Wie der sprichwörtliche Phönix erhoben sich Audioslave im Jahre 2002 aus den personellen Überresten von zwei der bedeutendsten Alternative-Bands der Neunziger: Soundgarden und Rage Against The Machine. Auch wenn die Vorstellung, dass Grunge-Ikone und Ausnahmesänger Chris Cornell nun mit dem Rest der Crossover-Polit-Agitatoren von RATM musiziert, zunächst für entsprechende Skepsis in beiden Fanlagern sorgt, beschwichtigt das selbstbetitelte Debüt der neuen Supergroup letztlich und ist bezeichnender Ausdruck eines wiederkehrenden Bekenntnis zu zeitlos klassischem hartem Rock im neuen Millenium. Aber nun mal schön der Reihe nach.

1997 lösen sich nach fünf Alben, die sich weltweit über 20 Millionen Mal verkauften, die Stil prägenden Seattle-Szene-Pioniere Soundgarden auf. Frontmann Chris Cornell, der sich zwischenzeitlich schon als Songwriter auf Alice Coopers ‘The Last Temptation’ (1994) und als Produzent des Screaming Trees-Albums ‘Uncle Anesthesia’ (1991) versucht hat, unternimmt daraufhin 1999 mit ‘Euphoria Morning’ seinen ersten musikalischen Alleingang, der ihn vom Siebziger-Led Zeppelin/Black Sabbath-beeinflussten Heavy-Sound seiner Mutterband auf eher introspektives Singer/Songwriter-Terrain führt. Derweil verlässt im Jahre 2000 Frontmann Zack de la Rocha nach acht gemeinsamen Jahren und vier Platten RATM. Das Cover-Album ‘Renegades’ aus dem gleichen Jahr, unter anderem mit Stücken der Stones, Stooges und Dylan, sowie von Cypress Hill und Eric B & Rakim, stellt somit nicht nur das Vermächtnis der revolutionären Crossover-Band dar, sondern ist zugleich Zeugnis ihres eklektischen Musikverständnisses, das politisches und sozialkritisches Engagement mit synergetischen Fusionsstrategien aus Rock, Punk und HipHop verbindet. De la Rocha beschließt daraufhin, an seinem bislang unveröffentlichtem Solowerk zu basteln, bei dem diverse HipHop-Größen wie Outkast oder DJ Shadow ihre Finger im Spiel haben sollen. So treffen sich in der Zwischenzeit im Jahre 2001 die restlichen Rager, Gitarrist Tom Morello, Bassist Tim Commerford und Schlagzeuger Brad Wilk zur ersten gemeinsamen Jamsessions mit Chris Cornell.

Mit Produzentenlegende Rick Rubin an den Reglern entstehen bald darauf die ersten gemeinsamen musikalischen Früchte der neuen Formation, die – nachdem der Name Rage Against The Machine 2002 offiziell ad acta gelegt ist – zunächst als Civilian agieren. Die geplante Teilnahme an der Ozzfest-Tour des selben Jahres platzt jedoch auf Grund Cornells plötzlichem und kurzfristigen Ausstieg aus der Gruppe. Wenige Monate später kehrt er jedoch zurück, man einigt sich auf ein neues Management und debütiert schließlich im November als Audioslave. Überschattet wird die Veröffentlichung dieses ersten Studio-Albums durch die Tatsache, dass bereits ein Großteil des Materials aus den diversen Aufnahmesessions als Demoversionen im Internet die Runde macht. Nichtsdestotrotz überzeugt die Platte, die von Cornells musikalischem Verständnis, charakteristischer Sangeskunst und kryptischen Lyrismen weitaus deutlicher geprägt ist als vom aktionistisch progressiven Fusion-Rock, für den RATM einst bekannt wurden. Als quasi posthumes Abschiedsgeschenk für alle Rage-Fans erscheint derweil 2003 schließlich noch das Live-Album ‘Live At The Grand Olympic Auditorium’. Momentan arbeiten Audioslave, erneut zusammen mit Rick Rubin, an ihrem zweiten Album, welches nach Aussage Morellos die Band als noch weiter zusammengewachsene und eigenständigere Einheit präsentieren soll.