Daniel Meteo ist ehemaliger DJ und Produzent, außerdem Manager der von Apparat  und ist aktuell mit der Band Moderat beschäftigt. Seit zwei Jahren betreibt er zusammen mit Sascha Ring (Apparat) das Restaurant „Zum Mond“. Wir haben ihm im Rahmen der Berlin Restaurant Week getroffen.
Wie entstand die Idee zur Gastro?

Ein normaler Tour Tag sieht wie folgt aus: Du schläfst im Nightliner, bist am nächsten Morgen in der nächsten Stadt, bist in der Venue, baust dein Set Up auf, wartest, isst vor Ort (immer das gleiche), spielst, gehst in den Bus und fährst in die nächste Stadt. Wenn du das 40 mal hintereinander machst, weißt du einfach nicht mehr in welchem Land du gerade bist.

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Außer, dass die Halle schön war?
Genau. Berlin ist da eine Ausnahme. Eine Veranstaltungsort mit der Größe des Astra Clubs, findest du in Holland nur am Stadtrand. Wenn man beim Catering ansagt, dass man mal keine Pizza oder keine Pommes will, kriegt man Sushi etc.pp., eben den kleinsten gemeinsamen Nenner.
Wenn man allerdings sagt: „Am Liebsten was Lokales“, um wenigstens den Geschmack der statt zu behalten, geht das in Glasgow, aber auch in Mannheim.

So kommt es dazu, dass man später so etwas sagt, wie: „Erinnerst du dich an das geile Konzert in Dresden? Ja klar, da gab’s doch diesen tollen Apfelkuchen“.

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Also ist das Konzept eures Restaurants gewissermaßen, einen regionales Eindruck bei den Gästen zu lassen?
Genau. Daran halten wir uns jetzt aber auch nicht sklavisch, aber es sollte schon vieles aus Berlin oder Brandenburg kommen. Es geht uns grundsätzlich auch einfach um Entschleunigung. Unsere Gäste können dabei vergessene Getränke oder Speisen (neu)entdecken.

Hier soll man einfach auch mal an dem Tresen sitzen und einen alten Korn oder Doppelwacholder trinken können. Ich will einfach ein wenig Kneipenfeeling.

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Habt ihr hier dann auch Musik laufen?
Von mir aus muss hier gar keine Musik laufen und erst recht kein Techno oder Cafe del Mar Musik. Meistens haben wir immer etwas Jazz im Hintergrund.

Es kommen oft auch Leute aus dem Berghain oder dem Tresor. Das ist dann auch für die eine schöne Abwechslung, wenn man mal ein bisschen Ruhe zum Reden und Essen hat.

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Also ist das hier ein klassischer Musikindustrie Hangout?
Es kommen immer mal ein paar DJs und Veranstalter vorbei. Wir hatten auch mal eine Reihe mit dem Musicboard Berlin, eine Art Stammtisch, in dessen Rahmen der Jules Vernes Verein hier einen kompletten Tag über Musikthemen geredet hat. Es gibt immer in etwa einen Tisch, der aus der Musikecke kommt – aber an sich haben wir auch viele andere Stammgäste und generell ein gemischtes Publikum, wir spielen unseren Hintergrund ja nicht unbedingt häufig in der Öffentlichkeit aus, sonst hätten wir ja regelmäßig Apparat Fans hier, die dann enttäuscht wären, dass Sascha nicht hinterm Tresen steht.

Es haben aber auch schon DJs hier geheiratet…

Wer denn?
Das ist privat (lacht).

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Kochst du selber?
Ich koche selber privat sehr gerne, Sascha übrigens auch. Wir beide kochen allerdings zwei bis drei mal im Jahr hier für den gesamten Verlag und die Köche haben frei.

Ansonsten lasse ich allerdings unseren Köchen in der Küche ganz bewusst komplett freie Hand. Grundsätzlich lege ich Wert darauf, dass die ihrer Kreativität freien Lauf lassen können und faire Arbeitszeit haben, denn schließlich schmeckt mir eigentlich wirklich alles, was hier auf den Tisch kommt. Die können das mit dem Kochen dann auch echt noch mal besser als Ich.

