Das vielleicht merkwürdigste an Wayne Coyne ist, wie normal der Typ inzwischen aussieht: Mit seinen eleganten graumelierten Haaren, den saloppen Anzügen und der allgemein unglaublich gesunden, lebensfrohen Ausstrahlung, fällt es schwer, ihn mit (s)einer Band in Verbindung zu bringen, die ihrerseits kaum einmal zum Thema eines Artikels gemacht wird, ohne dass Assoziationen wie “Drogen”, “verrückt” oder “bunt” ins Spiel kommen.

Mit den Drogen hat Coyne – im Gegensatz zu seinem Bandpartner Steven Drozd, dessen Heroinsucht noch nicht all zu lang zurückliegt und in der fantastischen Flaming Lips-Doku ‘The Fearless Freaks’ ausführlich thematisiert wird – schon seit geraumer Zeit nichts mehr am Hut. Auch das exzentrische Äußere mit gelegentlich pink gefärbter Wallemähne hängt schon eine Weile zu Hause im Schrank. Dass er trotzdem nicht der Durchschnittstyp von nebenan ist (selbst, wenn er in oben erwähnter Doku ausführlich in Stino-Manier und Gummistiefeln den Rasen vor seinem Haus mäht), wird schnell klar, setzt man sich einmal nur für wenige Sekunden der Musik seiner Band aus. Die veröffentlicht, nachdem das glorreiche Album ‘Yoshimi Battles The Pink Robots’ nun auch schon vier Jahre auf dem Buckel hat, dieser Tage einen neuen Longplayer namens ‘At War With The Mystics’.

Die zwölf Songs darauf sprengen mitunter die Grenzen des Vorstellbaren, und bieten neben den üblichen Längen und Momenten, in denen die Band sich in plätschernden Spielereien zu verlieren droht, mindestens drei Hits für die Ewigkeit. Meine lieben Freunde, entre nous: Jeder Mensch sollte einmal im Leben den ‘Yeah Yeah Yeah Song’ gehört haben. Außerdem gibt es die üblichen Abhandlungen zum Themenkomplex Leben vs. Tod à la Wayne Coyne und Songtitel, die auf keine Kuhhaut passen. Ein Beispiel gefällig? Na: ‘The Wizard Turns On…The Giant Silver Flashlight And Puts On His Werewolf Moccasins’. Nach einer kurzen Konversation mit dem Mann himself verwundern solche Kuriositäten aber kaum noch. Wayne Coyne redet sich von null auf 180 in drei Sekunden, hat nach fünf Minuten den Bogen von George Bush zu UFOs gekriegt, und weiß auf alles eine Antwort – oder zumindest eine Frage. Wäre er Politiker, ich würde ihn wählen. Da er Musiker ist, reden wir über Musik.

Du hast ja schon einen ziemlichen Interview-Marathon hinter dir, in den letzten Tagen. Gibt es schon Fragen, die du fürchtest, weil sie unausweichlich in jedem Gespräch drankommen?
Nein, ich wusste ja, als ich mich darauf einließ, dass da Sachen sein würden, die jeder wissen will und fragt. Ich denke, das ist wundervoll! Ich schreibe auch die ganze Zeit mit, was die Journalisten so an Vorschlägen, Ideen und Interpretationen auffahren – für mich ist das eine Art Therapie (lacht).

