Temperatur des Wassers EP (Kiddo/Sony)

Singende Schauspieler werden eher belächelt als ernst genommen. Da Marek Harloff (bekannt aus z.B. ‘Der Totmacher’, ‘Kaliber Deluxe’ und ‘Vergiss Amerika’) aber schon Ende der Siebzigerjahre zusammen mit Jan Plewka in einer Schülerband rockte, ist TempEau eigentlich eine Rückbesinnung auf seine Wurzeln.

Nach drei Jahren gemeinsamer Musikgeschichte gehen die beiden Freunde 1982 getrennte Wege: Marek interessiert sich für die Umweltbewegung, Jan für Popmusik. Jahre später gelingt ihm schließlich mit Selig der große Durchbruch, während Marek bewegte Bilder produziert. Erst der Zufall bringt die beiden schließlich wieder zusammen. In seinem neuesten Film soll Marek einen Rocksänger spielen – und ausgerechnet Jan wird ihm als Trainer zur Seite gestellt. Die ersten Sessions laufen mehr als erfolgreich. Sie laufen sogar so gut, dass die beiden auch über den Film hinaus weiter Musik machen wollen, wobei Jan zwar (hauptsächlich) die Texte schreibt, aber selber nur Gitarre spielt und Marek singen und Bass spielen lässt. Dritter im Bunde ist übrigens Stephan “Stoppel” Eggert, der erst bei Selig und anschließend bei Jans zweiter Combo Zinoba das Schlagzeug spielte.

Als ersten kleinen Vorgeschmack schickt das Trio nun die EP ‘Temperatur Des Wassers’ voraus, bevor dann wohl nächstes Jahr der Film und ein ganzes Album folgen werden. ‘Junge Im Schnee’ eröffnet rockig. Textlich geht’s gegen Regulierung, Infowahn und Vereinheitlichung in einem kompakten Protestsong mit dem Refrain: “Dies hier ist nicht meine Welt, dies hier war nie meine Welt – gewesen”! Weiter in der Richtung geht’s mit ‘Staub’ und dem punk-poggigen ‘Benzin’ (“Keiner weiß, wie er sich nennt/ Alles raus, das Kaufhaus brennt”), wohingegen ‘Oktobertag’ eine sehr viel zurückgenommenere Liebesgeschichte erzählt und auch als Video enthalten ist. Genauso wie der Clip zu ‘Junge Im Schnee’ und noch ein paar Studio-Aufnahmen. Das Ganze ist rund, etwas rotzig und auf jeden Fall ein schöner erster Hinweis darauf, dass da noch Tolles kommen wird.

Text: Holger Köhler