Meist genügt schon ein Blick in die Verwandtschaft um zu erkennen: die große Nase ist ganz der Vater, den frühen Haarausfall verdanke ich dem Opa mütterlicherseits und die einzige Zicke in der Familie bin ich tatsächlich auch nicht. Woher man kommt, bestimmt das eigene Leben meist eben doch mehr, als viele sich das anfangs eingestehen wollen. Aber auch im Kino ist die Abstammung – vor wie hinter der Kamera – von nicht eben geringer Bedeutung, wie ein Blick auf die neuen Filme dieser Woche beweist.

Prinz Kaspian hat in „Die Chroniken von Narnia: Prinz Kaspian von Narnia“ jedenfalls sehr mit dem Familienstammbaum zu kämpfen. Eigentlich stünde ihm der Thron des titelgebenden Fantasy-Königreichs zu, doch da ist sein böser Onkel vor. Aber die Fabelwesen aus dem Wald und natürlich die Narnia-erfahrenen Pevensie-Geschwister helfen schließlich dabei, die Ordnung wieder herzustellen. Die verwandtschaftliche Nähe zum ersten Teil hält sich dabei in Grenzen, was von Vorteil ist, denn die Effekte sind dieses Mal besser und die Erlösungsmetaphorik wird kleiner gehalten. Nur dass Tilda Swinton sich in dieser Fortsetzung auf einen Gastauftritt beschränkt, ist natürlich enttäuschend.

Mit ganz anderen Abstammungs-Sorgen hat der Thriller „Unter Kontrolle“ zu kämpfen, denn Regie hat hier Jennifer Lynch geführt, Tochter des von Cineasten verehrten David Lynch. Die Familienähnlichkeiten sind durchaus zu sehen: die Düsternis! Der dräuende Soundtrack! Der böse Humor! Die Schauspieler (Bill Pullman und Julia Ormond)! Doch letztlich erweist sich der ständige Vergleich mit dem Papa als nicht unproblematisch – denn so gut wie er hat es sein Töchterchen in dieser dick und blutig aufgetragenen Geschichte einfach noch nicht drauf.

Einem großen Namen ist auch „39,90“ verpflichtet: der Autor der Romanvorlage, Frédéric Beigbeder, wurde mit dem Buch jedenfalls vor einigen Jahren für kurze Zeit zum hell leuchtenden Stern am Literaturhimmel. Die Verfilmung kommt nun irgendwie ein bisschen spät, aber weiß zumindest visuell zu überzeugen. Denn die kritische Parodie auf die Welt der Werbung will jene mit ihren eigenen Waffen schlagen – und kommt deswegen rasant geschnitten und einigermaßen experimentell daher.

Die kleine, aber wirklich sehr kleine Schwester der Werbung ist das Call-Center und genau darum geht es in dieser Woche in „Selbstgespräche“. Sehr unterschiedliche Menschen, darunter ein verklemmtes Papa-Söhnchen, eine arbeitssuchende Architektin und „Tatort“-Kommissar Maximilian Brückner als verhinderter Showmaster, sitzen dort beisammen um ahnungslos angerufenen eine tolle Flatrate anzudrehen. Ein bisschen wäre die Komödie sicher gerne der Kino-Cousin von „Stromberg“, was leider rein von der Bissigkeit nicht recht gelingen will. Aber den Schauspielern sieht man immerhin gerne dabei zu, wie sie nicht nur die Telefonate, sondern auch die Liebe und das Leben nie so ganz auf die Reihe bekommen.

Womit wir dann auch schon bei „Animals in Love“ wären, denn mit Liebe und Sex beschäftigt sich auch die Tierwelt – mit der der Mensch ja auch mal mehr, mal weniger direkt verwandt ist – permanent. Der dokumentarische Naturfilm entpuppt sich nun als Fleißarbeit, die 80 Tierarten beim Balzen, Flirten und Paaren zeigt. Das ist mitunter drollig, manchmal auch ein wenig irritierend anzusehen, ohne wirklich informativ zu sein – aber nicht anders kennen wir das ja von uns Menschen und unserem Privatleben!

Text: Patrick Heidmann