Touren, touren, touren, Album, Album – So die Kurzbeschreibung der Aktivitäten von An Horse in den letzten zwei Jahren. Im Interview stand das Duo ausführlich Rede und Antwort.

„Eine Horde Häftlinge zur Strafe ins tropische Paradies schicken? – Clevere Idee, eure Majestät!“
, scherzt Kate Cooper beim Konzert ihrer Band An Horse über ihre Heimat. Sie und ihr Compagnon Damon Cox, mit dem sie einst in einem Plattenladen arbeitete, sind jedoch kaum noch im „tropischen Paradies“ Australien anzutreffen. Seit Tegan Quin die beiden vor zwei Jahren mit auf Tour nahm, sind An Horse eine Art Global Player im Musikzirkus und haben mit ihrem 90er-Jahre Emorock irgendwo zwischen Jimmy Eat World und ihren Entdeckerinnen Tegan And Sara nicht nur das Vorprogramm namhafter Kollegen versüßt. Bevor am 13. Mai das Nachfolgewerk von „Rearrange Beds“ erscheint, reisten Kate und Damon durch die Republik und stellten dem deutschen Publikum bereits einige Songs von „Walls“ vor. Das Konzert in Halle ist die vorletzte Station der Tour zum neuen Album. Auf einer Terrasse sitzen am Nachmittag schließlich zwei extrem müde Australier mit fahler Blässe im Gesicht und Schalk im Nacken in der Aprilsonne und stellen sich im motor.de-Interview Fragen zur kommenden Platte und ihrem rasanten Bandleben.

motor.de: Wie war denn eure zweite Headlinertour durch Deutschland bis jetzt?

Damon Cox: Sehr cool.
Kate Cooper: Die Leute waren teilweise sehr enthusiastisch, aber auch höflich. Teilweise sind sie komplett ausgerastet. Das ist wundervoll.

motor.de: Euer zweites Album erscheint erst noch, bei den Konzerten habt ihr aber schon neues Material gespielt, oder?

Damon: Die Reaktionen waren ziemlich gut.
Kate: Es ist immer ein wenig angsteinflößend, neues Zeug zu spielen. Aber alle schienen darauf aufzuspringen, das ist nett.
Damon: Viele Leute schienen begeistert von den neuen Songs. Naja, das Album ist ja auch toll.

motor.de: Worauf können wir uns denn einstellen?

Damon: Es ist natürlich viel besser als das erste.

motor.de: …das behaupten die Bands bekanntlich immer!

Damon:
Natürlich, das hofft man ja auch.
Kate: Aber manchmal will man doch auch, dass eine Band sagt: „Ouhh, das neue Album ist ziemlich schrecklich!“, wenn es doch so ist.
Damon: Stimmt.
Kate: Oh lass uns in die Tiefe gehen!
Damon: Also, „Walls“ geht ziemlich weit vom ersten Album weg. Allein schon die Produktion war viel dicker, wir haben unser Songwriting weiterentwickelt, es ist größer.
Kate: Bessere Songs und bessere Sounds. In drei Worten: Way better, Yeah! (lacht)
Damon: Rock and Roll sind die drei Worte. (lachen)
Kate: Oh du lachst uns aus!

motor.de: Ihr scheint sehr zufrieden damit zu sein.

Damon: Ja, Moms will like it.

An Horse – “Trains and Tracks”

motor.de: Welche Themen habt ihr auf der Platte bearbeitet?

Kate: Wir haben die letzten zwei Jahre auf Tour irgendwie zusammengefasst – Themen sind zum Beispiel von den Menschen, die man liebt, entfernt zu sein, oder auch Frustration und solche Sachen. Ich möchte aber nicht zu tief gehen. Die Leute sollen sich aus dem Album heraus nehmen, was immer sie damit in Verbindung bringen wollen. Wahrscheinlich geht es für mich auf „Walls“ komplett um andere Dinge, als für Damon oder für dich.
Damon: Jeder kann sich etwas heraus nehmen. Manchmal lese ich völlig neue Interpretationen der Songs, an die ich überhaupt nicht dachte. Deshalb ist es gut, es dabei zu belassen und nichts vorzuschreiben. Distanz und Beziehungen sind wohl die größten Themen.

motor.de: Erzählt doch ein bisschen vom Entstehungsprozess.

Damon: Es wurde letzten Sommer in Vancouver, Kanada, geboren. Nachdem wir zwei Jahre mit dem ersten Album nur unterwegs waren, nahmen wir es schließlich auf. Diese zwei Jahre waren voll gepackt mit Höhen und Tiefen. Also war es gut, mal runter zu kommen und sich auf etwas anderes zu konzentrieren. Das ist eigentlich alles dazu.
Kate: Vancouver ist eine wundervolle Stadt, sehr entspannt.
Damon: Es war auch gut, das Album mit Howard aufzunehmen, den ich jetzt einen Freund nennen würde. Einfach mal zuhören und still zusitzen, tat gut.
Kate: Aber es war aber kein Stillsitzen. Wir haben hart gearbeitet.
Damon: Aber ich meine das so, dass es gut war auch mal länger an einem Ort zu bleiben und runter zu kommen für fünf Wochen oder so.

