8 Jahre ist es her, dass die Iren von Ash ein richtiges Album veröffentlicht haben. Mit “Kablammo!” hat das Warten nun endlich ein Ende. Wir trafen Sänger und Gitarrist Tim Wheeler zum Gespräch über die Veränderungen in der Musikindustrie und die Arbeit an der neuen Platte.

Tim, 2007 hast du gesagt, dass das Album als Format tot sei und Ash von nun an nur noch Singles veröffentlichen würde, was ihr mit dem “A-Z” Projekt auch ein Jahr lang konsequent durchgezogen habt. Jetzt bringt ihr wieder ein Album raus – was hat sich verändert?

Wir haben Musik schon in einer Zeit veröffentlicht, in der das Albumformat noch ganz groß war. Seitdem hat sich, vor allem durch das Internet viel verändert. Ich hatte das Gefühl, ganze Alben würden nicht mehr wirklich wahrgenommen. Einzelne Songs schienen den Menschen mehr im Gedächtnis zu bleiben und durch einen einzelnen Track ließ sich das Publikum auch leichter erreichen. Wir hatten außerdem schon so viele Alben gemacht, dass uns der Sinn nach etwas Neuem stand. Deswegen haben wir uns der Herausforderung des “A-Z” Projektes gestellt und innerhalb von einem Jahr 26 Singles veröffentlicht. Aber dann ist das Album doch nicht gestorben (lacht) und wir sahen, wie immer mehr Menschen Vinyl kauften und auch auf digitalen Plattformen wie Spotify wieder ganze Alben hörten. Ich habe auch gemerkt, wie ich selber wieder Lust auf ganze Alben bekam und habe ein Weihnachtsalbum und ein Soloalbum aufgenommen. Singles erlauben dir eine enorme künstlerische Freiheit, aber wenn du es schaffst ein Album aufzunehmen, das einen Haufen toller Songs unter einem gemeinsamen Thema vereint, dann ist das auch großartig!

Was ist das Thema, das die Songs auf “Kablammo!” vereint?

Schwer zu sagen…ich glaube wir blicken auf dem neuen Album auf unsere Karriere zurück, da gibt es viele nostalgische Augenblicke. Wir haben aber vor allem versucht, unseren Sound als Live Band einzufangen.

Irgendwo auf dem Weg scheint der Industrie die Verbindung zwischen Band und Fans verloren gegangen zu sein – wie wirkt ihr als Band dem entgegen? 

Wir haben zum Beispiel die “A-Z” Serie selbst, also auf unserem eigenen Label released. Für das neue Album haben wir die Crowdfunding Seite Pledge benutzt, um unseren Fans die Möglichkeit zu geben, das Album schon im Dezember letzten Jahres vorzubestellen. Das ist schön, wenn man während der Arbeit am Album durch die Vorbestellungen schon die Unterstützung der Fans spürt. Wir setzten aber nach wie vor auf Live Konzerte – dort hat man den direkten Draht zum Publikum und außerdem die Möglichkeit, durch die Ticketverkäufe tatsächlich Geld zu verdienen.

War es schwierig nach 8 Jahren wieder in den Prozess zurückzufinden, ein Album aufzunehmen?

Ja, das war nicht einfach. Wir standen unter hohem Druck, weil wir uns dachten: “Wenn wir jetzt nach all den Jahren wieder ein Album aufnehmen, dann muss das schon richtig gut werden.” Es hat gedauert, bis wir wieder so richtig in der Materie drinnen waren, aber wir haben auch gelernt, uns als Produzenten mehr zu vertrauen. Da haben wir von unseren Erfahrungen mit der Arbeit an “Twilight Of The Innocent” sehr profitiert.

Würdest du 2015 nochmal eine Band gründen?

Das ist eine gute Frage! (lacht) Ja, ich glaube schon. Musik ist für mich so wichtig, dass ich mir nicht vorstellen könnte, etwas anderes zu machen. Ich war grade in Tokio, jetzt sitze ich mit dir hier in Berlin – Musik hat mir großartige Erlebnisse ermöglicht! Auch wenn es heute wahrscheinlich schwerer wäre, als es damals für uns war – ich würde es versuchen und alles daran setzen, Musik machen zu können.