“You´ve been to our shows, you´ve sung our songs, now go to a fucking protest!”

Der Song dieses Namens beschreibt Anti-Flag zwar wenig ausführlich, ist dafür aber umso direkter. Er entsteht am Vortag der weltweiten Protestmärsche gegen den Irak-Krieg unter denkbar ungünstigen Vorzeichen: Während George W. Bush von den USA aus jeden Tag finsterere Kriegsandrohungen in die Welt hinausbellt, platzt den Bandmitgliedern, die gerade in Deutschland unterwegs sind, der Kragen. Sänger und Gitarrist Justin Sane hat ein paar Minuten später Ingo von den Donots an der Strippe, und schon am nächsten Tag wird die Aufforderung zur öffentlichen Unmutsbekundung innerhalb von vier Stunden aufgenommen. Man kann sich den Song mit diesem prägnanten Namen auf der Webseite beider Bands anhören.

Dieses Kapitel aus der Geschichte von Anti-Flag zeigt genau, was die Band ausmacht: Wenn einem was nicht passt, nicht lang fackeln, raus damit und auf die Straße, andere Leute mit den gleichen Idealen finden und Kriegsherren zeigen, dass man eine Stimme hat, die gehört werden will – und die verdammt viel zu sagen hat.

Anti-Flag steht für Frieden, Freiheit und das Überwinden von Rassismus, Nationalismus, Sexismus und gegen die Lügen der Politiker, denen Geld wichtiger ist als das Volk.
Die Energie, sich für diese Ziele einzusetzten, haben viele Menschen nicht – ganz im Gegensatz zu den vier Jungs von Anti-Flag, die sich neben ihrer musikalischen Tätigkeit für Amnesty International, PETA, Military Free Zone, Underground Action Alliance u.v.a. engagieren. Und wie könnte man diese Energie besser darstellen, als in ebenso wütenden wie witzigen Punkknallern?

Schon seit 1988 spielen die Freunde 

Pat Thetic (Drums) und Justin Sane (Gesang und Gitarre) zusammen Punkrock in ihrer

Heimatstadt Glenshaw, Pittsburgh, Pennsylvania. Dort kann man laut Justin nichts anderes machen als „either hanging out at the mall, getting fucked out of our minds on drugs, or attempting to play punkrock”. Dass sich die Jungs für das Richtige entschieden haben, ist offensichtlich.

1994 wird Anti-Flag mit einem anderen Punker am Bass gegründet, ein paar 7’Inches werden veröffentlicht und lokale Shows gespielt, aber nachdem 1997 die LP „Die For The Government“ erscheint, wird die Szene in Pittsburgh zu klein für sie und die Band spielt sich mit Hilfe befreundeter Punkbands quer durch die USA. Die Besetzung am Bass wechselt ständig und die Band wird letztendlich auf einer Tour durch einen Fan von drei auf vier Mitglieder aufgestockt. Mittlerweile besteht die feste Besetzung aus Chris #2 am Bass, Chris Head an der zweiten Gitarre und natürlich Pat und Justin.


1999, als „A New Kind of Army” auf Go Kart Rec. veröffentlicht wird, werden Rage Against The Machine und insbesondere Tom Morello auf Anti-Flag aufmerksam und nehmen die Band mit auf die „Battle of Los Angeles“ Tour. Dadurch kommt dann auch der große Durchbruch: Das Album verkauft sich unerwartet gut, und das Label A – F Records wird gegründet. Auf der Warped Tour 2000 lernen sie Fat Mike von NOFX kennen, der sie einlädt, ihr nächstes Album „Underground Network“ auf seinem Label Fat Wreck Chords zu veröffentlichen. Anti-Flag nehmen das Angebot gerne an und es entsteht ihre bis dato beste Platte, was Songwriting und Recording betrifft.

Ihre nächste Platte „Mobilize“ eine Mischung aus Studio- und Livealbum, bringen sie dann auf ihrem eigenem Label A-F Rec. heraus. Danach touren sie auch in Europa, unter anderem mit den Donots. Die Warped Tour 2002 läuft natürlich auch nicht ohne Anti-Flag. Im Oktober 2003 erscheint ihre von Tom Morello produzierte sechste Platte „The Terror State“ auf Fat Wreck, die auf die Szene in den USA großen Eindruck macht. Die tiefe Überzeugung der Band, dass die Kriege in Afghanistan und im Irak ungerechtfertigt und unmenschlich sind, macht „The Terror State“ zu einem der Stützpfeiler der Antikriegsbewegung in den USA.

2004 kommen Anti-Flag wieder nach Europa, um mit Darkest Hour und Pipedown eine Headlinertour und bei der Deconstruction Tour mit u.a. Pennywise und den Beatsteaks zu spielen. So machen sie immer wieder die Erfahrung, dass sie nicht nur von den nordamerikanischen Kids unterstützt werden, sondern von den europäischen mindestens genau so.

Als es dann zum Wahlkampf in den USA kommt, beteiligen sie sich an Fat Mikes Punkvoter-Kampagne, indem sie bei der Rock against Bush Tour auftreten. Und obwohl die Mehrheit der Wähler entscheidet, dass die Politik der Angst und des Hasses noch vier Jahre fortgeführt werden soll, geben Anti-Flag nicht auf, sondern sagen der aktuellen amerikanischen Demokratieauffassung weiterhin den Kampf an.

