Paris – Stadt der Liebe, der Romantik. Eigentlich sollte man meinen, dass die französische Metropole genug Schönheit bereithält, die es wert ist, auf Albumlänge eingefangen zu werden. Doch für die Aufnahme ihres dritten Studiostreichs ziehen Phoenix im Sommer 2005 aus, um ausgerechnet in Berlin ihr bisher stimmigstes Album ‘It’s Never Been Like That’ aufzunehmen.

Dieser Punkt geht auf Christians (Mazzalai/Gitarre) Ideen-Konto, auch wenn Alleinentscheidungen bei den vier Franzosen eher die Seltenheit sind: “Wir arbeiten mit einem Veto”, erläutet Thomas (Mars/Gesang) und fügt lachend hinzu: “Aber zur gleichen Zeit ist die Band manchmal auch eine Diktatur. Einer hat für zehn Minuten das Sagen und dann gibt es einen Putsch.”. Diesmal nicht. Ihre “amerikanischen Fantasien” haben sich die beiden gemeinsam mit Laurent ((Brancowitz/Gitarre) und Deck (D’Arcy/Bass) schon mit ihrem Vorgängeralbum ‘Alphabetical’ (2004) erfüllt, spiegelglatter Elektro-Pop made in L.A., und so steht fest: ‘It’s Never Been Like That’ soll eine europäische Seele bekommen und an der Spree sein Leben finden, wo “alles von eigener Schönheit ist”, wie Christian schwärmt. “Sogar das zerstörte Haus hat seine eigene Poesie. Berlin ist wie eine neue Stadt, im Vergleich dazu ist Paris tot. Hier ist einfach immer was los.”

Das “was los” hat unsere Vier des nächtens auch ordentlich auf Trab gehalten, denn die lauen Nächte verbringen sie nicht im Ostberliner Planet Roc-Studio, sondern die Inspiration liegt auf der Straße und in den Bars (und sie lernen, dass Berliner Taxifahrer nur unangenehm werden, wenn man “Kurzstrecke bitte” sagt), allabendliche Zerstreuung als Teil des Plans? “Ja. Es war Teil des Konzepts. Wir hatten vor, so schnell wie möglich aufzunehmen und möglichst wenig zu kontrollieren.” Und es funktioniert: In nur vier Monaten ist alles im Kasten, es geht nach Hause.

Neben dem von Christian beschriebenen “Gefühl” unterschiedet die beiden Hauptstädte noch etwas anderes: das Radioprogramm, beziehungsweise die so genannte Radioquote. Was hierzulande wenig erfolglos und reichlich ermüdend diskutiert wurde, ist in Frankreich seit 1994 Realität. Aber ist staatlich verordnetes Pflichtprogramm tatsächlich von Vorteil? “Für uns ganz sicher nicht. Wir werden sowieso nicht als französische Band wahrgenommen, da wir auf Englisch singen”, resümiert Thomas. “Einige wenige Wochen hat die Sache mit der Quote ganz gut funktioniert, aber dann hat die Industrie sie für sich entdeckt und eingenommen. Ich denke, Talent braucht keine Subventionen, sondern Charisma. Wenn etwas gut ist, wird es sich durchsetzen, So oder so.”


Text: Ina Göritz