(Foto: Gavin Watson)

Merkt euch diesen Namen: The Amazing Snakeheads! Das Trio aus Glasgow haut mit seinem wahnwitzigen Mix aus Rock, Punk, Garage und Blues ordentlich auf die Kacke. Sie klingen ziemlich brutal und sehen auch ein bisschen böse aus. In unserem Gespräch waren die Schotten aber recht handzahm. Die wollen ja nur spielen!
Das Debut-Album der Schlangenköpfe erscheint am 11.04. und wird den Titel „Amphetamine Ballads“ tragen. Wir haben uns mit Sänger und Gitarrist Dale Barclay und Drummer Jordan Hutchinson über Image, Vampire und natürlich Rock'n'Roll unterhalten.
 

motor.de: Euer Debut kommt bald raus. Ihr seid sicher aufgeregt.

Jordan: Ja, wir sind total aufgeregt. Es hat lange gedauert und es ist das Resultat unserer harten Arbeit.

Dale: Wir sind sehr glücklich damit.

motor.de: Ihr werdet in eurer Heimat  schon ganz gut gehypt. Denkt ihr euch: „Geil, wir haben es geschafft!“ oder setzt euch das unter Druck?

Dale: Nein, das lässt uns vollkommen kalt. Da denken wir nicht drüber nach. Wir sind einfach glücklich, dass wir Musik machen können. Wir spielen Rock'n'Roll und das an unterschiedlichsten Orten.

Jordan: Da ist definitiv kein Druck.

motor.de: Also kein Problem mit den hohen Erwartungen?

Jordan: Nein, je mehr man von uns erwartet, desto besser werden wir!

motor.de: Und wenn es daneben geht? Habt ihr zur Not noch andere Jobs?

Dale: Ja, haben wir. Aber unser Ding ist es, Platten zu machen und Shows zu spielen. Alles andere ist unwichtig.

motor.de: Das Album wird den Titel „Amphetamine Ballads“ tragen. Erzählt mal! Besonders über das mit den Amphetaminen…

Jordan: Der Titel erklärt sich eigentlich von selbst. Da muss man eigentlich nicht so viel zu sagen. Wenn man es sich anhört, wird einem die Bedeutung des Titels klar.

Dale: Der Titel passt einfach zu den Songs. Es ist eine gute Symbiose.

motor.de: Schade, ich dachte, ihr habt vielleicht Lust ein bisschen aus dem Nähkästchen zu plaudern über eure Drogenerfahrungen.

Dale: Hört euch einfach das Album an. Darauf ist alles zu finden. Wir mögen es nicht, das Ganze tot zu reden.

(Foto: motor.de)

motor.de: Ist das dieses Ding, dass der Künstler nicht über seine Kunst reden möchte?

Dale: Ja, schon ein bisschen. Die Leute sollen sich selber ihre Gedanken zu der Musik machen. Wenn sie es mögen ist es toll, wenn nicht ist es auch gut. Es geht nur um die Musik und sonst nichts.

motor.de: Ist euch diese Geschichte mit dem Mythos um den Künstler wichtig?

Dale: Nein, ich denke das ist Bullshit. Sich selbst in den Vordergrund zu stellen, ist unproduktiv für die Kreativität. Wir sind einfach wir selbst und lieben es zusammen Musik zu machen. Wir tun einfach das, was wir lieben und das ist, was auch auf der Platte rüber kommt.

motor.de: Im Promo-Text heißt es, ihr seht aus wie ihr klingt. Wie wichtig ist Image für euch?

Dale: Jeder der ein bissschen was von Rock'n'Roll versteht weiß, dass gut aussehen einfach Teil davon ist. Chuck Berry, Elvis, James Brown. Die haben alle super Musik gemacht und sahen dabei auch gut aus. Es ist schon wichtig.

Jordan: Und ich denke, für das Publikum ist es auch wichtig. Ich persönlich bin es leid, Leute in abgetragener Kleidung und Jogginganzug zu sehen. Wenn ich zu einer Show gehe, dann spielt alles ineinander: Musik, Look und Lichter. Alles kommt zusammen.

motor.de: Wird man von euch je Bilder sehen auf denen ihr lächelt und euch umarmt?

