Alan McGee dürfte vor allem als Entdecker von Oasis bekannt sein. Doch auf seinem ehemaligen Label Creation Records veröffentlichten noch einige weitere bekannte Künstler.
McGee wird am 29. September 1960 in Glasgow geboren, wo er auch aufwächst. An der King’s Park Secondary School trifft er den späteren Primal-Scream-Gründer Bobby Gillespie. Beide sind musikbegeistert und steigen 1978 bei der lokalen Punkband The Drains ein. Dort spielt auch der spätere Primal-Scream-Gitarrist Andrew Innes. Nach dem Split der Drains ziehen McGee und Innes gemeinsam nach London und gründen die Band Laughing Apple. Mit dieser nehmen sie 1981/82 insgesamt drei Singles auf.

1983 gründet der Schotte zusammen mit Dick Green und Joe Foster das Indie-Label Creation Records, benannt nach der 60er-Kultband The Creation. Zur selben Zeit gründet er die Band Biff Bang Pow!, die bis 1991 bestehen wird. Während McGee sich seinen Lebensunterhalt bei der Eisenbahngesellschaft British Rail verdient, beginnt er eine junge Band namens The Jesus And Mary Chain zu managen, die zur Underground-Sensation wird, als auf Creation 1984 ihre erste Single erscheint. Damit ist der Grundstein gelegt, der das Label zu einer der wichtigsten Institutionen der Indie-Bewegung Mitte der 80er macht. Nachdem The Jesus And Mary Chain 1985 zu Warner abwandern, ist es McGee mit dem daraus resultierenden Profit als ihr Manager möglich, wegweisende Singles von Acts wie Primal Scream und Felt zu veröffentlichen. Obwohl diese kommerziell nicht besonders erfolgreich sind, verhelfen sein Enthusiasmus und seine beeindruckende Eigenschaft, die wöchentlichen Musikzeitschriften zu beeinflussen, Creation zu einer fortdauernden Zukunft. Nach einer Umstrukturierung des Labels taucht der Glasgower tief in die aufkeimende Dance- und Acid-House-Szene ein. Daraufhin erscheinen stilprägende Alben von Primal Scream und Newcomern wie My Bloody Valentine und Teenage Fanclub bei Creation.

Doch der ausbleibende kommerzielle Erfolg und McGees ausufernder Drogenkonsum stürzen das Label in tiefe Schulden. Die Plattenfirma kann 1992 nur durch den Verkauf der Hälfte der Anteile an Sony Music gerettet werden. McGee nennt dies später den Anfang vom Ende der wahren Creation Records, da Sony-Buchhalter und –Marketing-Manager immer mehr Einfluss gewinnen. Kurz bevor das Label ein Fall für den Konkursverwalter wird, tauchen Oasis auf. Nachdem sie der Schotte im Anschluss an ein Konzert in Glasgow, von dem er restlos begeistert ist, unter Vertrag nimmt, verkaufen sie bald darauf mit ihrem Debüt „Definitely Maybe“ 1994 und dem Nachfolger „(What’s The Story) Morning Glory?“ 1995 Millionen von Platten. Letzteres entwickelt sich zum meistverkauften britischen Album des Jahrzehnts und gilt als DAS Werk der BritPop-Bewegung. Im Februar 1995 erhält McGee den NME Award als „Godlike Genius“. Diese Erfolge machen ihn zu einem gefragten Mann. Sogar die Labour Party unter Tony Blair hofiert ihn und spannt ihn als Galionsfigur der Jugendkultur in ihre 1997er Wahlkampagne ein. Zwischen 1995 und 1998 wird Creation jeweils von der Music Week zum „Independent Label Of The Year“ ernannt.

Mit diesem Erfolg im Rücken veröffentlicht Creation in den folgenden Jahren weitere gefeierte Alben verschiedener Künstler, die allerdings nicht an den Erfolg von Oasis herankommen. Immer öfter machen nun Gerüchte über die Unzufriedenheit McGees über die Entwicklung des Labels die Runde. Ein persönlicher Höhepunkt ist die Heirat mit Kate Holmes von der Elektropop-Band Client, mit der er eine Tochter bekommt. Ende 1999 wird bekannt gegeben, dass Creation geschlossen wird. Das letzte Album, das die Plattenfirma herausbringt, ist Primal Screams „XTRMNTR“, das Goldstatus im UK erreicht. 2000 verkauft der Schotte die restlichen Anteilen an dem Label an Sony, für einen kolportierten Preis von 30 Mio. US-Dollar. In der Folge erscheinen zwei Bücher über die Geschichte von Creation Records, eines von David Cavanagh und eines von Paolo Hewitt, der auch schon das Oasis-Buch „Die Arroganz der Gosse“ schrieb.

Doch McGee bleibt weiterhin im Popgeschäft tätig und gründet im Anschluss an die Schließung von Creation ein neues Label, Poptones Records. Trotz Anlaufschwierigkeiten kann die Firma im zweiten Jahr nach der Gründung mit den Hives einen Platinerfolg verbuchen. Des Weiteren betätigt sich der Glasgower vor allem auf dem Immobilienmarkt. 2006 beginnt McGee für die Website des Guardian einen wöchentlichen Musikblog zu schreiben. Im Mai 2007 schließt der Schotte Poptones Records aus finanziellen Gründen, ein Jahr später zieht er sich vollständig aus dem Management-Geschäft zurück. Im Januar 2009 startet er mit Paul Brownell die Musik-Homepage toocooltodie.com, auf der vor allem aufstrebende, junge Künstler gefeatured werden.