Rache ist süß, müssen sich die jungen Ostküstler gedacht haben, als sie im letzten Jahr als verheißungsvollste Band aus der knallharten Talentschmiede New Jerseys auszogen, um fortan mit den großen im Business zu zocken. Das danach benannte Album ‘Three Cheers For A Sweet Revenge’ jedenfalls gilt schon jetzt als DIE Offenbarung in Emo/Indie/Hardcore-Zirkeln. Wir befragten Gitarrist Frank Iero nach seinen Glücksgefühlen.

Frank, was macht Euch denn so besonders, dass Ihr bereits ein halbes Jahr vor sämtlichen Europa-Veröffentlichungen die Frontcoverseiten großer amerikanischer und britischer Alternative-Musikmagazine geziert habt, und sogar in vielen letztjährigen Jahrescharts auftaucht?
Ich denke, gerade weil wir fünf ganz stinknormale, voneinander völlig verschiedene Menschen wie Du und ich sind, kommt das gut an. Wir sind einfach sauehrlich in dem, was wir tun und in unserem Umgang mit den Fans. Wir vermitteln zudem unser Wissen, unsere Erfahrung auf eine ironische, distanzierte Weise. Das kommt besser an als Macho-Gehabe und Emo-Heulerei.

Dabei erfindet Ihr nicht gerade das Rad neu, denn Emo, Metal und Punk hat es ja besonders in letzter Zeit oft so gemischt gegeben. Wo nehmt Ihr bloß diese begeisternden Ideen her?
Der Mix macht’s! Die Formel für den perfekten Emo-Song ist längst bekannt und hinlänglich nachgespielt worden. Wir indes interessieren uns über eine Art organischen Entstehungsvorgang dafür, wohin man mit seinen Ideen noch gelangen kann. Unsere Songwriting-Geister sind ständig in Bewegung. Jeder von uns hat andere Einflüsse, eine andere Arbeitsweise: Ich komme eher aus dem Hardcore, Ray Toro, der andere Gitarrist, ist klassisch ausgebildet, unser Drummer Matt Pelissier ist ein Metal-Head und Sänger Gerard Way hört am liebsten guten Brit-Pop… Es ist also jedesmal wie ein Chemie-Unterricht: Man weiß nur, dass es am Ende knallen wird!

Auch wenn Ihr eine verdammt geile Platte vorgelegt habt und Eure Songs nur so vor frischen Ideen strotzen, so seid Ihr doch im weitesten Sinne in einem völlig überladenen Genre angesiedelt: Emo-Core läuft doch mittlerweile sogar auf MTV…
Um so besser! Man muss in diesem Business verdammt hart und zäh sein, um nicht unterzugehen. Wir haben in Jersey als erstes gelernt, andere Bands knallhart in die Schranken zu weisen, sonst würden wir heute noch immer in kleinen Jugendzentren spielen. Als wir das erste Mal auf größere Tour raus aus Jersey fuhren, sagten wir uns: ‘Wir fahren da jetzt raus und zerstören alle anderen Bands’, so richtig Metal-mäßig. Das meinen wir natürlich nicht im direkten Sinne, aber so wurden z.B. The Used auf uns aufmerksam und nahmen uns bereits vor zwei Jahren mit nach Europa. Auch Taking Back Sunday sind inzwischen die besten Kumpels geworden. Ich meine, die spielen vor 10.000 Leuten! Uns geht es nicht darum , unbedingt anders zu klingen als andere Bands, wir wollen nur zehnmal besser sein!

‘Three Cheers For sweet Revenge’ ist Euer zweites Album. Ist es nicht doof, dass es in Europa jetzt erst Monate nach den USA veröffentlicht wird? Und was kann man denn noch von einem weiteren Album erwarten?
Naja, so hatten wir erstmal Zeit, in Ruhe alle Promotion auf dem wichtigen amerikanischen Markt zu erledigen und mußten niemanden in Europa enttäuscht warten lassen. Nun seid Ihr dran, Leute, und wir kommen sogar mit aller Wucht Ende Januar/Anfang Februar auf Tour! Das nächste Album? Na, Chemie-Unterricht halt…

Text: Steven Gläser