Okay, dann also zu eurer neuen Platte. Die heißt ja “At War With The Mystics”. Denkt man da an den Titel des Vorgängeralbums “Yoshimi Battles The Pink Robots”, könnte man glauben, ihr wärt eine recht kämpferische Band…
Ehrlich gesagt, hatte das Album zunächst gar nicht diesen Titel, es hatte eigentlich gar keinen! Und als ich dann vor etwa zwei Jahren begann, mit anderen Leuten über die Platte zu sprechen, erwähnte ich den Song-Titel “At War With The Mystics” [Anm.: Den zumindest ich so nicht auf dem fertigen Album finden kann…]. Die dachten, es wäre der Name des Albums und sagten, “Hey, das ist so ein großartiger, verrückter, magischer, übernatürlicher Titel” – also sagte ich zu mir: “Okay, das klingt cool für mich!” Erst viel später bemerkte ich, dass wir ja schon wieder sozusagen im Krieg sind. Und dann interpretierten es einige Leute so, als wären wir damit quasi zum nächsten Level aufgestiegen: Anstelle der “Pink Robots”, die ja zur realen, physischen Welt gehören, und die man deswegen berühren und schlagen kann, legen wir uns diesmal mit den Abstraktionen unseres Bewusstseins an, mit den “unsichtbaren Manifestationen”. Und ich dachte mir wieder: “Okay, das klingt auch cool!” Außerdem tauchen jetzt Fragen auf, wie: Warum kämpfe ich? Und: Womit? Bedeutet “At War With The Mystics”, dass ich Seite an Seite mit den mystischen Wesen kämpfe, oder gegen sie? Aber im Ernst: Ich wollte nur einen cool klingenden Titel. Und jetzt habe ich den Bonus, dass mich das Ganze viel cleverer aussehen lässt, als ich wirklich bin!
Aber was mir wirklich wichtig ist: Ich bin auf Kriegsfuß mit der Art Mystizismen, die heraufbeschworen werden, um die Wahrheit zu verbergen. Was ich damit meine: Ich lebe im Amerika des George W. Bush, wo dieser sich zum selbsternannten Mystiker oder religiösen Propheten hochstilisiert, der eines Morgens aufwacht und zu seinen religiösen Anhängern, einer Menge hart arbeitender, gläubiger Familien in Amerika, sagt: “Ich habe gestern Nacht mit Gott gesprochen. Und Gott hat mir gesagt, wir werden im Irak einmarschieren!” Und die Leute denken sich: “Okay, wenn Gott ihm das gesagt hat, dann werden wir das machen!” Anstatt das also zu hinterfragen, zu sagen: “Hey, warte mal einen Augenblick – was, sagst du, soll Gott zu Dir gesagt haben?”, anstatt George W. Bush anzusehen, den Kopf zu schütteln über diese absurde Begründung, und ihn herauszufordern, ihnen die Wahrheit zu sagen, lassen sie sich von diesen Mystizismen einnebeln. Und so toll ich diesen ganzen mystischen, übernatürlichen Kram auch finde – es ist wichtig, die Lügen und den Bullshit wegzukratzen und einen Blick auf die Wahrheit zu erlangen. Und es ist ganz okay festzustellen, dass hinter der Wahrheit noch wundervolle magische Mysterien verborgen sind, mit denen man leben kann. Was ich damit meine – und ich verwende diesen Vergleich oft, also, denke nicht, ich sei nicht originell, wenn du ihn noch woanders liest, aber er passt einfach so gut – ist: Stell dir vor, wir laufen durch einen nächtlichen Wald. Ein Flugzeug fliegt über unsere Köpfe hinweg. Und, Torsten, du sagst: “Schau mal, Wayne, da ist ein UFO!” Und ich entgegne: “Nun, Torsten, ich denke, das ist nur ein ganz normales Flugzeug.” Und wenn wir wirklich die Wahrheit wollen, dann sagen wir: “Ja, das ist wohl nur ein Flugzeug.” Aber das Mysterium hinter dieser Wahrheit ist, dass doch immerhin die Möglichkeit besteht, dass es noch Leben da draußen gibt oder sogar geben muss, dass es durchaus UFOs geben könnte, und das Universum unendlich ist. Siehst du den Unterschied? Wir wollen also die Wahrheit wissen, aber dazu müssen wir weder uns etwas in die Tasche lügen und die unwahrscheinlichste Variante glauben, noch die Geheimnisse zerstören. Das wäre doch furchtbar! Ich möchte nicht in einer Welt ohne Mysterien, Dunkelheit oder Magie! Gleichzeitig sind wir uns schuldig, zu verstehen, was real und wahr ist, und dann die Mysterien und Magie dahinter suchen. Wir müssen uns einfach eingestehen, dass es Dinge gibt, die wir niemals verstehen werden; Antworten, die wir niemals finden werden. Aber Neugier ist doch etwas wundervolles!

In eurem Song “The Wand” geht es um jemanden, der seine Antwort gefunden zu haben scheint, oder? Ich habe gelesen, dass der Song von einem Obdachlosen inspiriert wurde, den du gesehen hast. Der gute Mann ging am Stock, aber er verhielt sich, als sei es eine Art Zauberstab, der ihm Kraft verleiht.
Ich versuche immer über Dinge zu singen, die ich erlebt habe, oder Geschichten, die mir passiert sind. Ich staffiere die dann immer mit etwas Drama, Fantasie und Farbenpracht aus… Aber wenn man so etwas im wirklichen Leben sieht, dann ist das sehr ermutigend – manchmal ermöglicht dir der Glaube an deine eigene Kraft, das Unmögliche zu tun! Wenn ich in dem Song auch noch darüber singe, dass wir die Kraft haben, zu tun, was wir wollen, dass wir sogar die Regierung stürzen können, dann ist das nur eine große, bombastische Metapher dafür, dass man eben letzten Endes doch die Gewalt über das eigene Leben, das eigene Glück hat. Wenn wir diese Kraft gezielt einsetzen könnten, würden wir zu einer Art unaufhaltsamen Monster werden. Aber es ist wichtig zu erkennen, dass uns niemand von außen diese Kraft verleihen wird.