Dale: Ich glaube nicht. Es würde einfach nicht passen. Wir mögen eigentlich keine Fotos von uns selbst. Es ist nicht so, dass wir keine hübschen Jungs sind…

Jordan: Aber wir sehen besser auf der Bühne aus!

motor.de: Ihr habt das Album größtenteils nachts aufgenommen. Einer der Songs heißt sogar „Nighttime“. Ihr seid vermutlich generell eher Nachtmenschen. Wann steht ihr für gewöhnlich auf?

Jordan: Kommt drauf an, ob wir arbeiten. Meistens um die Mittagszeit.

Dale: Es kommt nicht wirklich drauf an, wann man aufsteht. Es kommt drauf an, woran man glaubt und wir glauben einfach an Rock'n'Roll. Und der passiert nunmal eher nicht am Tag. Wir nehmen nachts auf, wir spielen nachts. Wenn es dunkel wird, das hat schon was.

motor.de: Wann seid ihr in Berlin angekommen?

Jordan: Letzte Nacht.

motor.de: Und seid ihr früh ins Bett gegangen?

Beide: Nein.

Jordan: Wir haben ein paar Künstler Freunde von mir besucht, hatten ein nettes Abendessen zusammen und haben uns ihre großartigen Bilder angeschaut. Wir hatten eine richtig tolle Zeit.

motor.de: Aber ihr seid nicht müde?

Dale: Nein.

Jordan: Wir waren brave Jungs bis jetzt.

motor.de: Plant ihr die Berliner Club-Szene noch ein bisschen auszuchecken?

Jordan: Würden wir gern, aber wir haben einen ziemlich straffen Zeitplan. Wir machen heute die Interviews und dann geht es erstmal zurück nach Glasgow.

Dale: Aber im Mai kommen wir wieder. Wir sind schon gespannt, was Berlin so zu bieten hat.

Jordan: Ich war schon ein paar mal hier und mir gefällt das Berliner Nachtleben. Und auch die Hausbesetzer-Szene ist interessant. Es sind einfach so viele spannende Menschen unter einem Dach. Ich liebe das.

motor.de: In der Hausbesetzer-Szene oder in Berlin generell?

Jordan: In Berlin generell, aber bei den Hausbesetzern insbesondere. Ich glaube die sind ja jetzt illegal… Ich weiß nicht mehr wo genau es war, aber es war fantastisch!

motor.de: Mir gefällt das Video zu „Here It Comes Again“. Wo habt ihr es gedreht?

Jordan: In einem Club in Glasgow, der „The Hummingbird“ heißt. Der Art Director Alan Parks hatte die Idee. Wir haben's ausgecheckt und fanden es passt gut zum Song.

Dale: Dir gefällt das Video?

motor.de: Ich liebe es! Du nicht?

Dale: Doch es passt schon. Wir sind zufrieden damit.

Jordan: Dafür, dass es an einem Tag gedreht wurde, ist es super geworden.

motor.de: An einem Tag?

Jordan: Ja, es ging schnell. Wir machen alles was wir tun schnell. Wenn man zu lange dran rumwerkelt, verliert es an Energie.

motor.de: Habt ihr ein paar Geheimtipps für uns, wo wir auf jeden Fall hingehen sollten, wenn wir das nächste Mal in Glasgow sind?

Jordan: Klar doch. Ich mag eine Kneipe, die sich „Variety Bar“ nennt. Da herrscht eine tolle Athmosphäre. Perfekt für einen Freitag Abend. Die Berkeley Street ist super um tanzen zu gehen. Da ist immer viel los. Es ist heiß und schwitzig. Da kann man auf jeden Fall Spaß haben.

motor.de: Irgendwo hab ich auch gelesen, dass ihr klingt wie Francis Begbies Band (Charakter aus Trainspotting, Anm.d.Red.) klingen würde. Was haltet ihr davon?

Dale: Das ist total beleidigend.

motor.de: Dacht ich mir. Der Typ ist ja auch ein Psychopath.

Dale: Das ist eine echte Beleidigung. Wie du sagst, er ist ein verfickter Psychopath.

