Es ist halb vier Uhr nachmittags, in das Hotelzimmer kommt nicht mehr viel Licht. Adam Green hängt in seinem Sessel, raucht und trinkt Pils. Seine Haare sehen ungewaschen aus, aber man riecht nichts. Laut Management ist er ziemlich verkatert, spricht aber munter. Der New Yorker Songwriter wird dieses Jahr 27, veröffentlicht dieser Tage sein viertes Album “Sixes & Sevens”. Wir reden über Katerthemen.

Auf deinem neuen Album “Sixes & Sevens” hast du viele Gesangs-Overdubs benutzt. Dadurch klingt deine Stimme irgendwie alt.
Adam Green: Alt? Naja, ich glaube, meine Stimme ändert sich auf jedem Album, egal ob sie “älter” klingt oder nicht. Als ich “Friends of Mine” gemacht habe, konnte ich nicht mehr so singen wie bei den Moldy Peaches, ich wusste nicht mehr, wie ich das damals gemacht habe. Als ich mit “Friends of Mine” auf Tour war und schon mit “Gemstones” begonnen hatte, habe ich mir die Songs noch mal angehört und dachte: Scheiße, das hört sich ganz anders an! Als ich “Jacket Full of Danger” aufnahm und noch mal “Gemstones” hörte, genauso: Scheiße, was ist das denn? Ich singe das jetzt ganz anders!

Glaubst du, Zigaretten, Alkohol oder Drogen tragen dazu bei?
Glaube ich nicht. Ich habe nie das Gefühl, dass meine Stimme schlechter wird. Aber viele Leute hören Mitte dreißig auf mit dem Rauchen, bevor ihre Stimme völlig den Abgang macht. Ich liebe Serge Gainsbourg und mag seine rauchige Stimme bis zu einem gewissen Punkt. Aber als er 45 oder 50 war, konnte er eigentlich überhaupt nicht mehr singen. Dann hat er einfach nur noch geredet. Die letzten fünf Alben versucht er gar nicht mehr zu singen. Und das ist traurig, da will ich nie hinkommen.

Morning After Midnight

Presseberichten zufolge hast du einmal in Frankreich schlafwandelnd deinen Tourbus verlassen, der dann ohne dich weiterfuhr. Fans waren so freundlich, dich nach Lyon zu fahren. Anscheinend warst du so durch, dass du dich an einige Shows nicht mehr erinnern kannst. War das wirklich so?
Das stimmt wirklich. Es war sogar noch schlimmer, deshalb musste ich einige Details weglassen (lacht). Man hat mir Ambient verschrieben, eines der gängigsten Schlafmittel in Amerika. Und wenn man darauf trinkt, hat man erstmal einen kompletten Filmriss. Ich zumindest. Zum Beispiel bin ich morgens ins Flugzeug von Madrid nach Barcelona gestiegen und habe so eine Pille genommen, habe eine Stunde geschlafen und die nächsten sieben Stunden hatte ich einen Filmriss. Ich war zu allem in der Lage, konnte mich nur nicht mehr daran erinnern. Heath Ledger ist ja kürzlich gestorben, und man geht davon aus, dass das bei ihm auch mit Ambient zu tun hatte. Deshalb habe ich meine Ambient-Flasche schon lange weggeworfen.

Helfen dir Drogen beim Komponieren?
Eigentlich nicht, denn normalerweise schreibe ich meine Songs ziemlich nüchtern. Das mache ich nämlich morgens, und abends mache ich dann irgendwas mit meinen Freunden. Und es ist auf jeden Fall eine falsche Vorstellung, besonders für Kids, dass ihre Lieblingssongwriter alle ihre Lieblingssongs auf Drogen geschrieben hätten. Das ist einfach nicht wahr, das funktioniert gar nicht. Wenn man mal im Studio war und da alle besoffen rumhingen, weiß man, dass das so nicht gehen kann.

OK, auf dieser Platte habe ich manche Sachen betrunken gemacht, und andere eben nüchtern.

Aber ich hatte ja auch viel Zeit, anderthalb Jahre habe ich daran gearbeitet. Ich “durfte” das sozusagen. Als die Rolling Stones “Exile On Main Street” aufgenommen haben, waren sie in Frankreich auf einem schönen Anwesen, einem Château oder so einem Scheiß, mit einem mobilen Studio, das ihnen selber gehörte. Sie haben monatelang aufgenommen, was sie wollten, in welchem Zustand sie wollten – kein Problem. Aber es ist doch eine grauenhafte Vorstellung in einer Band zu spielen, 12 Tage lang das teuerste Studio zu mieten und sich dann abzuschießen! Diese Karriere dürfte dann mit großer Wahrscheinlichkeit beendet sein.

Text: Philipp Kohl