An Horse – “Dressed Sharply”


motor.de: Beim ersten Song, „Dressed Sharply“ spielt Sara von Tegan and Sara Keyboard. Gibt es noch andere Kooperationen?

Damon: Eine Freundin von uns, die in der Band Telekinesis spielt, hat auf der Platte einen Teil des Hintergrundgesangs gemacht.
Kate: Wenn Leute involviert werden wollen, freut uns das total. Wenn Neil Young oder Kurt Cobain anrufen würden, das wäre cool. (lachen)

motor.de: Ich finde, dass es ein ziemlich kurze Zeit ist: Nur ein Jahr nach der ersten Platte und konstantem Touren schiebt ihr gleich eine zweite hinterher.

Kate: Ja, das stimmt, aber technisch gesehen hatten wir mehr Zeit. Es kam in Deutschland viel später heraus als in der restlichen Welt. Wir waren bereit dafür. Im Oktober oder November 2009 hab ich mit dem Schreiben begonnen und war im folgenden Sommer fertig damit. So gesehen ist das eine lange Zeit.

motor.de: Überall lese ich, ihr wärt mittlerweile in die USA gezogen…

Kate: Lügen! Ich lebe der Liebe wegen mittlerweile in Toronto.
Damon: Und ich in Melburne. Aber wir haben viel Zeit in den Staaten verbracht und deshalb kann das schon passieren, dass das viele Menschen glauben. Wir hatten auch eine Weile darüber nachgedacht, dort zu leben.

motor.de: Wie könnt ihr über so eine große Entfernung zusammen arbeiten?

Kate: Wir leben gar nicht so weit voneinander entfernt. Theoretisch schon, aber wir sind so oft zusammen auf Tour. Die längste Zeit, die wir uns in den letzten drei Jahren nicht gesehen haben, waren acht Wochen. In einer neuen Umgebung zu leben, neue Freunde kennen zu lernen und solche Sachen, hatten einen großen Einfluss auf unsere neue Musik. Alles fühlt sich frischer an.
Damon: Die Entfernung ist also kein Problem. Dadurch, dass wir sowieso fast immer zusammen sind, müssen wir auch nicht üben und brauchen keinen Proberaum.

motor.de: Ihr habt als eine Feierabend-Band begonnen, dann kam die EP und das große Touren mit Tegan and Sara und Death Cab For Cutie und nun zwei Alben. Ihr scheint, eine Art Global Player geworden zu sein. Wie geht ihr mit der Geschwindigkeit um?

Kate: Es erscheint uns sehr langsam.
Damon: Ich glaube, das ist so, weil wir für so viele Jahre in anderen Bands vorher gespielt haben. Damit verglichen, haben wir in der kurzen Zeit, die es An Horse gibt, schon sehr viel erreicht.
Kate: Wir waren immer beschäftigt, haben an Sachen gearbeitet und selbst über das neue Album haben wir schon 18 Monate geredet, bevor wir das überhaupt aufgenommen haben. Und 18 Monate sind schon eine ziemlich lange Zeit. Aber ich verstehe schon, dass das für die Außenwelt sehr schnell und verrückt zu sein scheint. Das alles war nicht geplant und passierte nur zufällig.
Damon: Es ist immer interessant, ein Feedback zu bekommen und zu sehen wie unterschiedliche Menschen reagieren. Es war ein glücklicher Zufall, wie alles gekommen ist.
Kate: Wir sind so froh darüber, die ganze Welt zu sehen. Wir lernen coole neue Leute kennen, wir essen leckeres deutsches Essen und trinken deliziöses deutsches Bier.

Motor.de: Ach kommt schon – wieder ein Klischee: Das muss wohl jede Band über Deutschland sagen, oder?

Kate: (lacht) Es ist doch das einzige Land in der Welt, wo du als Band so gut behandelt wirst.
Damon: Definitiv! Viel besser als anderswo, das ist verrückt. Vielleicht weil Musik hier sehr respektiert wird.
Kate: Das ist eure Kultur, ihr seid sehr organisiert.

Motor.de: Was sind eure Pläne für 2011, sehnt ihr euch nach einer kleinen Pause?

Kate: Viele Shows spielen, neue Fans gewinnen, das Album zum Laufen bringen. Vielleicht schaffen wir es, im Juli ein bisschen Pause zu machen.
Damon: Wir gehen wieder nach Nordamerika und touren weiter, dann Australien, Kanada und wieder nach Deutschland.

Interview: Julia Kindel