Hippies, wollt ihr ewig leben? Das vielleicht nicht. Aber aussterben werden die Blumenkinder wohl so schnell auch nicht. Lebendes Beispiel dafür: Die amerikanische Band Au Revoir Simone.
Drei Mädchen mit langen glatten Haaren, zarten Stimmen und gedudelten Melodien. Am Sonntag präsentierten sie sich und ihre Musik live in der NaTo, Leipzig.
Dass wir uns jedoch längst nicht mehr im Jahre 1968 befinden, wurde schnell klar. Statt Akustikgitarre gab’s nämlich rein elektronische Töne, die die drei aus ihren Keyboards und Synthesizer zauberten. Begleitet dann aber doch von Rasseln und Schellenkranz. Und von einem Lächeln auf allen drei Gesichtern. Sähen nicht alle drei so furchtbar unschuldig aus, wäre der LSD-Verdacht wohl schnell aufgekommen. Die Musik lud dann auch dazu sein, sich die drei Bandmitglieder (müsste man nicht sagen: Bandmitgliederinnen? Diese Band ist einfach so weiblich) springend und tanzend auf einer grünen Wiese mit Blumen im Haar vorzustellen. Jetzt standen sie aber gerade auf einer Bühne in einem dunklen Club.
Vor einem Publikum, das brav klatschte, zwischenzeitlich auch ein paar „Yuhaa“-Rufe einwarf, sich ansonsten bei der wunderschönen Musik einfach irgendwohin träumte, wo es ihm gefiel. Tanzbar war diese Klangwelt eher nicht.
Au Revoir Simone liebte dieses Publikum. Erzählten sie jedenfalls. Überhaupt liebten sie so ziemlich alles. Leipzig sei eine „beautiful amazing city“. Das hatten sie sogar auf Deutsch gelernt: „Iech maak Leippzich!“ Und dann freuten sich wieder alle. Und lächelten. Und trällerten hübsche Melodien. Vielleicht ist es doch ganz einfach, glücklich zu sein.
Wenn einem nicht ständig Sophia Coppolas Virgin Suicides einfallen würden. Aber Au Revoir Simone schienen mehr als weit entfernt von irgendwelchen Suicides zu sein. Sie schafften es sogar doch noch, die Leute zum Tanzen zu bewegen. „This stage is so big, so come on, who wanna dance on the stage?” Das wollten einige und so hüpften dann neben den Tasten drückenden und Rasseln schwingenden Sängerinnen noch andere glückselige Jungs und Mädchen auf der Bühne herum, worauf die Freude der Band darüber kein Ende nehmen wollte. Nach überschwänglichem Bedanken beim Publikum, dann eine unerwartet coole Verabschiedung. „Tschüßikowski!“ Mit Akzent. Da musste man nach dem ganzen Lächeln sogar mal grinsen.