Jordan: Er hat überhaupt keine Eigenschaften, die das abmildern.

motor.de: Wisst ihr wo das herkam?

Dale: Von unterschiedlichen Leute.

Jordan: Da kommen immer wieder diese Trainspotting-Vergleiche. Das ist die Faulheit der Journalisten. So nach dem Motto: Hier ist eine schottische Band, lasst sie uns mit einem schottischen Film vergleichen. Ich finde das ziemlich schwach.

motor.de: Hat euch das mal jemand ins Gesicht gesagt?

Jordan: Das soll sich mal einer trauen…

Dale: Das ist einfach ein blöder Vergleich. So sind wir nicht.

Jordan: Nicht, dass es kein guter Film ist.

Dale: Ich find ihn scheiße.

motor.de: Ich hab auch gelesen, dass eure Musik klingt wie Glasgow bei Nacht. Also, wie ist Glasgow in der Nacht denn so?

Jordan: Es geht ein bisschen um Dinge, die man nicht sieht, aber die da sind. Was sich so im Schatten verbirgt.

Dale: Es ist einfach eine gesunde Umgebung für Musik. Glasgow hat's auf jeden Fall auf die Platte geschafft. Auch wenn es keine bewusste Entscheidung war. Wir haben ja auch in Glasgow aufgenommen.

Jordan: Besonders für die erste Platte war's gut. Es ist definitiv eine Glasgow-Platte. Und das sollte man auch raushören – hoffentlich. In der Zukunft, wenn wir ein bisschen mehr rumgekommen sind, wird sich das vielleicht ändern.

motor.de: Einer eurer Songs heißt „I'm a Vampire“. Wenn ihr so durch die Literatur- oder und Filmgeschichte schaut, was für ein Vampir wärt ihr dann? Vielleicht einer von diesen Twilight Vampiren, die in der Sonne glitzern?

Dale: Nosferatu!

motor.de: Warum?

Dale: Er sieht am besten aus.

motor.de: Es gibt so viele großartige Bands auf diesem Planeten. Was unterscheidet euch von all den anderen?

Dale: Keine Ahnung.Unsere Musik spiegelt uns wieder. Das Leute uns mögen wird damit zu tun haben, dass wir einfach versuchen ehrlich zu sein. Es gibt keine Lügen. Wir verstecken uns nicht. Wir sind hier, spielen Rock'n Roll. Und mehr kann man eigentlich auch nicht verlangen.

Jordan: Ich hoffe, es kommt einfach rüber, dass wir ehrlichen Rock'n'Roll machen.

Dale: Wir lieben einfach die Musik, die wir machen.

motor.de: Ich freu mich schon drauf auch auf der Bühne zu sehen. Wann kommt ihr nach Berlin?

Dale: Wir spielen am 28. Mai im Bi Nuu.

motor.de: Auf der Platte klingt ihr so wie ich mir euren Live-Sound vorstelle.

Jordan: Ich denke wir haben den Live-Sound ganz gut eiunfangen können.

Dale: Kommt am besten und seht es euch live an! Wenn's Euer Ding ist, great!

Jordan: Es ist so großartig in diesen vielen tollen Städten zu spielen.

motor.de: Wo geht’s denn überall hin?

Jordan: Durch ganz Europa. Und einige Festivals in Großbritannien und Irland. Belgien, Frankreich… Überall!

Dale: Das ist der Grund, warum wir in einer Band sind. Wir wollen Shows spielen.

motor.de: Habt ihr keine Angst, dass ihr euch auf Tour gegenseitig auf den Keks gehen werdet?

Dale: Nein. Wir sind beste Freunde!

Jordan: Wir haben vorher schon viel Zeit miteinander verbracht.

Dale: Wir waren auch befreundet bevor wir die Band gegründet haben.

Jordan: Wir kennen schon die schlimmsten Seiten voneinander.

Dale: Wir freuen uns drauf. Wir sind für jeden Scheiss zu haben, glücklich, dass wir eine Band haben. Das kann nicht jeder machen. Ist einfach verdammt großartig!

 

Juliane Haberichter
Vera Jakubeit