Sandy Koufax hat mit Musik nichts zu tun. Es ist auch nicht der Mädchenname von Robert Suchans Mutter, sondern der Name eines Baseballspielers (Brooklyn Dodgers) in den Sechzigerjahren. So einfach lassen sich die Dinge manchmal erklären, doch die Thematik mit der sich der junge, bärtige Halbtscheche derweilen beschäftigt, schlägt weitaus größere Wellen, und sein drittes Album „Hard Times Are In Fashion” erzählt ein Stück davon.

Es ist 12.00 Uhr in Kansas City, als Robert Suchan ans Telefon geht. Freundlich beantwortet er alle Fragen, und eigentlich hat er so viel zu berichten, dass die anberaumte halbe Stunde vorne und hinten nicht reicht. Allein die Antwort auf die Frage nach der häufig wechselnden Bandbesetzung ist eine lange Geschichte, die kurz gefasst etwa so lautet: „Koufax ist eine Independent-Band, und da stimmt leider das Geld oft nicht. Ich kann es den Leuten nicht verübeln, wenn sie sich entscheiden zu gehen, weil man sehr viele Opfer bringen muss. Wenn es also darum geht, auf Tour zu gehen, und ein Mitglied arbeiten muss während der Zeit, dann kommt eben jemand anderes mit. Wenn man älter wird, dann wird es auch immer schwieriger, Leute zu finden, die dazu bereit sind, 2-3 Monate im Jahr zu touren.” Auch bei den Get Up Kids war man sich nicht einig über den Umfang der öffentlichen Präsenz, und so fand deren Zusammenarbeit ein jähes Ende. Seitdem spielen die Pope Brüder Ryan und Robby bei Koufax nicht nur an den Instrumenten eine entscheidende Rolle: „Es läuft sehr gut, denn es macht immer Spaß mit neuen Leuten zu spielen, und wir sind schon so lange Freunde. Manche Songs bekamen ein schnelleres Tempo als wir sie mit Rob und Ryan einspielten. Mit unserem alten Drummer klang das alles sehr nach Motown und nicht Rock`n´Roll.” Ein Schelm, der dabei an Emo denkt, denn „Hard Times Are In Fashion” ist eine reine Popnummer. Diese Tatsache wurde auch zum Problem mit der alten Plattenfirma Vagrant, die gegründet von Mitgliedern der Get Up Kids ein reines Emo-Label ist. Damit die Vermarktung – gerade im Ausland – besser läuft, entschloss man sich im letzten Jahr, in beiderseitigem Einvernehmen den Vertrag aufzulösen. Ans Aufhören dachte Robert zu dieser Zeit ganz und gar nicht und nutzte die Zeit ohne Vertrag und somit ohne Deadline sein neues Album fertigzustellen.

In Prag entstand das meiste Material: „Ich liebe Prag. Mein Vater ist Tscheche und hat dort mit seinem Bruder ein Apartment, wo ich dann ein paar Wochen war. Ich habe damals in Detroit, einem nicht sehr schönen Teil Amerikas gelebt, und als ich in Prag war, schrieb ich viel darüber, wie merkwürdig es ist, derzeit in Amerika zu leben. Die Menschen werden das vielleicht nicht verstehen, aber diejenigen, die ehrlich mit sich sind, die werden wissen, was ich meine.” Der Song „Colour Us Canadian” steht exemplarisch für die Message hinter der Platte: „Wenn man als Ami verreist, dann hörst du überall dieselben Sachen. ‚Oh ich hasse Amerika!’ und eigentlich bin ich ihrer Meinung. Also sehen wir es mehr als Scherz, wenn wir uns wünschen, Kanadier zu sein. Ich meine, dort gibt es auch ein viel besseres soziales Netz, und die meisten Leute hier haben Angst, sie müssten in den Krieg ziehen. Der größte Unterschied ist allerdings ein kultureller. Wir sind jetzt an einem Punkt, an dem es heißt ‚Entweder ihr seid für oder gegen uns!’ Die ganze Atmosphäre ist also sehr gespalten und aufgeladen. Die Platte macht aber keine große politische Aussage, wenn es darum geht, andere aufzufordern etwas Bestimmtes zu tun. Ich beschreibe mehr den Zeitgeist, der gerade herrscht, und der ist so, dass die politischen Lager sehr gespalten sind, und du fragst dich, warum nicht jeder einfach logisch und rational an die Sache herangehen kann. Die Leute trauen sich nicht, offen über Politik zu sprechen, während man das in Europa durchaus tut.”

Wie schwierig es ist, etwas zu bewegen, hat Robert als eine Art Aushilfslehrer an amerikanischen Schulen bereits hautnah erlebt: „ Ich habe letztes Jahr an einer amerikanischen Schule ein paar Kids unterrichtet, und es war unglaublich, wie desinteressiert sie waren. Ich habe mit unterschiedlichsten Dingen, wie mit einem französischen Cartoon, versucht, sie zum Nachdenken anzuregen, aber denen war alles egal. Warum etwas lernen, wenn man damit sowieso nirgends hinkommt? Man profitiert mehr davon, gehorsam zu sein, als sich kritisch zu äußern, als wenn man dafür bestraft werden würde.”

Es sind allerdings noch einige Jahre bis sich zumindest die politische Situation ändern kann. So lange will Rob nicht warten: „Ich werde nicht mehr lange hier bleiben. Ich habe es satt. Meine Mutter und meine Schwester leben zwar noch hier, aber ich denke immer öfter darüber nach, die Staaten zu verlassen. Die Kultur in Europa hat viel mehr für mich zu bieten. Das einzige Problem ist die Sprache, obwohl ich bereits versuche tschechisch zu lernen.” Ahoi!

Text: Ines Nurkovic