Dass sie so schnell nachlegen würden, das hätten dann doch die wenigsten erwartet! Genau 15 Monate nach der Veröffentlichung des Debütalbums “Whatever People Say I Am That’s What I’m Not” steht mit “Favourite Worst Nightmare” jetzt das neue Album der Arctic Monkeys in den Startlöchern.

15 Monate – das ist im Pop-Geschäft wahrlich keine Zeit, um sich wirklich neu zu erfinden oder gar zu justieren. Im Leben einer vierköpfigen Band aber, deren Durchschnittsalter gerade einmal 21 Jahre beträgt, dürften diese 15 Monate für reichlich Kopfkirmes gesorgt haben. Zwischen Kritikerlob, Fanliebe und Dauertour haben die vier Indie-Insel-Affen irgendwie auch noch Zeit gefunden, ein neues Album aufzunehmen – Zeit zum Innehalten hatten die vier Sheffielder nicht. Aber eine nachdenkliche, über das Vergangene sinnierende Band, das wollen die Arctic Monkeys auch gar nicht sein, verrät Alex Turner: “Die letzten Monate sind einfach rasend schnell vergangenen und wir haben uns da jetzt nicht hingestellt und darüber nachgedacht, wie diese Monate vergangen sind. Wenn ich immer über meine Sorgen und Ängste nachdenken würde, dann würde ich ja vom Hier und Jetzt nicht so viel mitbekommen!” Nach Selbst-Epos steht Alex Turner also nicht der Sinn – die groß angelegte Reflektierarbeit im britischen Pop soll bitteschön vorerst jemand anderes übernehmen. Das Vereinigte Königreich geriet bei den Arctic Monkeys ja auch nicht wegen einer intellektuell vertonten Seminararbeit in kollektive Verzückung, sondern wegen der unglaublich treibenden, schwitzenden und ausgebufften, kurzum tollen Songs der Band – und die gilt es zu wiederholen.

Der Druck, den Erfolg vom Debüt zu wiederholen, ist nun mal da, das können die Arctic Monkeys nicht von der Hand weisen. Doch sämtliche Angst, die sich mit Blick auf die 118.501 am Erstverkaufstag abgesetzten Exemplare von “Whatever People Say I Am, That’s What I’m Not” aufbaut, wird mit laxem Schulterzucken erst einmal zur Seite geschoben: “Ob unser Album erfolgreich wird? Keine Ahnung. Aber ehrlich gesagt, ist uns das auch nicht so wichtig. Viel wichtiger ist es, dass die Songs zünden, dass sie live knallen“, sagt Alex Turner und als müsse dies noch besser auf den Punkt gebracht werden, schiebt der etwas wortkarge Gitarrist Jamie Cook im jungspundlichen Rock-Wahnsinn hinterher: “Die Songs müssen ordentlich Wumms haben!”

Wummsen müssen sie, dann bleibt auch kein Platz mehr für Angst. Und genau das tun die Songs auf ‘Favourite Worst Nightmare’. Wie schon bei den Songs auf dem Debüt singt Alex Turner mit bissigen und pointierten Bemerkungen aus dem Leben in Little Great Britain. Und natürlich tummeln sich auch wieder zahlreiche Pop-Verweise in den Songs. Hatte Alex Turner der Alt-Boy-Band und Frisurenkracher Duran Duran bereits im Hit “I Bet You Look Good On The Dancefloor” gehuldigt (darin hießt es: “Your name isn’t Rio/ But I don’t care for sand” und ist an den Song “Rio” von Duran Duran angelehnt – “Her name is Rio/ And she dances on the sand”), so bekommen die Achtziger-Heroen auch auf dem neuen Stück “Teddy Picker” wieder eine kleine Referenz. Zitiert wird dieses Mal aus dem Duran Duran-Song “Save a Prayer” (die Monkeys klauen die Refrainzeile “Save it for the morning after”) – und darauf angesprochen, bekommt Alex Turner fast schon glühende Augen: “Oh, du hast das gemerkt! Ich hatte schon Angst, das würde keiner mitkriegen!” Oha, das war das erste Mal, dass Alex Turner über Angst sprach.

Text: Heiko Reusch