NSA, liquid democracy, social media: alle reden über Transparenz. Es gibt kaum ein Thema, dass uns mehr beschäftigt und besorgt. Ich habe eine These, die, wenn sie stimmt, die aktuelle Diskussion verändern könnte:

TRANSPARENZ MACHT INTRANSPARENT

Information ist Entscheidungshemmer Nummer eins – das sollte uns allen spätestens nach unserem ersten Onlineshopping Erlebnis bewusst sein.

Trotzdem treibt uns während wir uns in den Weiten dieser unergründbaren Netzstrukturen bewegen auch die Angst der ständigen Überwachung.

Doch wer soll den Überblick behalten, wenn unsere Daten in ihrer Quantität unmöglich qualitativ auszuwerten sind? Ist die Kontrolle durch Transparenz nicht viel mehr ein Trugschuss, der zur Selbstkontrolle führt?

Bei Erwachsenen liegt die anatomische Obergrenze für Simultanerfassung bei etwa vier bis fünf Objekten – wir leben also mit einer permanenten Wahrnehmungsselektion und das ist auch gut so, denn das Gehirn ist mit einer künstlich stark erhöhten Aufnahmefähigkeit überfordert, was zum Wahnsinn führen kann. Wenn wir nicht selektieren, also intuitiv Entscheidungen treffen, was wir wahrnehmen werden wir effektiv Entscheidungsunfähig, Wahnsinnig.

Mit zunehmender Information werden Entscheidungen nämlich konsequent gedacht paradox – sie werden schlicht nicht entscheidbar. Entscheidungen müssen seit jeher Angesichts einer ungewissen Zukunft getroffen werden, obwohl das ja rein analytisch gesehen so schnell und ohne all die ganze Information gar nicht möglich ist. Und MIT ihr erst recht nicht.

Macht Transparenz also konsequent gedacht intransparent – und welche Folgen hätte das für unser tägliches Handeln? In diesem Format werde ich dieses Thema wöchentlich betrachten und analysieren.

Folgt mir dabei auf meiner Reise in die Paradoxien unserer Wahrnehmung –
staring at the internet.