Selbstverständlich ist das hier wieder so eine Band wie Razorlight, Mystery Jets und The Maccabees, hyperventilierender Gitarrenpop mit schnellen Breaks. Und doch sind die Futureheads anders – nicht im positiven Sinne!

Barry Hyde ist heute früh mit dem falschen Fuß aufgestanden: „Stell bloß keine blöden Fragen zu unserem neuen Album! Was wir schon für einen Mist im Zusammenhang mit ‚This Is Not The World‘ gehört haben, spottet jeder Beschreibung!“, erklärt der Sänger und Songschreiber der Band und würdigt seinen Gegenüber keines Blickes. Den drei Jungs an seiner Seite scheint dies ziemlich unangenehm und trotzdem, sie lassen ihren Kumpel einfach machen.

Verwunderlich, denn im Jahre 2005 beeindruckten die Futureheads unter all den britischen Newcomern durch ihr offen ausgelegtes Demokratieverständnis: Es gab innerhalb des Quartetts keine klassische Rollenverteilung und jeder durfte ans Mikro oder sich beim Songwriting einbringen. Genau das machte den Reiz dieser Combo aus. „Jetzt bin ich eben der Frontmann und singe fast alle Songs – hast du ein Problem damit, dann sag es und tu nicht so überrascht.“ Barry prescht nach vorn als wolle man ihn in irgendeine Ecke drängen. Seine Laune geht dabei stetig Berg ab und lässt das Interview zu einer Farce werden.

Die Reaktionen zu eurem zweiten Album „News And Tributes“ waren mehr als verhalten. Viele waren der Ansicht, dass ihr euch mehr Zeit hättet nehmen sollen.

Barry: Da lag fast ein Jahr zwischen Debüt und Nachfolger, oder? Ich finde, dass ist völlig ok und kein Grund, weswegen die Leute so einen Mist über die Platte schreiben mussten. Sorry, du scheinst ja auch einer von denen zu sein, die uns nicht mögen. Warum sitzen wir dann hier?

Keine Ahnung wie du eine solche Schlussfolgerung ziehen kannst.
Barry: Hör zu, ich muss nichts erklären. Ich habe auch kein Bedürfnis mich mit Fragen zur neuen Platte „This Is Not The World“ zu beschäftigen; die Songs stehen für sich und beantworten alles, was man wissen muss.

Kollege Jaff schaut angestrengt zu Barry und lenkt zögerlich ein: „Die Kritiken haben uns selbst überrascht. Wir fanden die Platte nämlich besser als unser selbstbetiteltes Erstlingswerk. Um Abstand zu bekommen, sind wir im Anschluss nach Spanien gereist und haben dort an neuen Songs gearbeitet“, erklärt er und ergänzt mit einem leichten Lächeln, „das war toll, weil dort ständig die Sonne schien und wir vom Studio aus einen wunderbaren Blick auf das Meer hatten!“ Um die anschließende Frage, weswegen die Platte lyrisch trotz dessen recht düster ausgefallen ist und einen Hauch von Eskapismus verarbeitet, kümmert sich Barry höchstpersönlich: „Sorry, dass ist jetzt echt absoluter Mist – das beantworten wir nicht!“

Nun gut, Nachtreten gilt im Fußball als wenig schick. Freilich, das Futureheads-Debüt war beeindruckend – doch schon der Nachfolger offenbarte einige Schwächen; vor allem Längen. „This Is Not The World“ heißt der dritte Streich und hat musikalisch wenig zu bieten:
Lauwarme Songs, bekannte Drei-Akkord-Schemata und einen überraschend dünnen Gesang. Inklusive des typischen „This is the best record we’ve ever done“-Spruch, scheinen die Futureheads das eigentliche Ziel völlig aus den Augen verloren zu haben: die Musik. Schade drum!

Marcus Willfroth