Würdest du sagen, dass in deinem Falle die Musik einen großen Teil dieser Kraft ausmacht?
Hmmm, ich weiß nicht – Ich glaube, als ich heranwuchs, war mir nie bewusst, wie wichtig Musik für mein Überleben war, wie sehr sie mir das Leben rettete. Es ergab sich einfach so von selbst. Ich meine, ich hätte bestimmt irgend etwas künstlerisches gemacht, ich hätte vielleicht Maler oder Dichter werden können, hätte Filme gedreht oder Bücher geschrieben – aber ich glaube, nach einer Weile wäre mir das alles für sich allein genommen zu langweilig geworden. Und Rock’n’Roll lässt dich glücklicherweise all diese Dinge gleichzeitig tun! Du kannst Filme machen, du kannst Sex mit schönen Frauen haben und einen Haufen Geld verdienen – es erlaubt einem ein fantastisches Leben! Ich denke, ich habe in der Hinsicht eine Menge von meinen älteren Brüdern weitergegeben bekommen. Ich hatte immer das Bedürfnis nach mehr Surrealem, mehr Gefahr – und das ist der Grund warum ich in einer dummen Rock’n’Roll-Band bin!

Und über diese Band gibt es ja inzwischen sogar einen Film [“Fearless Freaks”, die großartige Flaming Lips-Doku von Bradley Beesley, 2005 auf DVD erscheinen]. Wir haben ja gerade über Mysterien gesprochen: Anstatt eine Scheinwelt zu errichten, in der alles toll und bunt ist, und die Flaming Lips als wahnsinnige Genies völlig unverletzlich durch die Gegend springen, ist “Fearless Freaks” ja ein sehr offener und mutiger Film geworden, auch und insbesondere, was die Themen Drogen, Tod und Gefängnis betrifft. Wie fühlt es sich für dich an, den fertigen Film anzusehen?
Ich bin sehr froh über das, was Bradley da geschafft hat. Und eigentlich kommen wir doch wirklich wie eine Art Superheld rüber, wenn man den ganzen Film gesehen hat [lacht]. Ich meine, ich habe ihn inzwischen acht oder neun mal angeschaut, jedes Mal in Anwesenheit eines großen Publikums. Und ich konnte die Wirkung erleben, die der Film auf die Menschen hat. Und obwohl das nur meine Kumpels und ich da oben auf der Leinwand sind, erzählt der Film irgendwie diese fast biblische Geschichte von der Unverwüstlichkeit des Glaubens: Da sind diese Typen, deren Optimismus und Enthusiasmus einfach nicht totzukriegen ist. Das liebe ich an dem Film, aber es fiel mir eben erst auf, als ich die fertiggestellte Version sah. Da dachte ich: “Mein Gott, das ist ja eine großartige Geschichte! Die habe ich so nie wahrgenommen!” Bradley ist ein toller Filmemacher. Er sieht die kleinen Dinge, die das wahre Leben ausmachen, die aber die meisten Menschen gar nicht wahrnehmen. Die Anstrengungen, das Familienleben, der Tod. Es fühlt sich für mich also nicht so an, als würde der Film die Geschichte einer überlebensgroßen Rock-Band erzählen – es geht um ein paar Freunde, die zufällig in einer Band spielen und Dinge tun und erleben, wie viele andere Menschen auch. Ich meine, jeder kennt doch jemanden mit einem Drogen-Problem, so ist die Gesellschaft eben heutzutage. Jeder kennt jemanden, den er am Kragen packen, schütteln und anbrüllen: “Siehst du nicht, wie du Dein Leben mit diesen blöden Drogen ruinierst?” Das war mir nicht bewusst, bis ich den Film gesehen habe, aber das ist etwas, was viele Leute verstehen werden.

