen Popsängerin Meja entdeckt. Robyn´s Performance, ihr Gesang und Auftreten beeindruckten die Legacy of Sound Sängerin so sehr, dass sie ihr Management in Kontakt setzte und ein Treffen mit Robyn und ihren Eltern vereinbarte. Nachdem die junge Schwedin ihren Mittleren Schulabschluss in der Tasche hat, unterzeichnet sie beim BMG Sublabel Ricochet Records Sweden. Zusammen mit den Produzenten Max Martin und Denniz Pop arbeitet sie am Bubblegum-Pop-Sound der Gegenwart. Für die meist sinnfreien Texte sind vor allem Ulf Lindstrom and Johan Ekhe verantwortlich.

1994 veröffentlicht die erst 16 Jährige ihre Debütsingle „You’ve Got That Somethin’“, ein Jahr später gelang ihr bereits mit „Do You Really Want Me (Show Respect)“ der Durchbruch in Schweden. Es war eine Auskopplung aus dem 95er Album „Robyn Is Here“. Mit der Dance-Pop-Single „Do You Know (What it Takes)“ gelingt ihr 1997 auch der Durchbruch in den USA. Bis in die Top Ten der Billboard Hot 100 kletterte der Song und sorgte für einen erheblichen Popularitätszuwachs. So durfte Robyn Ende 1997 im Vorprogramm der Backstreet Boys auftreten.

1999 wird die Erfolgsgeschichte fortgesetzt. Es erscheint das autobiographische Album „My Truth“. Auf ihm ist auch die Single „Electric“, Robyns bisher größter Singleerfolg. Trotz großer Power-Pop-Lastigkeit, wird das Album als gelungene Weiterentwicklung der immer noch jungen Künstlerin in Fan- und Kritikerkreisen wehrt geschätzt. Dass liegt nicht zuletzt auch an den zunehmend persönlicher werdenden Texten. So handeln allein die zwei Tracks „Universal Woman” und “Giving You Back“ von ihrer heimlichen Abtreibung.

Der Weg zum eigenständigen Künstler, weg vom Schwedischen Britney Spears Plagiat, wird von Robyns Plattenfirma RCA ungern zur Kenntnis genommen. Sie befürchteten, die Welt würde ihren neuen Sound nicht aufnehmen und planten, in den USA nur die Radio freundliche Version des Albums zu veröffentlichen. Robyn fühlte sich als Künstlerin übergangen und entschied sich letztlich gegen eine Veröffentlichung von „My Truth“ in den Vereinigten Staaten.

2001 steuerte sie zum Film „On The Line“ den Song „Say You’ll Walk The Distance” bei, der später von zahlreichen Künstlern wie Darin Zanyar gecoverd wird.

Im November 2002 erscheint ihr drittes Album „Don’t Stop the Music“. Vorerst nur in Schweden releast, sollte das Album wenig später auch europaweit erscheinen. Am Ende erblickten nur einzelne Singles das Licht der Welt. Vom Mismanagment der Plattenfirma verärgert, denkt Robyn über eine vorzeitige Vertragsauflösung nach.

2004 werden lediglich Best Of Platten veröffentlicht. Mit „Robyn’s Best” erscheint in den USA beispielsweise ein Album, auf dem ausschließlich Material aus den Anfangstagen der Künstlerin unter gebracht ist. In Schweden erscheint das Best Of Det Bästa Med Robyn (The Best of Robyn), welches neben dem Bekannten auch mit den Singles „Don’t Stop the Music“, „Keep This Fire Burning“ und „O Baby“ auf wartet. Im gleichen Jahr kaufte sich Robyn aus ihrem Vertrag mit Jive heraus und geht mit ihrem eigenen Label Konichiwa Records fortan neue Wege.

2005 erscheint der Vorgeschmack zum Album „Robyn“. Er heißt „Who’s That Girl?“ und klingt deutlich elektronischer als alle anderen Veröffentlichungen zuvor. Auch textlich hat der Song wenig mit dem Bubblegumpop früherer Tage zu tun. Für den Nachfolger von „Don’t Stop the Music“ kann Robyn zahlreiche namenhafte Kollaborationen wie der mit Klas Åhlund von Teddybears STHLM, dem schwedischen Duo The Knife und Produzenten Alexander Kronlund verzeichnen. Die verschiedenen Einflüsse von Electronica, Rap, R&B and New Age sind auf „Robyn“ deutlich zu hören. Lohn ihres Mutes ist 2006 der Gewinn des schwedischen Grammys für „Årets Album“ (Best Album), „Årets Kompositör“ (Best Writer, alongside Klas Åhlund) und „Årets Pop Kvinnlig“ (Best Pop female). Zusätzlich beginnt sie, auch für andere Künstler Songs zu schreiben.

Mit „The Rakamonie EP“ schickt Robyn im Dezember 2006 einen ersten Vorboten des neuen Materials auf die Insel. Es werden die Tracks „Konichiwa Bitches“ und „With Every Heartbeat“ ausgekoppelt. Letzterer stieg allein wegen der hohen Downloadzahl auf Platz 5 der britischen Charts ein und brachte der überarbeiteten 2007er „Robyn“ Version großen Erfolg. Sodass Konichiwa Records mit Island Records einen Vertrag einging, der das weltweite Verkaufen von Robyn Waren ermöglicht.

Im August 2008 wird das „Robyn“-Album auch in Deutschland rereleast, zur Feier der supporttour zur Madonna-Tournee.

Hans Erdmann