„Wir sind nicht politisch!“, stellt Bassist Carlos Dengler klar. „Jeder von uns ist politisch interessiert, aber wir verstehen Interpol nicht als eine politische Plattform. Wir bewundern solche Künstler. Sei dies nun Bob Dylan, The Clash oder – zeitgenössisch gesehen – Radio 4, die aktuelle politische Entscheidungen kommentieren, aber uns geht es mehr um das Erzeugen einer Grundstimmung, einer Idee, eines für uns wichtigen Programms.“ Bevor da jemand „arty-farty“ schreit: Nein, Interpol verfolgen kein hochgestochenes Programm, kein Kunst-Kauderwelsch jenseits des Nachvollziehbaren, kein Zitatgeschwulst – Interpol geht es um eins: das zwischenmenschliche Scheitern mit all seinen Folgen.

Letzteres äußerte sich textlich auf dem 2002er Debütalbum „Turn on the Bright Lights“ vor allem im erlebten Weltschmerz und der Einsamkeit in New York City, wurde musikalisch mit dem dichten Zusammenspiel aus treibendem Schlagzeug (Sam Fogarino), melancholischer Gitarre (Daniel Kessler), Bass (Carlos Dengler) und dem leicht verzerrten Gesang Paul Banks betont und brachte dem New Yorker Vierer ungewollte Vergleiche mit den wohl wichtigsten Bands des britischen New Wave ein: Joy Division und den frühen The Cure. Mit letzteren oder viel mehr zu deren Ehren spielten Interpol gerade auf dem in den USA tourenden Curiosa-Festival, auf dem unter anderem auch The Rapture zu sehen waren, die wie Interpol, Radio 4 und den Yeah Yeah Yeahs zur New Yorker Post-Strokes Indie-Szene gehören, die klein, fein und überschaubar ist, wie Drummer Sam Fogarino erklärt: „Man spielt mit Bands und kurze Zeit später sind sie ’groß’.“ So gelten Interpol mittlerweile ein bisschen als die Ziehväter von The Stills, die New York im Sturm erobert haben. „Das Spannende momentan an New York ist das fast unerschöpfliche Ausmaß an musikalischer Kreativität. Egal, ob man eine politische Linie wie Radio 4 vertritt, sich The Rapture nennt und musikalisch Neues macht, oder eine Band ist wie wir, der es eher um das Vermitteln einer Stimmung geht.“ Genau das gelingt Interpol auch auf dem Ende September erscheinenden Nachfolgealbum „Antics“: Weniger düster als das grandiose Debütalbum, aber dennoch wird die bereits das erste Album bestimmende Grundstimmung fortgesetzt. „Eine Veränderung ist nicht nötig“, so Sam. „Wir spielen für uns, wir „designen“ nicht!“ Straight, ohne Zugeständnisse. Fast schon könnte man Interpol politisch nennen.