Vier Jungs aus Husum gehen im Vorprogramm von Casper auf Reisen. Kreuz und quer durch Deutschland. Für motor.de schreibt das Quartett seine Eindrücke nieder und lässt euch auf diesem Wege daran teilhaben. In Teil zwei des Tourtagebuchs: Kürbiszeit, Lektionen in Demut und die Mannigfaltigkeit von Grillsaucen.
“…Und wenn unsere Zeit gekommen ist: Ab zu König
Zweithaar!”

Tag 4

Es ist Kürbiszeit! Im Hotel begrüßen sie uns von Fensterbänken, im Club mit einer herrlichen Suppe. Gießen ist nicht der Nabel der Welt, die Bardame beschreibt es sogar als Ausgeburt des Mittelmaßes. Man gewöhne sich dran. Wir lachen. Ich kenne das. Husum verdammt. Schön ist es trotzdem und für eine halbe Stunde lassen wir die
Fussballgesänge verstummen.

Dann Casper-Show bis die Schuhe qualmen, und das tun sie wirklich! Die Scheinwerfer unter dem Podest verbeißen sich unbarmherzig in das Sohlengummi. Was nach dem Bus-Beladen folgt, ist die wahnsinnigste aller Aftershowpartys. Mit Herz! Der Benjamin hat nämlich von der Kirmes ein Slushy-Herz mitgebracht, dessen bauchiger Korpus ohne Pause nach Füllung verlangt. Verträumt lächelnd begegnen sich also immer wieder zwei von uns und saugen am Doppelhalm. Dann abwechselnder Weise hinter das DJ-Pult. Wir drehen wild an den Knöpfen und schießen uns Trockennebel ins Gesicht. Turbostaat und Lady Gaga umschlingen sich in liebevoller Umarmung. Als um 4 Uhr der letzte Schnaps verkostet und das letzte Eis gegessen ist verabschiedet sich die Casper-Bande gen Stuttgart.

Eine Ehrenrunde durch die Stadt und wir liegen im Hotel und warten, dass uns das Zimmermädchen aus den Betten wirft. Und das tut sie mit Bestimmtheit. Jeder isst noch ein paar Bonbons im Foyer. Dann weiter.

“Erste Annäherungsversuche in Gießen”

Tag 5

Die Kriegsinvaliden der großen Schlacht zu Gießen satteln auf, der Ritt nach Stuttgart beginnt. Bei allen Spuren, die die Nacht unter Augen und in Magengruben hinterlassen hat, erwarten wir den Abend dennoch freudig. Wie es sich nämlich für eine amtliche Hip-Hop-Hochburg gehört, stellt Stuttgart uns eine große Halle hin. Es soll bis heute die größte Casper Solo-Show sein. Auch wir sind ob der Bühne und des unüberblickbaren Zuschauerraums beeindruckt. Beeindruckter dann nur noch von einer nicht endenden Auswahl von internationalen Grill- und Spaßsaucen. Feierlich probieren wir uns durch die Reihen. Von der Galerie aus beobachten wir, wie aus der leeren Halle eine volle wird. Auch der Adel ist anwesend : Felix Graf von Adelmann, seines Zeichens Produzent der ersten und verschollenen Vierkanttretlager-Aufnahmen, nun Winzer aus Leidenschaft, stattet uns mit seiner schönen Freundin einen Besuch ab. Freudig wird der alten Zeiten gedacht, ein baldiger Besuch im Weingut beschlossen.

Vom Schaufenster der Galerie den Tumult in der Saalmitte beobachten. Wolf Griffey hat das Rudel fest in der Hand. Ob der Luftfeuchtigkeit wohl das größte Aquarium der Welt. Für Minuten tauschen wir die Galerie mit dem Kerngeschehen, sind aber umgehend klatschnass. Jaja, Bad in der Menge. Wieder abgetrocknet dann zur größten Erkenntnis dieser Nacht : Das Apart-Hotel am Autohof ist weniger apart, dafür aber ohne Zweifel am Autohof.

“Das bisher größte Konzert der Tour: LKA Longhorn in Stuttgart”

Tag 6 & 7

Der Tankwart trägt Tracht und lutscht ein Capri-Eis. Wir zahlen und fahren in die Schweiz. Dort erleben wir den größten Kulturschock, den ein Mitteleuropäer in Mitteleuropa erleben kann: Unsere Stecker passen nicht in die Steckdosen! Kampf um Kampf entbrennt um die wenigen Umsteckmöglichkeiten. Und ein Kampf ist immer dann am schönsten, wenn er zum Sport gemacht wird. An unseren Tagen in der Schweiz entwickeln wir geschlossen eine Passion für Tischfussball, die bei vielen nur vom eigenen Unvermögen übertroffen wird. Das Ringen der Giganten wird nach einer halben Stunde beim Stand von 3:2 vertagt. Doch wir haben auch Profis in unseren Reihen: Casper-Tonmann Sean erteilt uns Lektionen in Basketball und Demut. Weiter geht es mit Sportwetten, schließlich sollen auch die eine Schnitte haben, denen das Wort mehr wiegt als die Tat. Ich gewinne das EM-Qualifikations-Tippspiel und ein wenig Gott- und Selbstvertrauen zurück. 

Zum Abenbrot erzählt uns der Zigarre rauchende Veranstalter Boris Streetknowledge und Räuberpistolen aus Hip-Hop-Schweiz. Wenig später betreten wir zum ersten mal Schweizer Bühnenboden. Was am ersten Tag noch mit freudigem Wohlwollen, am zweiten in großen Teilen
mit Unverständnis aufgenommen wird. Eine Gruppe scheint sich die Münder mit Klebeband zuzukleben. Niemand weiß, wer jetzt irritierter ist. Wir selbst jedoch, immer besser eingestellt, merken wie die vergangene Woche Früchte zu tragen beginnt. Danach ziehen wir aus, unsere Basketball-Ehre zurückzugewinnen. Wir gewinnen sie nicht zurück. Auch unter dem Miniatur-Flutlicht des Hinterhofs stecken wir eine herbe Niederlage ein. Gebrochen und demütig beschließen wir das Abenteuer Schweiz mit Dosenbier. Dafür ist es aber das wahrscheinlich teuerste der Welt! Ein letzter Luxus, dann zu Bett.

Vierkanttretlager

Den ersten Teil des Tour-Tagebuchs lest ihr »hier.

(Profil-Foto: Jenny Schäfer)