2005 dann unterschreibt die Band ihren ersten Major-Deal mit dem US-Label RCA.
Im Sommer des Jahres kehren sie nach Europa zurück, um sechs Auftritte mit den Toten Hosen, Festivalgigs auf dem gesamten Kontinent und einige Konzerte als Headliner zu spielen. Direkt danach gehen sie nach Los Angeles, um ihr nächstes Album aufzunehmen und spielen im Oktober noch ein paar Shows mit Green Day und Bad Religion.

2006 heißt ihr neues Werk „For Blood and Empire“ und erscheint exakt am 17.03.2006 und führt  den bewährten Stil fort. Begleitet wird der Release von einer Europatour (Dates siehe unten), auf der es wie gewohnt heftig zur Sache ging.

2008 – New York, NY – Die Polit-Punk-Ikonen Anti-Flag releasen ihr neues Album „The Bright Lights Of America” am 28.03.08 auf RED INK Germany. „The Bright Lights Of America” ist ihr siebtes Studioalbum. Das Album wurde in den Sainte-Claire Studios in Lexington, Kentucky mit Produzentenlegende Tony Visconti aufgenommen. Seit seiner Arbeit mit T-Rex, David Bowie, Thin Lizzy und Morrissey wird Visconti weltweit dafür geschätzt und verehrt, den Klang der Rockmusik nachhaltig verändert zu haben: mit einem Sound, der viele Bands beeinflusst hat und auch heute noch unzählige prägt. Visconti war so fasziniert von Anti-Flags lyrischen Bildern und ihrer sozialen Perspektive, dass er Anti-Flag als sein erstes Punkrock-Projekt auswählte. Bereit für eine neue klangliche Herausforderung und mit einem tief empfundenen Respekt und Dank für Tonys Arbeit in der Vergangenheit, begaben sich die Band und Tony im letzten Jahr gemeinsam ins Studio. Aus der bahnbrechenden Konstellation dieser beiden besonderen Kräfte entstand „The Bright Lights Of America“, Anti-Flags ausgereiftestes und vielseitigstes Werk bis dato.

Der Klang und die Attitüde dieses neuen Albums wird alle stereotypen Anti-Flag-Erwartungen übertreffen. Ein neuer Atem wurde ihrem aggressiv-singenden, gitarrengetriebenen Sound eingehaucht, mit dem ihre Hardcore-Fans einst groß geworden sind. In ihren neuen Songs „The Bright Lights Of America“, „Vices“ und „We Are The Lost“ betreten sie nun bisher unbekanntes Terrain, indem sie sich mit Themen emotionaler Aufruhr und persönlicher Einsicht befassen, die bei neuen wie auch ihren alten Fans gleichermaßen auf Resonanz stoßen werden. Sowohl ihr Sound als auch ihre Sichtweisen haben sich ausgeweitet, aber ihre Ideologie ist nach wie vor absolut intakt! Während in diesem US-Wahljahr die Politiker weiterhin bloß rhetorische Floskeln auftischen, servieren Anti-Flag ihren treffenden Doppelschlag aus Desillusionierung und politisch aufgeladener Wut. Auf „No Warning“ und „Good And Ready“ hält die Band sich in ihren aufrührerischen Bemerkungen über den aktuellen Stand der Punk-Community und einer blutdürstigen Gesellschaft zu keiner Sekunde zurück.

„Musikalisch und lyrisch ist ‚The Bright Lights Of America’ die persönlichste Platte, die wir jemals geschrieben haben. Seit vielen Jahren haben wir über das Drumherum und die Ungerechtigkeit des kapitalistischen, korrupten Staates geschrieben. Mit dieser Sammlung von Songs sind wir nun einen neuen Weg gegangen. Einen Weg der Hoffnung und einen Weg, der voller Veränderung ist, die wir als Individuen schaffen können.“ Justin Sane, Anti-Flag

Im Laufe der letzten zehn Jahre haben sich Anti-Flag unermüdlich und konsequent für eine Haltung des politischen und sozialen Wandels stark gemacht. Sie haben wichtige und herausfordernde Fragen in Angriff genommen, die beide politischen Seiten betreffen, sowohl die Linke als auch die Rechte. Aber Anti-Flag schreiben nicht einfach nur Songs über die Probleme, denen sich die Gesellschaft zu stellen hat, sondern sie agieren auch, um Veränderungen ins Rollen zu bringen und im Zuge dessen auch ihre Fans zu ermutigen, dasselbe zu tun. Im letzten Jahr allein haben sie 10.000 junge Wähler mobilisiert, Gelder akquiriert, um Wasserbrunnen in Afrika zu errichten und instand zu halten und eine Charity-EP „A Benefit for Victims of Violent Crime“ auf ihrem eigenen Label AF RECORDS veröffentlicht, dessen Erlös an „The Center For Victims Of Violence and Crime” (www.cvvc.org) sowie an Bildungseinrichtungen ging.

Anti-Flag beginnen 2008 mit einer Tour durch Australien, wo sie auch einen Auftritt beim legendären Big Day Out Festival (Headliner ist Rage Against The Machine), sowie zwei separate Shows mit Rage Against The Machine spielen. Von dort aus wird die Band dann auf eine knapp einmonatige Tour durch Europa und das Großbritannien gehen, wo sie u.a. auch neben den Kritikerlieblingen Gallows das NME Brats-Lineup komplettieren. Und: Anti-Flag werden zum ersten Mal in ihrer Bandgeschichte ihren Sound und ihre Botschaft in Russland vorstellen, wo sie zwei Konzerte in Moskau und St. Petersburg spielen werden.