250.000 verkaufte Einheiten von ‘The Futureheads’ liegen hinter The Futureheads. Die Vereinigten Staaten und das Königreich haben sie x-mal betourt, aber leider sind The Futureheads im Fahrwasser all der anderen neuen englischen Bands etwas untergegangen. Und das, obwohl ihr gleichnamiges Debüt nur so vor Originalität und Kraft strotzt.

Barry Hyde, Jaff, Ross Millard und Dave Hyde melden sich zurück. Vorweggenommen sei sogleich, dass ‘News And Tributes’ nicht mehr all zu viel mit dem Debüt gemein hat. Sich nicht mehr ganz so zappelig und aufgeregt wie ein Duracell-Häschen gibt und weiß, nun auch ruhige Töne anzuschlagen. Auf ‘The Futureheads’ konnte man nicht immer ausmachen, wer nun am Zuge war, die Vocals beizusteuern. Mehrstimmiger Gleichgesang avancierte zum Aushängeschild der Futureheads aus Sunderland. Genau wie ihr Akzent. ‘News And Tributes’ bringt Veränderungen mit sich, die Ross Millard und Jaff einen Tag vor ihrem Berlin Gig in einem Hotel näher skizzieren.

“Auf der neuen Platte kann man den Unterschied zwischen den Leadvocals und Backingvocals besser ausmachen. Auf der ersten Platte hat jeder einen kleinen Part übernommen, dann haben wir wieder alle zusammen gesungen. Man war sich nie sicher, wer gerade dran ist. Nun gibt es eine klarere Trennung. Man hört nicht mehr vier Stimmen. Wir waren nie eine Band, die einen Frontmann haben wollte. Darum singe ich einige Songs, Barry singt welche und das ist es, was die Futureheads ausmacht. Wir wollen es bloß nicht mehr so in den Vordergrund rücken und als eindeutiges Erkennungsmerkmal im Raum stehen lassen.”

Am darauf folgenden Tag beim ausverkauften Konzert ist dieses trotzdem alledem immer noch prägnant und macht die Band dadurch unverkennbar. Das vorgelegte Tempo der Jungs ist phänomenal. Ohne Luft zu holen spielen sie das Publikum an die Wand. Der Funke springt über. Selbst bei dem schlechten Sound und neuen Songs wie dem ruhigen ‘Burnt’. Eine leichte Verwunderung macht sich bei diesem Lied breit, die ihre Steigerung durch das fulminant krachende ‘Return Of The Beserker’ findet, das einem kaum mehr Luft lässt. The Futureheads trauen sich was und lösen sich langsam und allmählich von der New-Wave-Schiene los. Die Euphorie packt einen trotz alledem aber noch.

Auf einer Club Tour in UK spielten The Futureheads die komplette neue Scheibe. Gitarrist Ross Millard schickt gleich voraus, dass dies ein gewagtes Unterfangen war: “Auf dieser Tour haben wir jeden einzelnen neuen Song von ‘News And Tributes’ gespielt. Dies war wichtig für uns, um noch mehr Vertrauen in die neuen Songs zu bekommen. Wir hatten anfangs auch Bedenken. Man verlangt schon relativ viel vom Publikum, wenn man ihm zwölf vollkommen neue Songs vorsetzt. Es hätte einfach passieren können, dass die Leute sich langweilen oder immer zu die alten Songs fordern. Das ist Gott sei Dank aber nicht eingetreten.”

Zufrieden schauen Ross Millard und der Bassist Jaff ins anonym gestaltete Hotelzimmer, während Sänger Barry Hyde ein Nickerchen hält und sein jüngerer Bruder Dave Hyde einige Schritte entfernt gelangweilt in einer deutschen Zeitung blättert. Die Jungs sind zufrieden mit ihrer neuen Scheibe und hoffen, dass die Leute nun endlich aufhören über ihren Dialekt zu sprechen. Gäbe es nun doch auch die Arctic Monkeys, die im harten Sheffield-Dialekt ihre Lieder vortragen. Oder The Streets, die den Cockney-Dialekt pflegen und hegen.

“Uns haben die Leute angedichtet, dass wir ein großes Ding daraus gemacht hätten. Was wir nie verstanden haben. Wäre es nicht noch komischer gewesen, nicht in unserem Dialekt zu singen? Warum sollten wir die Art zu Singen ändern, nur um besser in ein Raster zu passen? Mittlerweile haben die Leute sich daran gewöhnt, und es wird kaum mehr angesprochen. Zudem kannst du das immer mehr in UK beobachten. Bands wie Maximo Park singen auch mit ihrem Akzent und verbiegen sich nicht. Vor fünf Jahren gab es das noch nicht so oft. Heute ist es beinahe schon normal.”

Während Jaff noch über seine letzten Sätze nachdenkt, gibt Ross zu, dass sie auf ihrem Debüt noch mit ihrem Dialekt gespielt bzw. experimentiert haben: “Es war wie ein Spiel für uns, Worte zu benutzen, die mit unserem Akzent anders und härter geklungen haben als z.B. mit einem amerikanischen Akzent. Es war auf jeden Fall sehr auffällig. Auf diesem Album arbeiten wir nicht mehr mit diesen Tricks, und das Wechselspiel zwischen uns Vieren existiert auch nicht mehr.”

Was ‘News And Tributes’ nicht schlechter macht. Während ‘The Futureheads’ gleich beim ersten Hören gezündet hat, so braucht ‘News And Tributes’ etwas länger. Nicht ganz so treibend fordern einen The Futureheads diesmal heraus. Diesmal geht man alles etwas ruhiger an, überzeugt aber immer noch auf voller Strecke.

Text: Tanja Hellmig