“Im Moment kennen uns alle nur als die Band mit ‘Valerie'”, stellt Sean Payne, der Schlagzeuger der Zutons, nüchtern fest. Schuld ist natürlich Amy Winehouse, die mit ihrer Cover-Version die Charts gestürmt und die Zutons sozusagen zum One-Hit-Wonder gemacht hat. Beim diesjährigen Glastonbury-Festival war um “Valerie” gar kein Herumkommen, erzählt Payne: Neben Winehouse gab auch Mark Ronson, der den Song für die Soul-Diva entdeckt und produziert hat, in seinem Set eine eigene Version zum Besten. Und natürlich die Zutons selbst. Die wiederum baten Mark Ronson demonstrativ als Gast auf die Bühne. “Wir werden ständig gefragt, ob wir sauer auf ihn sind”, meint Payne. “Aber warum sollten wir?”

 

Ja, warum sollten sie? Die Valerie-Einnahmen haben sicher dabei geholfen, dass sich The Zutons für ihr drittes Album einen Rocker-Traum erfüllen konnten. Sie sind für die Aufnahmen von Liverpool ins ferne L.A. gereist, um in den altehrwürdigen Sunset Sound Studios aufzunehmen, wo einst The Doors und Led Zeppelin die Bandmaschinen laufen ließen. Betreut hat das neue Album der Produzent George Drakoulias, ein Protegé von Rick Rubin mit ähnlich wuchernder Bartpracht und Vorliebe für vollen Rocksound. Zutons-Sänger Dave McCabe trägt das Haar im Moment wild und lang und ist immer noch spürbar eingenommen von den USA und ihren Rock-Giganten. Seine bevorzugten Gesprächsthemen jedenfalls sind Metallica, Nirvana und vor allem Guns’n’Roses.

Das Ergebnis des USA-Trips, “You Can Do Anything”, klingt folgerichtig breitbeiniger als seine Vorgänger. Keine Spur mehr von Retro-Sound und Garagen-Ästhetik, stattdessen eine wuchtige State-of-the-Art-Produktion. Ihre breit gesteckten musikalischen Vorlieben, von Jackie Wilson bis zu T-Rex, haben die Zutons aber zum Glück im Reisegepäck gehabt. Das zu betonen ist Dave McCabe wichtig, denn er will nicht, dass er und seine Band nun als 70er-Gitarren-Rocker abgestempelt werden. “Wir nehmen viele Dinge, die wir mögen, und versuchen, sie zusammenzufügen”, beschreibt er den Arbeitsprozeß. Sean Payne hat einen konstruktiven Vorschlag, wie man den Zutons-Stil künftig bezeichnen könnte: “Future Retro Rock”.

 

Mit der anschmiegsam-aggressiven Soul-Ballade “Dirty Rat” befindet sich ein Song auf dem neuen Album, der Amy Winehouse wie auf den Leib geschrieben klingt. Ist das Zufall? Dave McCabe lacht. “Nochmal wird sie das kaum machen. Aber wir hätten nichts dagegen, wenn sie noch einen Song covert.”

 

Arne Lieb