Der Film zeigt die ganze Drogen-Problematik ja in einem sehr unromantischen, ehrlichen Licht.
Ja, und ich denke, damit tut der Film einigen Menschen einen echten Gefallen. So ungefähr wie: “Sieh mal, es ist nicht alles wie bei Keith Richards, der durch die frühen Siebziger stolperte.” Versteh’ mich nicht falsch, er tut das mit sehr viel Anmut und Glamour – außerdem sieht er aus wie ein wunderschönes Skelett! Aber in den Leben der meisten Menschen läuft es eben nicht so ab; stattdessen geschehen schreckliche, destruktive Dinge. Ich will mich aber andererseits auch keinesfalls hinstellen und sagen, dass Drogenerfahrungen keinerlei Wert haben! Ich würde die Leute in jedem Fall ermutigen, aus ihrem Leben zu machen, was immer sie wollen! Natürlich muss man smart und vernünftig sein, sonst gibt man die Kontrolle an die Drogen ab. Ich würde auch niemandem raten, Crack, Crystal Meth oder Heroin zu rauchen, das ist alles viel zu stark. Aber einige Drogenexperimente können schon zu neuen Einsichten verhelfen, das Ego und die Selbstwahrnehmung herausfordern. Auch das zeigt der Film: Wir sind einfach offen für neue Erfahrungen, und die mit Drogen könnten dazu gehören…

Meine Lieblingsstelle im Film ist eine, die beim Betrachten extrem komisch ist, aber als du sie ursprünglich erlebt hast, bestimmt sehr schlimm für dich war. Ich spreche von der Szene, in der du von deiner Zeit bei einem Fast-Food-Restaurant erzählst. Du suchst den Originalschauplatz auf, und spielst einen real geschehenen Überfall nach – mit den Kindern der heutigen Besitzer des Lokals als Statisten…
Total! Und das ist wieder so ein Beispiel für das Können von Bradley: Als wir das drehten, sagte ich: “Hm, ich komme mir irgendwie doof vor, aber ich mache, was auch immer du mir sagst.” Und er sagte: “Nein, das wird super – erzähl mir die Begebenheit einfach.” Und dann hatten wir die Idee, das ganze nachzuspielen. Als ich dann den fertigen Film sah, wurde mir klar, wie smart der Einfall war. Ich meine, die Sequenz ist albern und aussagekräftig zugleich.

Gehst du eigentlich noch oft in das Restaurant?
Nicht wirklich, es ist inzwischen eine vietnamesische Nudel-Bar. Ich will nicht zuviel darüber sagen, aber es ist ehrlich gesagt nicht besonders gut…

Mir war nur aufgefallen, dass du die Kinder bei ihren Vornamen nennst. Also dachte ich, du kennst sie vielleicht…
Na ja, wir haben schon mit ihnen geredet und sie gefragt, ob das okay ist, bevor wir die Szene gedreht haben [lacht]. Sie heißen Dennis und Vivian, und sie sind wirklich tolle kleine Schauspieler, die sofort Feuer und Flamme waren. Ich hatte keine Ahnung, wie sie sich machen würden… Man kann auch sehen, wie sie zögern und verdutzt sind, als würden sie sich fragen: “Was macht dieser merkwürdige alte Typ hier?”

Als Du dort gearbeitet hast, hieß der Laden ja noch “Long John Silver’s” – musstest Du da eigentlich auch so ein Piratenkostüm tragen, mit Papagei und allem?
Oh ja… Ein ziemlich albernes Outfit, das sie alle paar Jahre veränderten. Man muss bedenken: Ich habe da fast zwölf Jahre gearbeitet, habe also ein paar Uniformen kommen und gehen sehen… Mal mit Schürze, mit Hut und auch eine Augenklappe war mal dabei…

Von wann bis wann hast du denn da gearbeitet?
Von 1977 bis 1990. Zum Schluss nicht mehr so viel…

Also sogar nachdem du das erste Mal mit den Flaming Lips in Deutschland gespielt hast…
Yup, auch da musste ich noch ab und zu in Teilzeit da arbeiten…

Es erinnerte mich an diesen Film “Ich Glaub’ Ich Steh’ Im Wald” [“Fast Times At Ridgmont High”)…
Es war genau so! [lacht] Auch ich habe nach der Arbeit manchmal vergessen, meine Uniform auszuziehen – und bin als Pirat ins Auto gestiegen, um nach Hause zu fahren… Ich sah natürlich aus wie ein Vollidiot…

