Drei junge Berliner die sich nicht davor scheuen ihre alten Analog-Synthesizer und Sampler in den einschlägigen Berliner Technoclubs aufzubauen und den verstörten Ravern das Basteln beizubringen. Wenngleich ab und an four-to-the-floor parodiert wird, sind es doch mehr die Melodien und Elektrobeats, die diese Band ausmachen. Im Juni 2003 starb Karl bei einem tragischen Verkehrsunfall, und wie Explosionsgefahr standen auch Ampl:tude vor dem Aus. Nach einem nachdenklichen Sommer und vielen Überlegungen fand man sich zu viert im Proberaum-Wohnzimmer zusammen und bastelte wieder weiter. Conrad, Phil und die Gebrüder Ruthenberg machen Tanzmusik für gute Menschen.

Rückt dichter zusammen und macht Platz für die Band. Bereitet Sinne und Nerven vor. Mit »auf hören«, ihrem zweiten Album, fahren Ampl:tude sanft und fetzig schnell und ab und in dich ein. Die elektronikfrickelnden Gitarrensympathisanten kombinieren Stromrhythmen, störrische Samples, zahnbewehrte Wellenformen und grandiose Harmonie mit geschickten Schnitten und ein wenig Klebstoff zu einem einzigartigen, einzigartig schönen Stück Popmusik. Ihre Heimat ist der Weltraum. Ihr Zuhause ist dein Herz.

Im Zweifelsfall sind Ampl:tude eben lieber Josh Baskin auf dem Riesenklavier als Kraftwerkimitate hinter Laptopimitaten. Sie holen ihren Liebsten lieber Blumen aus dem All als Teflon oder so. Und schreiben Lieder für Herzen, für Beine, für Lasertortenschlachten und die Autobahnpolizei. Scherenschnitt trifft Tanzmusik. Viervierteltakt trifft ewigen Moment. Und am Ende kriegt das Auto Flügel und hebt ab.

So geht die schöne Rückkehr. mit ihrem dritten Album lassen sich Ampl:tude erneut bei Sinnbusrecords blicken. Erneut drücken sie auf Bastelklangtuben, erneut setzen sie Strom und Harmoniefreude zu feinem Elektroklingklang zusammen. schnell und lebendig im eigenen Studio aufgenommen, glänzt »der Igel an der Orgel«mit sparsamer Diskohaftigkeit, freundlichem Wellenformquietschen, Top Fun und Kleiner Katze. das ganze rumpelt, zittert und feiert.

Ausgelassenes Dancefloorhalligalli und privatimen Topmoment in einem Atemzug, Stromcoregedöns und Lieblichkeit im selben Raum. »Der Igel an der Orgel«, so nennen sie ihr drittes Album. Und zum dritten Mal entlocken sie hier einem verträumten Instrumentenpark Ideen, Klänge und Lieder, die in alle Himmelsrichtungen und doch bestens Hand in Hand gehen. Keyboard, MS20, Piano, Rechner und Geräusch denken laut und gemeinsam über das Leben, die Musik, freundliche Tiere und das dichte Zusammenrücken nach. Und gehen dann mit den Gedanken tanzen.

Der Nintendopapst im Ohrensessel. Der Trancenation-Couchtisch. Ampl:tude bringen Zeug und Zeug zusammen. Und statt der Breitwandigkeit von »Auf Hören« regiert hier ein charmantes Hingeworfensein, eine liederliche Leidenschaft, die den Hits und Superstücken Herz und Seele gibt. Zwischen freundlicher Hausmusik und hibbeligem Clubverweis britzelt Spannung, die sich schließlich in vielen schönen Funken entlädt. Ob Auge, Ohr und Tanzbein dann lieber die eröffnend schiefliegende Presetparty »Onkel Uhu ist Krank«, die trügerische Neuer-Morgen-Idylle von »Darin ist er der Größte«, die überraschenden »Top Fun« Puschen oder die kleine Timbaland-Katze feiern, sollen sie unter sich ausmachen.

Zbigniew Libera am Spielzeugklavier. Ampl:tude verstecken Geschichten und Geschichte zwischen Beat und Synthiesäge. Der Referenzpool der vier Vier verbirgt Untiefen unter ansehnlicher Klarheit, und weder das Fehlen von Signalfarben noch der Verzicht auf die dicke Sendungsbewusstseinshose macht sie weniger tückisch. Und dann und doch sind sie auch immer wieder die gute, freundliche Tüftelband, die Lone Gunmen im Vierviertelboot, die dich am Haarschopf aus dem Referenzmeer ziehen und mit freundlichem Klaps auf die Tanzfläche schicken.

sinnbus