Man glaubt es erst, wenn man selbst nachzählt. Auch die selbsternannten ‘Kings Of Rock’ und Vorreiter der Skandinavien-Welle Gluecifer haben bereits ihre zehn Jahre auf dem Buckel – und sind somit weiser, aber keineswegs leiser geworden. Das bezeugt ‘Royally Stuffed’, die erste DVD der fünf Norweger, rechtzeitig zum Jubiläumsjubel. Ein komplettes Live-Konzert, alle verfügbaren Videos sowie diverses, meist eigenhändig gefilmtes, dokumentarisches Belustigungs-Material sind hier zum Rundum-glücklich-Gluecifer-Geburtstagspäckchen verschnürt worden. Diese DVD zeigt auf, warum Gluecifers majestätischer Beiname keineswegs auf größenwahnsinnige Selbstüberschätzung fußt.

Doch bis es soweit war, dass Gluecifer jedes Konzert erneut in eine gefeierte Krönungszeremonie verwandeln konnten, war es ein steiniger Weg, wie sich Gitarrist und Gluecifer-Sprachrohr Captain Poon erinnert: “Als wir anfingen, gab es auch noch nicht so viele Leute, die sich um unsere Art von Musik geschert haben. Shoegazer-Rock und Green Day/Offspring war damals angesagt, und nicht unbedingt unser Punk-beeinflusster Rock’n’Roll. Also haben wir es uns zur Aufgabe gemacht, die Leute wieder dafür zu interessieren. Das hat ein paar Jährchen gedauert.” Überstürzt haben Gluecifer nichts, wenn es darum ging, dem selbstauferlegten Herrschaftsanspruch überhaupt gerecht zu werden. “Wir haben versucht, erst innerhalb der Band eine Art Fundament aufzubauen, bevor es dann darum ging, etwas für andere Leute zu machen. Wenn ich mir alte Demos aus frühen Tagen anhöre, dann denke ich, es ist gut, dass wir das nicht rausgebracht haben”, so der Captain. Mit den letzten beiden Studiowerken ‘Basement Apes’ und ‘Automatic Thrill’ hat die Band jedenfalls bewiesen, dass sie ihrem Lieblingsmusik-Genre noch einiges an vielschichtiger Ausführung abverlangen können, ohne dem Objekt der hochachtungsvollen Hingabe mit stoischen Scheuklappen zu begegnen. “Wir machen ja jetzt keine Konzept-Alben oder irgendetwas, das mit der Grundidee von Gluecifer nichts mehr gemein hat. Aber wir versuchen wenigstens uns weiterzuentwickeln. Uns ist extrem wichtig, wie wir selbst über unsere Musik denken und deshalb wollen wir das Ganze auch für uns weiterhin interessant gestalten.” Interessant dürfte die vorliegende visuelle Krönung der Bandgeschichte also nicht nur für die langjährige untertänige Gefolgschaft sein, sondern auch für diejenigen, die aus unerfindlichen Gründen noch nie einem königlichen Staatsbesuch in persona beiwohnen konnten. Gnadenlos guter, gerissener und (aus-)gereifter Rock ist nun mal eine Königsdisziplin.

Text: Frank Thießies