Hat dieser Überfall, bei dem du ja immerhin mit einer geladenen Waffe bedroht wurdest, dich zu dem im Flaming Lips-Schaffen doch sehr wichtigen Themenkomplex “Leben und Tod” inspiriert?
Es hat sicherlich einen Teil beigetragen. Ich meine, man erlebt so etwas nicht und bleibt davon völlig unberührt oder unverändert. Ich denke, auf die eine oder andere Weise war ich aber schon vorher ein eher optimistischer Mensch, vielleicht nur unbewusst. Aber man kann sich keine freudigere Explosion vorstellen, als den Moment, in dem wir Angestellte realisierten, dass diese Typen uns nicht umbringen würden. Wir alle haben vor Freude geweint. Und auch am nächsten Tag noch waren diese ganzen Dinge, über die ich mir vorher Sorgen gemacht hatte, völlig unbedeutend! Ich dachte: Ich bin am Leben und kann tun was ich will! Aber die Wahrheit ist: Dieses Gefühl verschwindet auch wieder. Und wenn man sich nicht ständig ins Gedächtnis ruft, dass die meisten Probleme und Sorgen wirklich geringfügig und unbedeutend sind, verfällt man nach spätestens einem Jahr wieder in sein gewohntes Denken. Es ist eben ein stetiger Prozess, nichts kommt einfach so des Weges und verändert dich auf einmal von Grund auf. Dein Leben passiert dir die ganze Zeit. Aber wenn man an einem Punkt im Leben steht, an dem man sich fragt: “Schaffe ich das? Ist das cool?”, und einem dann so etwas passiert, sagt man sich: “Scheiß drauf! Es ist mir egal, ob ich wie ein Idiot aussehe oder ob ich alles richtig mache! Ich lebe und ich kann tun, was ich will!” Und das, kann ich dir sagen, ist ein sehr aufregendes Gefühl!

Ein sehr aufregender Song – und mein Lieblingslied zurzeit – ist der “Yeah Yeah Yeah Song”. Wie kommt man auf so eine Idee?
Ich glaube, gar nicht, um die Wahrheit zu sagen. So etwas passiert einfach, wenn man Glück hat. Eines Tages saß Steven [Drozd, Multiinstrumentalist der Band] alleine in einer Gesangskabine im Studio und spielte mit einigen Effektgeräten herum. Ich ging zufällig vorbei, weil ich in der benachbarten Kabine einen ganz anderen Song aufnehmen wollte, und hörte diese merkwürdigen Geräusche aus seinen Kopfhörern kommen. Also blieb ich stehen und fragte ihn, was das denn für ein unglaubliches Zeug sei. Ich dachte, er hört irgendeine abgefahrene CD – es klang wie die Muppets auf LSD – und es blieb in meinem Gedächtnis hängen… Und als ich erfuhr, dass er das selber gemacht hatte, diese ganzen kleinen “YeahYeahYeah”-Stimmen, da wusste ich, dass ich dazu natürlich einen politischen Text schreiben musste, der sowohl an George Bush als auch an uns selbst gerichtet war. Also: Man weiß nie, woher die Songs kommen… Dieser kleine Sound aus Stevens Kopfhörern beeinflusste maßgeblich alles, was wir danach taten!

Meine Lieblingsteil an dem Song ist die Stimme, die fragt: “Are you crazy?”
Ja! [lacht] Mit dieser Peter-Frampton-Talk-Box…[mit hoher Stimme:] “Oh yes – I’m crazy!” Man sollte dabei bedenken: Wir haben kürzlich eine Cover-Version des Queen-Songs “Bohemian Rhapsody” aufgenommen. Das hat bestimmt Spuren hinterlassen, indem es uns erlaubte, diese ganze grenzenlose Lächerlichkeit von Freddie Mercury und seinen Schöpfungen auszuleben. Wir sind der Idee des “Tu’s einfach!” mit offenen Armen entgegengegangen. Denn: Wenn Musik nicht lächerlich sein darf, kann sie auch keinen Spaß machen! Und wir haben dabei festgestellt: Je mehr wir an der Oberfläche albern wurden, desto ernster wurde es im Kern der Sache.

Was für dich auch besonders wichtig zu sein schien war, Teile des Gesangs in einer großen Gummikugel aufzunehmen. Warum?
Wenn wir live spielen, gehe ich manchmal in dieser “Spacebubble” ins Publikum, zum Crowd-Surfen. Und es war Dave Fridman, der vorschlug, diese Kugel mit ins Studio zu nehmen, einfach mit vielen Mikrofonen zu versehen und zu sehen, wie sich die Atmosphäre der Kugel auf die Musik auswirkt… Schlimmstenfalls gar nicht, und dann hätten wir immer noch einen lustigen Nachmittag im Studio gehabt! Es geht eben auch darum, sich selber zu bei Laune zu halten.

Text/ Interview: Torsten Hempelt