Warum haben manche Bands Erfolg und andere nicht? Ein Frage, für deren Beantwortung es keine objektiv messbaren Kriterien gibt. Beispiel Burning Brides: Deren Debüt ‘Fall Of The Plastic Empire’, ein satter Bastard aus Metal, Pop und Garage-Anleihen, blieb vor zwei Jahren wie Blei in den Regalen liegen. Und das zu einer Zeit, in der ähnlich gestrickte Acts wie die Queens Of The Stone Age die Platinscheiben mit der Schubkarre nach Hause fuhren. Dimitri Coats jedoch ficht das alles nicht an. Solange Kollegen wie A Perfect Circle ihn und seine Band einladen, ihre Konzerte zu eröffnen, kann der gelernte Schauspieler ruhig schlafen. Über ein unerschütterliches Selbstbewusstsein verfügt er sowieso…

“Verkaufszahlen interessieren mich einen Dreck”, lügt Coats. “Ich weiß, dass diese Platte verdammt gut ist. Sie hat das Zeug zum Klassiker. Das sagt jeder, dem ich das Material vorgespielt habe. Vielleicht brauchen die Leute etwas länger, um unsere Musik zu schätzen und es wird eines dieser Alben, die erst nach Jahren entsprechend gewürdigt werden. Aber es wird geschehen.” “Dieses Album” ist das äußerst gelungene Zweitwerk ‘Leave No Ashes’; und mit seiner Meinung steht Dimitri tatsächlich nicht alleine. Da ist zum Beispiel Mark Lanegan, auf dessen letzten Album Coats und seine Frau und Brides-Bassistin Melanie Campbell gastierten. Laut Mark handelt es sich bei ‘Leave No Ashes’ um nicht mehr und nicht weniger als “als das bisher beste Rock-Album des Jahres, wenn nicht sogar der ganzen Dekade”. Wer den mit enthusiastischen Äußerungen sparsam haushaltenden Lanegan kennt, weiß: Sowas schreibt der nur, wenn er es auch meint. Die Rede ist hier wohlgemerkt von 2004. In den USA nämlich erschien das Werk bereits im letzten April. Und so ist Dimitri naturgemäß gedanklich schon wieder ganz woanders: “Die ersten beiden Alben nebeneinander zu stellen, ist wie Äpfel und Orangen zu vergleichen. Und nun sind wir schon wieder ein Stück weiter. Wir haben bereits einen Haufen neuer Songs, die völlig anders klingen als alles bisherige.”

Er und Melanie scheinen sich nach Stationen in New York und Philadelphia nun endlich dauerhaft niedergelassen zu haben. “Wir wohnen jetzt in L.A. Eines Tages schaute ich mir die Einträge in meinem Telefonbuch an und stellte fest, dass der Großteil meiner Bekannten hier ist. Wir sind dadurch einfach näher dran, treffen eine Menge Leute, es ergeben sich viel mehr Dinge. Karen O von den YeahYeahYeahs lebt ein paar Häuser weiter. Ich kann rüber gehen und mit ihr frühstücken. Jimmy Chamberlin (Ex-Smashing Pumpkins) ist ein guter Freund, er wohnt direkt in der Nachbarschaft. Wir haben ein hervorragendes Standing bei anderen Musikern. Audioslave, A Perfect Circle, diese Leute mögen uns und wollen unbedingt mit uns auf Tour gehen, weil sie die Qualität unserer Konzerte zu schätzen wissen. Und weil das so ist, bin ich sicher, dass wir das hier noch sehr lange machen können.” Auch ohne große Verkaufszahlen.

Text: Torsten Groß