Ist Kochen das neuen DJing?:

Ein bisschen ist dieser Trend wirklich spürbar. Die Kollegen aus Frankfurt haben zum Beispiel auch ein eigenes Restaurant und kommen öfters hier her.

Ich glaube es liegt bei vielen ein wenig daran, dass in Berlin trotz des Überangebotes an elektronischer Musik, der Raum für Experimente recht klein geworden ist. Es kommen am Wochenende eben sehr viele Touristen hier her und die wollen dann Hits, Hits, Hits.

Das ist verständlich, versteht mich nicht falsch, das große Publikum ist ja auch eine sehr schöne Sache, nur wird es mir dabei irgendwann etwas langweilig. So kommt es dazu, dass wir uns in die Restaurants zurückziehen und einfach mal zusammen rumsitzen und gemeinsam reden.

Was kannst du gar nicht ausstehen?
Wenn wir aus irgendwelchen Gründen in die Metro fahren müssen, oder am schlimmsten, ich.

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Gehst du noch selber Essen?
Nicht mehr so viel. Essen gehen hat ja auch wirklich was mit dem Beruf zu tun. Geschäftsessen gehören einfach dazu. Einige Sachen kann man einfach nicht am Telefon besprechen.

Wenn ich heutzutage Essen gehe, dann sollte es schon komplett anders sein als hier.

Da bin ich auch zu stolz auf unsere Küche. Ich mag die Ming Dynastie, das Dong Xuan Center, aber auch einfach die Eckkneipe mit leckeren Bratkartoffeln und Spiegelei. Da darf beim Essen dann auch noch geraucht werden.

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Welches ist das härtere Business, Musikindustrie oder Gastronomie?
Auf jeden Fall die Gastronomie! Hier muss man anders arbeiten. Nicht von der Stundenzahl her, da habe ich viel mehr Zeit in der Musikindustrie verbracht.

Ich meine, dass man bei einem Restaurant viel mehr Geld und Sorgen reinstecken muss, wobei das bei einem DJ im Vorhinein eher weniger Sinn macht.

Ein Restaurant kommt auch nicht einfach so in der internationalen Markt wie ein DJ und man kann es viel schlechter bewerben. Gerade deshalb legen wir so viel Wert auf faire Arbeitszeiten und Bezahlung, damit wir eine gute Crew haben.

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Was wäre dein Traumszenario für dein Restaurant?
Berlin hat die Eigenart, dass sich in Lokalen immer die gleichen Menschen rumtreiben. Entweder sind es nur Männer mit Bart und Laptop (so wie ich, lacht), es sind nur alte Leute oder nur Touristen.

Das ist übrigens auch der Grund, der mich aus Friedrichshain rausgetrieben hat, in Charlottenburg ist das zum Beispiel anders. Da sind alle Altersgruppen und unterschiedliche soziale Hintergründe an einem Tisch.

Mich würde es freuen, wenn hier, trotz Standort, einfach ein guter, echter Mix entsteht.

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Was treibt dich an?
Ich bin eine Addictive Personality. Damit meine ich keine Drogen, sondern, dass ich immer etwas zu tun haben muss, ob das nun Musik oder der Laden ist. Vielleicht habe ich den Laden auch eröffnet, weil das mit der Musik gerade alle sehr gut läuft und ich neue Herausforderungen brauche.

Da geht es Sascha und mir etwas ähnlich. Während dem einen Projekt geht es dann immer schon mit dem nächsten los. Das liegt irgendwie an einer psychologischen Unruhe – und daran, dass man schnell gelangweilt ist.
Ich finde es aber auch sehr gut mir Strukturen zu schaffen, die dann laufen und in die man sich wieder etwas zurückziehen kann. Wir haben hier immerhin 3 ½  Arbeitsstellen mit Festanstellung geschaffen und das soll auf jeden Fall so weiterlaufen.

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